Ein neues Spezial-BarCamp wird geboren: Das StadtCamp

Das erste mal ein BarCamp zu besuchen ist für viele ein sehr eindrucksvolles Erlebnis. Steffen Peschel hat heute in seiner Blogparade dazu aufgerufen, über sein “erstes Mal” auf einem BarCamp zu berichten. Ich hatte ihm einige Beispiele aus den EduCamps weitergegeben und dabei bemerkt, dass vielleicht gar nicht so viele Beiträge für die Blogparade entstehen könnten – schlichtweg weil es sie schon gibt. Eine ganze Reihe an EduCampern hat über den ersten EduCamp-Besuch gebloggt, auch ich. Aber auch auf den EduCamps gibt es einen erstaunlich großen Anteil an “Newbies”, um die sich mit Erklärungsvideos und eigenen Einstiegssessions auch aufmerksam gekümmert wird. Und so kommen nach jedem EduCamp neue Berichte vom ersten EduCamp hinzu (Beispiele vom #echh13: 1, 2).

Aber Steffen hat ein Ass im Ärmel: Er und sein Team organisieren das erste StadtCamp, das am kommenden Wochenende in Dresden stattfindet.

Logo des Stadtcamps (freundlich aufgedrängelt genehmigt von Steffen Peschel – vielleicht sollte das StadtCamp über CC-Lizenzen für Logos und Texte nachdenken… ok, nicht nur vielleicht)

Die Initiative startet zwar aus Dresden und die Teilnehmer werden wohl auch eher aus dieser Ecke stammen, die Probleme dürfen und sollen laut Steffen auch gern überregional diskutiert werden:

Es ist das erste +STADTCAMP, ja. Wenn man so will, rührt das ganze am aktuellen Stadtgeschehen. Immer mehr Projekte stehen in Dresden vor dem Aus, weil sie mit dem teilweise eigenen Anspruch nicht-kommerziell zu agieren nicht gegen einen gerade stark anziehenden Immobilienmarkt mithalten kann. Hier ist eine Karte mit einigen Projekten, die akut gefährdet sind oder schon schließen mussten: http://freiraum.fueralle.org/projekte/
Es soll aber nicht nur um Dresden gehen. Das STADTCAMP soll auch den “Austausch über den Tellerrand” ermöglichen. Sowohl geografisch wie auch thematisch. Ich möchte zB. zwei Sessions anbieten, die sich nicht direkt mit dem bedrohten Projekten beschäftigen, sondern indirekt eine Verbindung ziehen. Einmal “Wie funktioniert Barcamp?” und das andere ”Stadt und Medien – Was kann man selbst und wie?”. Das ist dann sicherlich auch auf andere Städte interessant. (Hoffen ich. :) )

Ich werde zwar nicht an dem StadtCamp teilnehmen (einerseits bin ich nicht direkt in das Thema involviert, auch wenn es in Chemnitz sehr viele Handlungsfelder gibt, vgl. Stadtforum; andererseits ist das Männertagswochenende traditionell familiär geblockt), aber die “Premiere” dieses Spezialformates finde ich spannend. Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt und ob es vielleicht Nachahmer geben wird, ob sich ein übergreifender oder eher regionaler Ansatz hier etablieren könnte,… und ob es danach in der Blogparade von jedem Teilnehmer einen Beitrag “mein erstes StadtCamp gibt”. Die Anmeldung ist übrigens noch offen!

Du darfst… was eigentlich?

In dieser dritten Woche des #mmc13 stand das erste MOOC-O im Vordergrund, das da ja für “Open” steht. Ganz natürlich reihten sich zu den OER als offen zugängige Lernmaterialien auch die Creative-Commons-Lizenzen, die für eben solche freien Lernmaterialien solide und (weitestgehend) rechtssichere Lizenztexte bereitstellen.

Fallstricke bei der Mediennutzung im Internet

Dennoch sind die Fallstricke hoch gespannt und selbst diejenigen, die sich vermeintlich intensiv mit CC-Lizenzen beschäftigen und dafür werben, fallen drüber. (An dieser Stelle würde ich gern die Beispiele zur Demonstration verlinken, aber ich möchte es diesen Aasgeiern von Anwälten, die es eben auf solche Versehen abgesehen haben, nicht zu leicht machen. Daher nur anonymisiert):

  1. Das OER-Logo der UNESCO selbst steht unter CC-BY-Lizenz. Das heißt also vor allem, dass der Name des Designers genannt werden muss. Übersieht man leicht, kann aber im Zweifel zu Kosten für die Nachlizensierung führen.
  2. Wenn Links geteilt werden, binden Facebook, Google+ und Co. mittlerweile gern Vorschaubildchen ein. Diese können aber schon Urheberrechtsverletzungen darstellen, ohne dass der Nutzer die Bilder aktive eingebunden hat und tw. auch nichts dagegen tun kann. Kann ich demnach noch Links öffentlich meinetwegen auf Google+ posten? Muss ich erst prüfen, wem das Vorschaubild gehört? Ich weiß es nicht.
  3. In einem Video werden vermeintliche “Musikzitate” eingespielt. Ob der Umfang noch ein “Kleinzitat” ist und das eigene Werk ausreichend unterstützt kann ich auch nach Recherchen dazu nicht beantworten. Ich würde es eventuell mit den Filmeinspielungen von Stefan Raab in TV Total gleichsetzen, was vom BGH nicht als Kleinzitat anerkannt wurde. Aber ist Musik hier gleichwertig zum Film zu sehen? Ich weiß es nicht.
  4. Auf Foliensätzen zu Vorträgen sind Flickr-Bilder ja schon sehr verbreitet. Dass nicht jedes Bild von Flickr unter einer CC-Lizenz steht, scheint dabei einigen zu entgehen. Ob sie das Bild trotzdem im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrags verwenden dürfen, weil die “Freiheit von Forschung und Lehre” darübersteht? Und ist die Bereitstellung der Präsentation über Slideshare noch “Forschung und Lehre”? Ich weiß es nicht.

Ist das im Rahmen? Ich weiß es nicht.

Wenn ich etwas aus einem Laden mitnehme ohne es zu bezahlen ist das Unrecht. Wenn ich ein Musikstück von einem Künstler aufführe und dann behaupte, dass es meins wäre, ist das Unrecht. Wenn ich einen Absatz aus einem Buch in einen Blog-Artikel einfüge und sage, es wäre meiner, ist das Unrecht. Wenn ich einen Film auf einem Server bereitstelle, mit dem die Produzenten noch Geld verdienen wollen und ihn deshalb nicht unter eine freie Lizenz gestellt haben, ist das Unrecht. Und das weiß ich auch.

Wenn ich die Fälle oben betrachte und überlege, ob das Beispiele für Unrecht sind kann ich nur wiederholen: Ich weiß es nicht. Ich habe in meinem Studium eine Lehrveranstaltung zu Medien- und IT-Recht und kann die CC-Lizenzarten fast singen. Und dennoch kann ich die Fragen nicht beantworten. Ich habe auch noch niemanden getroffen, der hier einen selbstsicheren Eindruck auch nur heucheln konnte. Wie sollen denn Laien da durchblicken?

Du darfst… was?

Beim Educamp in Ilmenau 2012 hatte @ralfh in einer Session angestoßen, nicht immer nur die Verbote, sondern vor allem das Erlaubte zusammengetragen. Ich habe leider nicht mitbekommen, ob und wie diese Idee das EduCamp überlebt hat (ich werde ihn aber auf den Blogeintrag hinweisen und auf eine Antwort hoffen). Ich habe im Zuge dieser MMC13-Woche eine Wikiversity-Seite zur Frage Where2OER angestoßen (kann allerdings nicht sehr viel Zeit investieren), auf der ich Plattformen zum Teilen von OER zusammengetragen wollte, da ich eine solche Übersicht noch nicht finden konnte. Vielleicht ist es ein Anfang.

Dennoch und gerade deshalb kann ich es niemandem verübeln, wenn er Contents nicht als OER und/oder unter CC-Lizenz stellen möchte. Ich teile die Ansicht, dass mit öffentlichen Geldern finanzierte Lehrmittel ganz selbstverständlich als OER bereitgestellt werden sollten, allerdings fehlt hier jegliche staatliche Unterstützung: Der politisch gewünschte Wettbewerb zwischen den Bildungsinstitutionen lässt viele Lehrende im Unsicheren, ob sie mit der Freigabe ihrer Inhalte der eigenen Position nicht schaden. Viel problematischer sehe ich aber die fehlende Unterstützung bei nutzungsrechtlichen Fragen und Problemfällen: Lehrende sind diesbezüglich nicht geschützt, Universitäten und Schulen werden ebenso abgemahnt wie der Musikpirat von nebenan. Uns erreichte einst ein Rundschreiben der Unileitung, indem darauf hingewiesen wurde, dass wir auf den Webseiten der Hochschule die Urheber- und Nutzungsrechte beachten sollen – allerdings ohne weitere Erklärung. So wäre es hilfreich gewesen, den Fall, der offenbar zu dieser E-Mail geführt hat, zu schildern, um andere Mitarbeiter vor diesen Pannen zu bewahlen. Eine Deckelung der Gebühren für die erste Abmahnung könnte hier helfen, dennoch fehlt der Anreiz, sich dieser Gefahr auszusetzen.

Ein OER-Flashmob, alle finden ihn toll, aber keiner macht mit?

In dieser MMC13-Woche wurde zum OER-Flashmob aufgerufen. Das ist fraglos eine gute Sache. Dennoch sehe ich einen Tag vor dem Ende der Themenwoche, dass der “Platz für eure Beiträge direkt auf diesem Wiki” noch sehr leer ist. Warum? Ich bin mir sicher, einer der Gründe sind die rechtlichen Unsicherheiten, die zu beseitigen aber leider nicht in unserer Hand liegen. Man kann nur hoffen, dass die ständige Thematisierung die Akteure in der Politik anspornt, hier eine OER-freundliche (rechtliche) Infrastruktur zu schaffen.

Educamp Ilmenau #ecil12 – Meine Session zum Tracking von L3T/OER

Ich kam mir ja schon fast wie auf Werbetour vor (das war auch ein wenig beabsichtigt, den ich halte es nach wie vor für ein tolles Projekt): Ich hatte das L3T-Konferenzbuch und auch ein paar Flyer dabei, um das Buch im Vorfelde der Session bekannt zu machen. Denn obwohl recht viel dazu gelaufen ist, ist es an vielen bislang noch vorbei gegangen. Und was bei den Herausgebern vor allem vorbeigeht ist der Einsatz des Buches, der Kapitel, der Aufgaben.

Die Session wurde angekündigt und am Samstag eingetaktet. Wie beim OERCamp sollte Martin (@mebner) per Google+Hangout hinzukommen, ich habe dieses mal vor Ort moderiert. Die Session habe ich anschließend in einem Kurzvideo so zusammengefasst:

Noch einmal zu den beiden Hauptpunkten:

  • Feedback wird nicht gegeben, weil zunächst die offenkundige Aufforderung fehlt (selbst ich hatte Schwierigkeiten in der Session, die genutzten Social-Media-Verlinkungen zu finde). Aber vor allem ist es auch nicht üblich, einem Herausgeber oder Autoren Feedback zu geben. Wir schimpfen zwar über schlechte Lehrbücher, aber wer hat sich denn schon einmal an die Herausgeber oder die Urheber direkt gewandt? Ist das eine Mentalitätsfrage oder muss/kann es noch irgendwie unterstützt werden?
  • Obwohl OER unter CC-Lizenz stehen ist “remix & share” trotzdem befremdlich, d.h. als Buch angelegtes OER zu “zerschneiden”, indem man einzelne Teile herauslöst, ggf. anpasst oder neu zusammensetzt. Martin meint schon seit einer ganzen Weile, dass das PDF nicht alles sein kann und das hat sich hier bestätigt. Warum sollte man auf einmal anfangen, mit einem digitalen Lehrtext anders umzugehen, als mit einem Buch? Die Antwort muss sein: weil es geht. Und dafür muss es aber auch gehen. Aber nicht nur die technische Frage nach dem richtigen Format stellt sich hier, sondern auch eine ideelle. Ich habe sogar das Gefühl, dass gerade dadurch, dass L3T durch einige Stufen zur Qualitätssicherung gegangen ist, ist einde höhere Hürde dabei, es zu verändern.

Die Session selbst empfand ich als sehr produktiv, es wurden wesentliche Schwachpunkte identifiziert und die Reaktionen zeigten, dass wir manchmal wohl doch in solchen Projekten drinstecken. Ich war hinterher ganz schön platt: Gleichzeitig moderieren und inhaltlich mitziehen (noch dazu bin war ich ja auch ein wenig aufgeregt) zusammen mit den anderen Sessions war nicht ohne. Aber ich war doch überrascht, wie gut der/die/das Hangout funktioniert hatte.

Für die angesprochene Neuauflage gibt es auch schon einen Aufruf, wie verwöhnt als Video:

Educamp Ilmenau #ecil12 – Die Sessions

Ich hatte versucht, diese Beschreibung in dem “allgemeinen” Post unterzubringen, aber der wäre ja selbst mir so zu lang. Daher lagere ich das aus und jeder mag bitte nur die Sessions lesen, die für ihn interessant sind. Die Session-Matrix mit Pads und Videos ist hier zu finden.

Wir waren zwar schon Freitag da, haben das aber eher zum WarmUp genutzt. Für die EduHacks waren wir ein wenig spät, daher hatten wir uns erst zu einer YERC-Session gesellt, anschließend bei einem Projekt Mäuschen gespielt. Richtig reinkommen konnten wir nicht mehr, aber mit einigen Leuten sprechen und auch bekannte Gesichter von verschiedenen Veranstaltungen wiedersehen. Das abendliche Quiz nach Kneipenquiz-Charakter war ein netter Einstieg und auch ein Ausstieg aus dem doch recht langen Tag.

Samstag

Sketchnotes (by @ralfa): Trotz der parallel stattfindenden Session zur “Digitalen Demenz” war diese Session quasi ein Muss. Ich hatte hier im Blog ja bereits meine ersten Erfahrungen damit gepostet, da musste ich an der Session des “Meisters” teilnehmen. Die Faszination für das Thema hat bei mir noch nicht abgenommen, vor allem seit dem ich weiß, dass es hier überhaupt nicht darauf ankommt, ob man malen kann. In den darauf folgenden Sessions habe ich dann auch versucht, mich zum Sketchnoting “zu zwingen” (wobei der Zwang überhaupt kein Opfer war).

Akademie 2.0 (by @RonaldHindmarsh): Hier wurde eine Idee vorgestellt, wie die Erwachsenenbildung (?) besser gestaltet werden kann. Unter Einbindung aller “Ideale”, darunter Kompetenzprofile statt Zertifizierung oder Lerncoaches statt Lehrende, wurde überlegt, wie diese Akademie aussehen soll. Ich mag die Vorstellung sehr, kam mir in der Session dann aber doch wie ein “Spielverderber” vor. Aus dem im Vorfeld dazu stattfindenden EduHack-Projekt wusste ich, dass hier durchaus über ein konkretes Vorhaben gesprochen werden sollte. Aber wie sollen die Kompetenzprofile von Personalmanagern ausgewertet werden, wenn diese hunderte auf dem Tisch haben? Wie sollen Lehrende die individuelle Bewertung ermöglichen, wenn es sehr viele Lernende werden? Warum überhaupt einen Rahmen, wenn die Projektgruppen fast ohne institutionale Vorgaben laufen sollen? Ich denke, es ist wirklich eine gute Idee und habe es ein wenig mit den Open Courses oder UnUni.tv verglichen. Aber die “Keule der Realität” (siehe Sketchnote) muss hier einfach noch überwunden werden. Ich bin gespannt, wie das gelingt (das “ob” stelle ich bei den Session-Leitern mal nicht infrage).

L3T/OER-Tracking (by ME): …war meine Session, dazu muss ich mal separat was bloggen…

Etherpads @ Hochschule (by @GregoryGrund): Ich hatte in einer Vorlesungseinheit ja auch mal versucht, Etherpads zum gemeinsamen Notizenmachen einzusetzen, was vor allem deshalb gescheitert war, weil nur drei Studierende einen Laptop dabei hatten. Daher hatte mich interessiert, wie andere Lehrende das einsetzen. In Gregorys Setting waren bereits Rechner im Raum – so simpel, so einleuchtend. Allerdings haben auch ihm Studierende erzählt, sie würden durch die Multitasking-Anforderungen zu sehr abgelenkt und somit gestört werden. Und so wurde die Session zu einem Erfahrungsaustausch mit vielen Beispielen der Teilgeber und vielleicht sollte es doch noch einmal versuchen. Allerdings haben Etherpads derzeit ein Problem, dass sich auch auf die Dokumentation des EduCamps auswirkte: Mit Smartphones und Tablets ist das Schreiben darin der absolute Rotz (daher hier auch der Versuch einer etwas umfangreicheren Sessionbeschreibung).

Vision eines Ingenieurstudiums (by @alextee): Alex versucht als Pädagoge gerade in seinem neuen Job das Ingenieurstudium zu verbessern. Damit erlebt steht er verglichen mit mir fast auf der anderen Seite: Während ich versuche, “informatikfernen” Studenten eben dieses Verständnis wenigstens im wesentlichen zu vermitteln und dafür pädagogische Konzepte in mich aufsauge kennt Alex diese schon, muss nun aber verstehen, wie die Ingenieure so ticken. Er sieht sich mit den “ist schon immer so gewesen”-Argumenten konfrontiert und muss sicher an den ein oder anderen angestaubten Lehrkonzepten vorbei. Interessanter neuer Job und ich wünsche Ihm, dass ihm die Session dabei hilft.

Mister X  mobile (by @herrwarteberg): Nach den vier austauschreichen Sessions war ich nicht nur kopfmatsche, sondern konnte kaum noch sitzen. Da war diese “Session” ganz recht. Kurz: wir hatten die App getestet und viel Spaß dabei. Außerdem waren wir draußen und konnten den schönen Sonnenuntergang sehen.

Am Abend wurden die EduHack-Projekte vorgestellt und ein “Gewinner” gekührt. In der Zeit bis zur Party im BD-Club waren wir zufällig noch zur Diskussion um die “Bildungs-Wikis” WikiVersity und ZUM-Wiki gestoßen, nachdem wir den Tweet gelesen hatten.

Dabei war mir bisher überhaupt nicht bewusst, dass das ZUM-Wiki garnicht zur Wikimedia-Familie gehört und nur von einer Hand voll Leuten getragen wird. So ein tolles Projekt, as braucht dringend unterstützer (vorrangig auf Lehrerseite, *zwinker zwinker* @Kai_Obi).

Party war gut :)

Sonntag

Bildungsutopia (by @FrauFridur): Die Session fiel mir im Vorfeld schon auf, weil sie so “rumspinnerisch” daherkam – und da bin ich ja schnell dabei. Unter der theatererfahrenen @lammatini (die später noch eine supertolle Session gehalten haben muss, zu der ich leider nicht war) haben wir versucht, dem Lerner von heute und morgen ein Denkmal zu setzen.

Die anderen haben in einem beeindruckenden Tafelbild Ihre Vision zusammengesponnen und sehr viele wichtige Punkte erfasst. Ich hätte gern die Diskussion und den Entstehungsprozess darum mitbekommen, ebenso wie ich unsere Vorstellungen gern noch mit weiteren Teilnehmern diskutiert hätte. Eine Zusammenfassung von @FrauFridur gibt es hier. Aber so sind wirklich tolle Visionen herausgekommen, ganz ohne die realen Schranken und Keulen, denen sich so reale Vorhaben wie die Akademie 2.0 stellen muss.

Du darfst – Urheberrecht (by @ralfh): Der §52a UrhG wird uns noch Ärger machen, genauer gsagt desse Befristung. Wenn nicht jetzt, dann später. Aber so hatte Ralf den Vorschlag, statt dauernd auf Verbote und Ängste einzugehen einfach mal zusammenzutragen, was denn erlaubt ist. Natürlich haben sich die Diskussionen dann doch schnell um Detailfragen gedreht, der Anfang und vielleicht schon ein zweiter Schritt sind aber gemacht und ich hoffe, hier noch davon hören zu können, vielleicht sogar mitzuwirken.

Format BarCamp (by @lina21): Als Abschlussession nur folgerichtig ist die Frage, in welchen Settings man das BarCamp-Format noch einsetzen kann. Frauke hat dazu aus Ihren Erfahrungen im Job und in der Vereinsarbeit berichtet. Vielleicht ist es ja doch etwas auch für die @chembows

Educamp Ilmenau #ecil12

Ich mag dieses Bild. Es ist bei der Session von @FrauFridur zur Bildungsutopie entstanden und zeigt dabei so viele Aspekte des EduCamps.

Nach den EduCamps in Bremen und Köln war das 10. EduCamp in Ilmenau also mein drittes EduCamp – und dabei das erste, das ich nur zum “Selbstzweck” besucht habe (die anderen beiden konnte ich mit der MLCB11 bzw. der DGI12 verbinden). Ich gehöre also nicht zu den “alten Hasen”, bin aber auch kein Newbie mehr und durchaus mit den Regeln des EduCamp-Prinzips vertraut (@gibro und @empeiria haben in ihren Blogs noch einmal daran erinnert). Ich hatte im Vorfeld ein paar Sessions im Forum vorgeschlagen, mit- und andiskutiert, wollte mir aber bewusst sehr kurzfristig überlegen, ob und was ich dann tatsächlich anbieten soll. Denn das ist einer der Punkte an einem EduCamp, den ich besonders schätze: die Möglichkeit, (subjektiv) aktuelle Themen vorzuschlagen und in einer stark interdisziplinären Community diskutieren zu können.

Mir ist der Thüringer Wald eigentlich sehr gut bekannt (jahrelang haben wir Silvester in Suhl verbracht und kennen auch Oberhof, Sonneberg, Meiningen, Ohrdruff, Lauscha, Gotha u.v.m.), nach Ilmenau hatte es uns aber noch nicht verschlagen. Aber es ist sehr schön hier und das bei diesem Wetter: 25°C im Oktober! Ilmenau war Ausrichter des ersten und dritten EduCamps, die ich aber zum Vergleich nicht heranziehen kann (ist also nur für die Statistik). Die Ausrichtung in einer Uni hat schonmal einen Vorteil: Es gibt Eduroam, für die quasi überlebenswichtige WLAN-Verbindung ist also gesorgt. Ebenso waren alle Räume mit Beamer und Tafel ausgestattet. Die Infrastruktur zusammen mit der tollen Orga und den Helfern bot ein ideales Umfeld für das EduCamp.

Die Beschreibung der Sessions ist mir jetzt irgendwie ausgeartet, die kommt noch einmal hier.

Na dann geht es los: 5-Finger-Feedback!

Daumen: Das wa super! Das Organisationsteam und vor allem die vielen Helfer waren unschlagbar: Egal wie oft man doch noch mal an seine Tasche musste oder ob man Hilfe bei der Raumtechnik brauchte: die vermutlich überwiegend Studenten waren immer freundlich, locker und hilfsbereit und es war auch immer etwas Zeit, sich persönlich noch einmal auszutauschen. Die Themen waren aus meiner Perspektive abwechslungsreich und ich hatte oft auch Probleme, mich für eine Session zu entscheiden.

Zeigefinger: Das könnte man besser machen! Nun folgt “Meckern auf hohem Niveau”. Das Quiz am Freitag war gut und für Nicht-Kneipenquiz’ler war es sicher auch schwer genug. Sollte man sowas wiederholen wollen (und für eine spielerische Quizzerei wäre ich auf alle Fälle) kann man sich bspw. mal an Bildungsthemen oder stärker noch örtliche Gegebenheiten herantrauen. Am Sonntag fehlte die Vorstellungsrunde und auch die Newbie-Begleitung schien nicht vorhanden bzw. nur individuell organisiert gewesen zu sein. Ja klar, ich habe es damals auch ohne geschafft, aber ich fand das Angebot in Köln (?) sehr gut und würde mich gern da auch selbst einbringen (ich brauche aber vermutlich vor dem #echh13 eine Erinnerung).

Mittelfinger: Das hat mir gar nicht gefallen! Eigentlich möchte ich gar nicht mehr so viel dazu sagen, hier wird an anderer Stelle genug diskutiert. Vielleicht allgemein: Diskussionen sollten zu jedem Zeitpunkt konstruktiv geführt werden. So wie das bei @jmm_hamburg gelaufen ist: es hat ihn etwas gestört und das ganze war dann Anlass zu einer Session. Ohne böses Blut, aber um dennoch darauf hinzuweisen. Und ich kann nur noch einmal betonen: Ich fände einen Crowdfunding-Versuch gut und interessant, sehe aber auch Gefahren, dass es nicht klappen könnte. Einfach hinschmeißen erspart diese Herausforderung.

Ringfinger: Das nehme ich mit! Ich werde Sketchnotes weiter verfolgen und wo es geht ausprobieren. Ich werde die Akademie 2.0 soweit es geht verfolgen, ich bin gespannt, wie sich dieses Projekt weiterentwickelt. Ich werden versuchen, am L3T 2.0 mitzuwirken. Ich werde das ZUM-Wiki und die WikiVersity erwähnen, wo ich kann. Ich werde die Bildungsutopie nicht aus den Augen verlieren. Ich werde weiterhin schauen, dass ich andere beim UrhG-konformen Einsatz von Medien helfen kann. Ich werde es hoffentlich schaffen, das BarCamp-Format mal im Verein zu testen. Ich werde die Kontakte aus dem EduCamp halten. Ich werde (hoffentlich) zum @echh13 kommen.

Kleiner Finger: Das ist mir zu kurzgekommen! Bei 30 Sessions hätte ich einige Sessions gern auch noch besucht. Und natürlich hätte ich auch von Ilmenau gern mehr gesehen. Aber ich kann mich nunmal nicht verteilen. Sicher konnte ich auch nicht mit jedem in dem Umfang sprechen, wie ich es mir gewünscht hätte. In anderen Blogs wird der politische Impact des EduCamps thematisiert, aber da sehe ich das anders: Das EduCamp ist keine politische Veranstaltung und soll keine werden. Es geht nicht darum, Meinungen und Haltungen zu diskutieren, es geht auch nicht um richtig und falsch. Es geht um einen Rahmen, in dem  ungezwungen von disziplinären Schranken und konkreten Zielen ein Austausch stattfinden kann. Ohne Vorgaben, ohne nötige Themen, ohne Gewinner und Verlierer, ohne Regierung und Opposition.

Erste Experimente mit Sketchnotes

Die Vorgeschichte

Als Medieninformatiker bestand ein Teil meines Studiums aus (Medien-)Gestaltung. Bei Professor Groh wurde ich zum Typonerd  (na gut, bissl Veranlagung und LaTeX ist auch dran schuld) und kann mit etwas Basiswissen Logos und Corprate Designs auseinandernehmen (und ich rate jedem, der die Möglichkeit hat, bei ihm mal eine Vorlesung zu besuchen). So ein bisschen hat sich das erhalten: Gut gemachte Infografiken finde ich super (wobei sich hier immer mehr auch “Stümper” breit machen, sei es in der Gestaltung, vor allem aber bei den Daten), ich liebe Webcomics (Linktipps) und lasse mich gern von einfachen aber wirksamen Visualisierungen begeistern (die man nicht zuletzt bei den Sachgeschichten der “Sendung mit der Maus” oder “Wissen macht Ah!” findet). Bei verschiedenen Workshops, wie L3T’s Work, unserem HDS-Kurs zur Hochschuldidaktik oder Beispiele von Oliver Tacke war mir aufgefallen, dass kleine Sketches scheinbar wieder “in” werden (vielleicht waren sie es auch schon immer, aber selektive Aufmerksamkeit und so). Man könnte nun kühn schlussfolgern, dass der Handmade-Trend (Stichwort Dawanda, ich nehme keine Haftung für Kaufräusche) auch in den (Präsentations-)Medien (wieder) angekommen sei: Sandra und Martin schreiben Vortragsfolien auch mal per Hand/Sylus, Erklärungen von CommonCraft sammeln fleißig Clicks und The RSA animate visualisiert Vorträge so, dass mir der Mund offen stehen bleibt.

Aber das sind ja Profis. Künstler. Sowas kann doch ich nicht.

Für das HDS-Modul hatte ich zwar bereits einen ersten Versuch zum Malen auf dem Tablet PC gemacht (gewünscht war eine Fachlandkarte, ich wählte eine Vorlesung zu E-Learning als E-Business (die Akzeptanz digitaler Aufgabenlösungen war aber ein wenig… mangelhaft):

 

Digitale Fachlandkarten haben übrigens so ihre Probleme…

Digitale Fachlandkarten haben so ihre Probleme

… aber das ist ja echt amateurhaft, das kann man doch keinem zeigen und so.

Letzendlich war es aber ein Tweet von Ralf Appelt, der mich darauf gebracht hat, das doch einfach noch einmal selbst zu versuchen.

Ralf ist Pädagoge, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg und war bisher auf jedem Educamp, auf dem ich auch war, also auf dem echb11 und dem ecco12. Auf letzterem hat seine Gruppe und er beim EduHack einen ganz tollen Film auf dem iPad produziert und es ist einfach nicht weg zu diskutieren, dass er zeichnerisch irre viel Übung hat und mir damit schon ein wenig voraus ist. Nach dem oben genannten Tweet hab ich dann doch mal nachgefragt:

Und siehe da, es gibt da eine Strömung zum Skech-Noting zu geben, d.h. dem schnellen Notieren in einer stark visuellen Form. Ralf sammelt dazu Ressourcen und Beispiele unter sketchnotes.de.

Erste Gehversucht im Sketchnoting

Da ich eine kleine Guerilla-Werbeaktion während des #WEL12 plane, um noch ein paar Teilnehmer für meine Umfrage für das CELePro-Projekt zu gewinnen, fand ich das einen guten Ansatz, für den Flyer das Sketching ein wenig auszuprobieren. Dabei habe ich festgestellt, dass das keine triviale Aufgabe ist, die ich mir da gestellt habe. Einen ersten Versuche habe ich zum Freitag Feierabend mit Evernote Skitch gestartet:

Ich fand das Tool nicht schlecht, war aber von der geringen Auflösung, in der das Bild gespeichert wurde, enttäuscht. Nach ein paar Versuchen kommt man aber relativ schnell auf die Anfoderungen, die das Sketch-noting so mit sich bringt. Aber erst einmal zur Technik…

Technische Ausstattung

Ich hatte sowohl mit meinem Asus IEEE Transformer TF101 plus Eingabestift, als auch mit dem Lenovo Thinkpad Tablet-PC (ich glaube es ist ein X220er, bin mir aber nicht sicher) meines Lehrstuhls testen können. Der Lenovo hat den Vorteil, dass man die Hand auflegen kann, während man mit dem Stylus zeichnet. Perspektivisch werde ich aber das Tablet öfter dabei haben,daher strebe ich eher eine Alltagslösung für dieses an.

Software-Anwendungen und Mobile Apps

Nach ein paar Versuchen haben sich doch recht schnell die Anforderungen an Anwendungen zum Sketch-Noting ergeben:

  • Man sollte relativ einfach einen klaren Strich zeichnen können. Hierbei hilft es, wenn das Programm die Linien selbst schon etwas glättet.
  • Zur Hervorhebung und Illustrations, sollte es außerdem eine halbtransparente Zeichenmöglichkeit geben.
  • Verschiedene Stiftstärken und Farben sind auch Basics für eine akzeptable Anwendung.
  • Ein “unendliches Blatt”, d.h. wenig oder keine Einschränkungen bei der Skalierung, macht es zudem leicht, wenn man nicht gleich zu Anfang weiß, wie groß die Zeichnung mal werden soll.
  • Es ist außedem ganz nett, wenn man einmal gezeichnete Elemente im Nachhinnein noch transformieren (verschieben, skalieren, drehen etc.) kann.
  • Ein Knackpunkt ist das Speicherformat: Wenn man hinterher mit den Grafiken noch etwas machen will, sollte die Anwendung entweder hochaufgelöst in Pixelgrafik-Formaten oder idealerweise als Vektorgrafik speichern können. Workarounds durch Screenshots können ebenfalls eine Lösung sein.
  • Achja, und weil ich zum Testen am Wochenende kein Budget vorgesehen hatte, wollte ich gern kostenfrei bleiben, was aber nicht ausschließt, dass ich für DAS perfekte Programm auch was zahlen würde.

Ich habe bisher leider keine Anwendung gefunden, die alle Anforderungen entspricht, aber einige, die ganz gut zu sein scheinen. Zunächst für den Lenovo Tablet-PC, also unter Windows 7:

  • Windows Journal: Ausgehend von dem Flipped-Classrooom Video von Jörn Loviscach hatte ich im Gedächtnis, dass man damit mittels Stylus ganz gut zeichnen kann (die Anforderungen der Videoaufzeichnung unterscheiden sich aber doch). Kann man auch. Eigentlich erfüllt das Programm recht viele Anforderungen, leider speichert es nur in einem proprietären Format (das exportierte TIFF-Bild hat etwa die Qualität eines Faxes und ist nicht zu gebrauchen). Außerdem ist es mir gegen Ende recht oft abgestürzt.
  • PowerPoint: …ist ja in der 2010er Version wesentlich besser geworden und auch für die Sketches nicht schlecht. Nur ist das Format von Vorn herein fest, eine nachträgliche Änderung verzerrt das Bild. Ich habe nicht so lange damit herumgespielt, aber schlecht scheint es generell nicht zu sein.
  • Andere einfach, aber gut Zeichenprogramme wie MyPaint: Letzteres habe ich auf der Suche nach einer kostenfreien Alternative zu ArtRage gefunden, das es leider nicht mehr kostenfrei gibt. Einziger Nachteil bisher: Man kann nur einzelne Schritte rückgängig machen, nicht aber Elemente nachträglich transformieren. Es ist eben wie beim analogen Zeichnen.

Außerdem habe ich das Asus Tablet strapaziert, das mit Android ice Cream Sandwich (4.0.3) läuft:

  • Erstes Testobjekt weil schon bekannt war Evernote Skitch, das sich kinderleicht bedienen lässt (schon getestet von einer Fünfjährigen): Ärgerlich war nach dem ersten Test die schlechte Auflösung. Hierfür sollte man zu Beginn des Sketches etwas herauszoomen um schon recht groß zu beginngen, dann sieht auch das Ergebnis ganz gut aus (muss man eben nur wissen. Die feste Platte schränkt die Farbauswahl etwas ein, was ein paar Abzüge in der B-Note bringt.
  • SketchBook Express: Auch schon etwas länger auf dem Tablet (“falls man mal was malen oder Kinder beschäftigen will”) gefiel es mir in ganz gut. Ralf meinte, er habe seine Sketches mit der entsprehchenden Pro-Version für das iPad erstellt. Die App glättet nicht, was nach etwas Übung vielleicht auch nicht mehr relevant ist. Außerdem kann man wie bei MyPaint die einmal gezeichneten Elemente nicht bearbeiten.

Diese Listen sind eher Good als Bad Practices. Ich habe noch ein paar weitere Anwendungen getestet, aber wieder verworfen, wenn sie Kriterien gar nicht erfüllen wollten. Ich bin aber für jegliche Tipps dankbar.

Das erste Ergebnis

Mein erstes Sketch für den Flyer sieht nun so aus:

Die Erstellung lief nicht ideal und kann effizienter ablaufen, aber das Ergebnis kann ich für den Flyer verwenden (glaube ich, was meint Ihr?). Die Zeichnung hatteich am Lenovo-Tablet-PC in Windows Journal gemacht, auf meinen Rechner gezogen und dort in Windows Journal einen Screenshot gemacht. Dann hab ich es freigestellt und die Hilfslinien heraus retuschiert. Mithilfe von Corel habe ich es vektorisiert, noch ein paar Details gerade gerückt und die Schrift eingefügt (vorher hatte ich sie handschriftlich drin, aber die Vektorisierung lieferte hier absolut unakzeptable Ergebnisse).

Challenge accepted

Nach den Spielereien ist die eigentliche Herausforderung beim Sketch-Noting aber das Live-Mitmalen. Das muss ich noch üben und ich denke, der WEL12 wird hierfür eine gute Gelegenheit sein. Ich will da schon etwas dranbleiben, weil mit simplen Elementen da offenbar sehr schöne Ergebnisse erreicht werden können. Für weitere Hinweise auf “Better Practices” bin ich dankbar und bleibe weiterhin aufmerksam für gute Beispiele im Sketching.

Open heißt nicht kostenlos!? Überlegungen nach dem #ecco12

2012, Jonathas Mello www.jonathasmello.com Licensed under Creative Commons CC-BY

Zurück vom EduCamp in Köln (#ecco12) mit vielen neuen Ideen und Anregungen. Dass ich und was ich daran toll fand, brauche ich hier nicht nochmal aufzurollen (habe ich an anderen Stellen schon mehrfach getan), sondern ich will gleich in die aktuelle Diskussion einsteigen, die mich weiterhin beschäftigt: Wie werden OER finanziert?

Kurz zum Hintergrund

Auf dem #ecco12 gab es regelrechte OER-Tracks. Da wurde diskutiert, welche Veränderungen OER mit sich bringen, ein sich noch im Erstellungsprozess befindendes Whitepaper wurde besprochen, die Aufbereitung von OER sowie Best Practice u.v.m. waren Thema. Gerade die Lizenzierung von OER war sehr spannend, da wir hier keine “bessere” als die CC-BY-Lizenz finden konnten, um OER zu veröffentlichen (besser hieße dabei, dass der Autorenname nicht mit genannt werden muss, wie bei CC-0, die aber nach deutschem Recht bestätigt ist). Bei der Definition von OER, die bspw. für das Whitepaper besprochen wurden, war die Beschaffenheit der Bestandteile Educational und Ressource umstritten, das Open schien aber allen klar: kostenfreie Nutzung, also möglichst eine der CC-Lizenzen. Zur Diskussion Erstellungskosten kam es in diesem Kontext nicht (war auch von den Sessions auch nicht vorgesehen), aber im Nachhinein über Twitter diskutiert.

Die Diskussion

Die Twitter-Diskussion habe ich mit Storify zusammengefasst. Im Wesentlichen fanden sich zwei Meinungen:

  • Die einen sahen einen Widerspruch zwischen freien Lernressourcen und deren Finanzierung und ob die Finanzierbarkeit überhaupt ein Thema sein dürfe: OER wären eine Einstellung und kein Geschäftsmodell.
  • Auf der anderen Seite stand die Meinung, dass es nicht um den großen Reibach, sondern schlichtweg um die Finanzierbarkeit von OER ginge, denn auch Autoren müssen essen und wohnen.

Der letzten Fraktion gehöre ich an und möchte die Gedanken an dieser Stelle etwas weiterspinnen.

Meine Sicht

Die Erstellung von OER geschieht nicht ohne Kosten. Zwar verlangen die Autoren dafür (zumindest bisher) kein Geld, investieren aber mindestens Zeit, um die Lernmaterialien zu erstellen. Hinzukommen können Kosten für die Tools, zur Verbreitung und Überarbeitung etc. Die Autoren von OER finden zur Finanzierung dieser Kosten verschiedene Wege. Zum Teil erstellen sie OER in ihrer Arbeitszeit. Hierzu gehören Lehrer, Dozenten an Hochschulen für Weiterbildungseinrichtungen, die Arbeitsmaterialien für ihren Unterricht erstellen. Die Veröffentlichung ist dann “nur noch” ein Add-On (das ich hier nicht kleinreden will). Diese mehr oder weniger indirekte Finanzierung darf nicht ignoriert werden, denn sie ermöglicht die Erstellung von OER. Fällt sie weg, würde wohl kaum einer der Autoren weiterhin OER erstellen, denn dann müsste er sich stattdessen um eine andere Finanzierung seines Lebensunterhalts kümmern.

Ich finde es daher durchaus legitim, auch über die Finanzierung von OER zu sprechen, wenn wir hier weiterkommen wollen. Zurzeit sind OER von (mehr oder weniger begabten) Laien erstellt, die sich die benötigten Fähigkeiten zum Einsatz ihrer Autorenwerkzeuge oft autodidaktisch erarbeitet haben. Wollen wir langfristig die Qualität und Durchsetzung von OER vorantreiben, werden wir um eine Professionalisierung der Erstellung nicht drum herumkommen – und professionelle oder professionalisierte Autoren brauchen eine solide Finanzierung.

Ein Vergleich

Bildquelle: meins :)

Beim Schreiben des letzten Absatzes kam mir die Idee, die Problematik mit der Kunst zu vergleichen, also hier ein (vielleicht dilettantischer) Vergleich:

  • Auftragswerke: Eine der ältesten Formen der Finanzierung sind Auftragswerke. Jemand hat eine Vorstellung von dem Ergebnis (oder möchte einfach ein Kunstwerk eines bestimmten Autors haben) und legt vorher Rahmen und Preis fest. Im Lernmaterialkontext findet sich hier die klassische Lehrbucherstellung wieder, im Fall von OER würde man das Kunstwerk (bspw. eine Skulptur) dann in die freie Natur stellen, wo es alle sehen können.
  • Galerieverkauf: Der Künstler erstellt sein Werk und stellt es aus, das Ergebnis kann dann erworben werden, wenn man weiß was es ist. Der Vergleich zu Lernmaterialien ist hier die Entscheidung für ein fertiges Lehrbuch. Im OER-Kontext hinkt der Vergleich wegen der Kopierbarkeit der Ressourcen, aber der Kauf der Buchversion (Papier und so), obwohl die digitale OpenAccess-Variante existiert kann ein wenig hierzu gezählt werden.
  • Straßenkunst: Mehr oder weniger talentierte Künstler “machen erst einmal” und hoffen auf eine Spende in ihren Hut. Bei OER bestünde eine Möglichkeit in der nachträglichen Finanzierung, wenn man Spendensysteme wie PayPal oder Flattr heranzieht (hat aber bei L3T nicht so wahnsinnig viel gebracht).
  • Brotlose Kunst: Graphity-Sprayer, Videokünstler auf YouTube, Fotografen auf Flickr. All diese “Künstler” sind mehr oder weniger professionell, veröffentlichen ihre Kunst, müssen aber ihr Einkommen auf anderen Wegen sichern. Ihre Sichtbarkeit ist dafür umso höher, weil der Zugang zur Kunst quasi schrankenlos möglich ist.

Bei der derzeitigen OER-Diskussion befinden wir uns bei den meisten Projekten in der letzten Kategorie. Versuche in den anderen wurden gemacht, führten aber in der Regel nicht zum Erfolg. Nun ist die Frage: Wie stehen wir zu unseren OER-Künstlern?

… und nur, damit das klar ist …

Danke liebe brotlose Künstler, die Ihr uns schon jetzt den Zugang zu großen Werken ermöglicht!

Educamp Bremen #echb11

Das EduCamp Bremen :: 19./20. März 2011EduCamp in Bremen war mein erstes BarCamp überhaupt, bei dem ich live vor Ort war (in Hamburg war ich zu einigen Sessions per Live-Stream dabei). Durch die im Anschluss stattfindende MLCB-Konferenz hat es sich aber geradezu angeboten, diesesmal selbst teilzunehmen. Zwar konnte ich erst Samstag am (durch die Bahn: späten) Nachmittag dazustoßen, aber gelohnt hat es sich allemal. Beschreiben möchte ich das ganze nicht, denn in der mixxt-Matrix sind die Dokumentationen zu den Sessions verlinkt. Außerdem werden im Wiki Blogeinträge rund um das Barcamp gesammelt.

Was ich aber weitergeben möchte ist das, was ich aus dem EduCamp mitnehme (Vollständigkeit wird dabei nicht garantiert):

  • Als ich das Hamburger EduCamp von Chemnitz aus beobachtet habe, dachte ich oft: Zuhören, Diskutieren, im Etherpad Notizen machen und twittern? Wie machen die das nur? Überraschenderweise hat mich das aber kein Stück überfordert, im Gegenteil: während ich sonst Notizen auf Konferenzen mit Pen&Paper oder OneNote mache, habe ich mit Etherpad auch etwas von den Notizen der anderen, inklusive deren Gedanken und zusätzlichen Materialien, die mich auf neue Ideen und Fragen brachten.
  • Das gemeinsame Notieren / Dokumentieren in Etherpad (z.B. EduPad oder PiratePad) sollte ich viel mehr einsetzen. Und ich sollte es anderen öfter vorschlagen, zum Beispiel wenn sich meine Mitbewohnerin wieder einmal mit ihrer Lerngruppe trifft um Mitschriften auszutauschen.
  • GoogleQuizes scheinen nicht nur lustig zu sein (ich war nur bei der methodischen Auswertung dabei, nicht beim Quiz selbst), sondern auch auf verschiedenen Arten sinnvoll in der Lehre einsetzbar, z.B. Einführung in die Literatursuche (welche Begriffe muss ich so eingeben, damit etwas sinnvolles dabei herauskommt und man auch nicht mehr erschlagen wird), seit wann ist ein Thema relevant, Interesse für ein Theme überhaupt erst einmal wecken etc.
  • Lehrende und Social Media ist kein einfaches Thema (Sessiondoku): soll man Schüler/Studenten auf Facebook/Twitter adden, soll man damit überhaupt arbeiten, soll man sie vielleicht sogar bloggen… Hierzu gab es einen sehr interessanten Erfahrungsaustausch. Die anwesenden Lehrer nutzen zum großen Teil Facebook und/oder Twitter (klar, sind ja auch die nur hippen dagewesen ;) ) und haben meist auch gute Erfahrungen damit gemacht. Viele arbeiten aber über Listen, um die Schüler vom Privatleben noch ein wenig zu trennen. Gleiches sollten aber auch die Schüler tun und hierfür ist es wichtig, dass kompetente Lehrer es ihnen erläutern und vorleben können.
  • Ich habe mich in der letzten Zeit viel mit User Generated Content (UGC) beschäftigt und wie man diesen in professionellen Contenterstellungsroutinen wieder verwenden kann. Dabei habe ich Egoist aber garnicht bedacht, dass die Nutzer es vielleicht auch gern hätten, dass sie ihren UGC in eigene Materialien (Notizen, Blogs, E-Portfolios) mitnehmen können. In meiner eigenen Session (habe ja brav die BarCamp-Regeln befolgt und selbst eine Session angeboten) war das genau zum Thema geworden und wird in meine nächsten Arbeiten wohl stärker mit einfließen (müssen).
  • EduCaching fetzt! Sollte unbedingt ausgebaut werden, bin gespannt was @gibro und seine Kollegen so auf die Beine stellen (Sessiondoku).
Die Bremer Uni hat ihn: den Elfenbeinturm (Foto von dirk@bremen)

Die Bremer Uni hat ihn: den Elfenbeinturm (Foto von dirk@bremen)

Ich betrachte das EduCamp rückblickend als eine gute Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen und zwar anders als bei Fachtagungen und Konferenzen eben über die Themen, die einen JETZT beschäftigen und nicht die, die man vor einem halben Jahr mal bearbeitet hat. Dennoch muss ich zugeben, dass ich zu jedem Zeitpunkt auch ein Thema gefunden hatte, das mich interessiert. Wenn das mal nicht der Fall ist oder die Diskussionen nur “alte” Argumente hervorbringen, sehe ich das vielleicht anders.
Bisher muss ich aber sagen: Das war bestimmt nicht mein letztes EduCamp!