L3T 2.0 – Ein Camp in Chemnitz!

Fast drei Jahre sind seit der Veröffentlichung des Lehrbuchs für Lernen und Lehren mit Technologien vergangen und in diversen Blog-Beiträgen habe ich über das Projekt, das durchaus mehr als ein BUCH ist, berichtet. Nun soll das Buch aktualisiert werden, denn veraltete Literatur zum Thema gibt es genug (und bei dieser rasanten Entwicklung sind drei Jahre durchaus eine Zeit, in der Inhalte veralten können).

Die Herausgeber des Buchs (Sandra Schön und Martin Ebner) wissen natürlich noch aus der letzten Ausgabe: Ein Lehrbuch zu erstellen ist Stress! Und wenn man dann schon diesen Stress hat, dann muss man den vielleicht nicht so lange haben, sondern intensiv und dafür kurz. Keine schlechte Idee. Aber wie schafft man das? Mit einem guten Vorsatz:

Und das Tolle ist: Eines dieser Camps wird in Chemnitz sein!

Aber was heißt das?

Ehrlich gesagt: Ich habe nur eine vage Ahnung davon und auch unter den verschiedenen Camp-Leitern entsteht hier gerade erst eine Vorstellung. Aber ich will diesen Blogpost nutzen, um die wesentlichen Eckpunkte von L3T und des Camps zu vermitteln (was auch den Vorteil hat, dass ich auf diesen Post verlinken kann, wenn ich Personen direkt anspreche, vielleicht sind/bist Sie/Du gerade über einen solchen Link hier her gekommen). Das heißt aber auch: Der Post wird etwas länger, bitte ggf. Teile überspringen :)

Was ist L3T?

L3T ist die Kurzform für das Lehrbuchs für Lernen und Lehren mit Technologien, das Anfang 2011 veröffentlicht wurde. Diese erste Ausgabe wurde unter der Mitarbeit von 115 Autoren, über 80 Gutachtern erstellt und ist ganz traditionell als Print-Ausgabe in Hardcover/Farbe sowie Softcover/Schwarz-Weiß entstanden (es können sogar einzelne Kapitel als individuelle Zusammenstellung bestellt werden), ABER eben auch unter eine Creative Commons Lizenz (CC-BY-NC-ND). Das heißt: Jedes Kapitel steht als PDF online und kann kostenfrei von jedem eingesetzt werden. Und das ohne auf die Qualitätssicherung zu verzichten. Dadurch waren auch namenhafte Autoren wie Rolf Schulmeister, Gabi Reinmann oder Peter Baumgartner von Anfang an dabei.

Aber L3T war nicht nur ein Buch. Im Rahmen dieses Projekts gab es noch ganz andere Aktionen, z. B.

  • L3T on Tour: Nach der Veröffentlichung wurden Bücher auf reisen geschickt, in denen sich die Autoren verewigen und den aktuellen Standort mit einem Foto auf einer Karte eintragen sollten: http://l3t.eu/ontour/
  • O3R-Reihe: In weiteren Publikationen um L3T und Lernmaterialien erschien eine Schriftenreihe (natürlich auch unter CC-Lizenz): http://l3t.eu/oer/
  • L3T’s Talk: In einer Vortragsreihe sprachen verschiedene Experten zu Lehrmaterialien und deren Zukunft: http://l3t.eu/talk/
  • L3T’s Work: In einem Expertenworkshop wurde auf die Zukunft von Lernmaterialien “gewettet”: http://l3t.eu/zukunft/

Außerdem hat das Projekt ein paar Preise gewonnen. Durch einen davon (NetIdee) ist es auch möglich, die Camps etwas zu unterstützen. Das heißt konkret: wir bekommen Kaffee, Kekse und Werbematerial!

Was soll L3T 2.0?

Natürlich gibt es bereits eine Projektseite, auf der folgende Punkte “geklaut” sind (der Zustimmung der Autoren bin ich mir sicher):

Das Ziel von L3T 2.0 ist ganz klar: Das Lehrbuch soll eine neue Auflage erhalten. Das bietet auch die Möglichkeit, die Kapitel diesmal gleich unter CC-BY-SA-Lizenz zu stellen, womit die Kapitel auch modifizierbar sein sollen. Hierfür gibt es eine Reihe regionaler Anlaufstellen – die Camps – in denen die zweite Auflage vorangetrieben werden soll. Hier werden Arbeitsmöglichkeiten bereitgestellt und nicht zuletzt die Neuauflage zum Event werden, der auch einen gewissen PR-Charakter in sich trägt. Berichterstattung über Social Media ist dabei selbstverständlich (muss aber von den Camps getragen werden). Dazu soll

zwei Mal auf Tag “Auf Sendung” ge[gangen werden] und ein “rasender Reporter” wird von Camp zu Camp reisen und von dort berichten.

Innerhalb dieser Tage werden nicht nur Autorinnen und Autoren arbeiten, sondern es braucht auch

zahlreich[e] weiter[e] Aktiv[e], die sich als kompetente Reviewer, Lektoren, Layouter, Unterstützer, Kommunikator, Camp-Host usw. einbringen wollen. Diese Unterstützung ist durchaus auch stundenweise und von “zuhause” möglich – auf alle Fälle sollte man jedoch schon vor Tag 1 wissen wie’s geht. [Mitmachen!]

Aktuell ist über die sieben Tage folgender Zeitplan angedacht:

 Die 7 Tage: Ein erster Plan

  • Tag 1 (Dienstag, 20.8.13): Start und schreiben
  • Tag 2 (Mittwoch, 21.8.13): Schreiben
  • Tag 3 (Donnerstag, 22.8.13): Start Review und Überarbeitung
  • Tag 4 (Freitag, 23.8.13): Review und Überarbeitung
  • (Sa/So, 24./25.8.13 – frei!)
  • Tag 5 (Montag, 26.8.13): Lektorat und Layout
  • Tag 6 (Dienstag, 27.8.13): Lektorat und Layout
  • Tag 7 (Mittwoch, 28.8.13): Finalisierung und Party

Etliche weitere Aktivitäten laufen parall oder nach eigenen Regeln, z.B.:

  • Covererstellung,
  • L3T-Foto-Camp (Fotos für Cover)
  • L3T-Bib-Team für alles rund um Literatur
  • L3T-Abb-Team für Abbildungen aller Art
  • L3T-Tech-Support für technische Fragen aller Art
  • L3T-Support für Fragen aller Art
  • L3T-Blogger
  • unser rasender Reporter
  • L3T-TV-Team
  • etc. etc. – Ihr habt bestimmt auch eigene Ideen!

Die endgültige Veröffentlichung ist dann bis spätestens November 2013 angedacht.

Das L3T-Camp in Chemnitz

Und nun die beste Nachricht: Eines dieser Camps wird in Chemnitz stattfinden! Wir haben mit der Universitätsbibliothek einen kompetenten Partner im Open-Access-Bereich gefunden und uns wird der zentrale Schulungsraum über die gesamte Zeit zur Verfügung stehen. Das heißt, wir haben Platz für mindestens 15-20 Personen, wir haben EduRoam und stationäres Internet, Kaffee und sicher auch Schokolade – und damit alles, man braucht :D

Wo liegt eigentlich Chemnitz?

“Das ist doch irgendwo in Sachsen”

Ja genau. Genau das habe ich ja damals auch gedacht (ich habe in Dresden studiert und kannte Chemnitz nur von der Durchreise zu meinen Großeltern). Konkret gesagt: Wir liegen sehr sehr zentral zwischen allen L3T-2.0-Camps:

L3TCamp_Map_kleiner

Chemnitz liegt sehr idyllisch am Rande des Erzgebirges und ist die drittgrößte Stadt in Sachsen. Der Schulungsraum der Bibliothek, in dem das Camp stattfinden wird, ist keine 3min vom Hauptbahnhof weg. Chemnitz hat außerdem die günstigsten Hotelpreise in Deutschland ^^ (bei der Suche nach Zimmern von anspruchsvoll nach supergünstig helfe ich gern weiter).

Und was machen wir dort?

Zu den inhaltlichen Aktivitäten werden wir uns einerseits am oben stehenden Grobplan orientieren. Aber wir sind auch noch offen, das Chemnitzer Camp in eine “Spezialrichtung” zu treiben. Durch meine Projektnähe zum eScience-Netzwerk Sachsen kann ich mir hier besondere Schwerpunkte vorstellen, aber auch die Abkürzung des Camp Chemnitz (CC) drängt sich für eine inhaltliche Spezialrichtung nahezu auf. Kurz gesagt: Hier bin ich auf den Input der Camper angewiesen und das wird sich (da bin ich sicher) in der nächsten Zeit konkretisieren.

Auch rings herum hat Chemnitz einiges zu bieten: Die Nähe zum Erzgebirge, Dresden oder Leipzig, die durchaus bekannten Kunstsammlungen und das Museum Gunzenhauser, die Bedeutung als Industriestandort, der Sitz der chemmedia als eines der Top-10-Unternehmen im E-Learning-Bereich (PDF), die BPS als sachsenweiter Dienstleister einer universitären LMS-Infrastruktur, der Kaßberg als jugenstilarchitektonische Besonderheit… ich glaube, hier lässt sich ein interessantes Rahmenprogramm stricken. Aber das machen wir anhand der Vorlieben der Teilnehmer aus.

Und nun?

Egal ob (potentieller) Autor, interessierter Leser, Student oder auf eine andere Art angesprochener (oder angesprochen gefühlter) Leser: Chemnitz needs you! Es gibt eine ganze Menge in den 7 Tagen zu tun: Kapitel schreiben, begutachten, in Fachdatenbanken eintragen, Literatur recherchieren, geeignete Bilder finden oder erstellen, das Camp im Social Web bekannter machen, Metadaten in Social-Bookmarking-Plattformen einstellen, Videos erstellen, Fallstudien schreiben, Aufgabe formulieren…

Dabei können wir (leider) kein Honorar bieten, unterstützen aber immer im Rahmen unserer Möglichkeiten: Publicity, Mitautorenschaft, Namensnennung auf den L3T-Seiten, Seminararbeitsthemen, Abschlussarbeiten, Ausstellung von Bescheinungen über Aufgaben beim L3T-Camp… und sind hier in alle Richtungen offen!

Bei Interesse bitte melden bei Anja Lorenz.

Wofür bezahlt man im (E-)Learning?

Dörte Giebel hat in ihrem Blogbeitrag zum opco11 Online-Event einige der dort gestellten Fragen aufgegriffen und die Diskussion dazu konkretisiert. Eine davon finde ich besonders wichtig und möchte versuchen, darauf zu antworten:

4. Wofür zahlen Teilnehmer/innen heutzutage: für Content oder Connectivity?

Time is money by Nina Matthews

Time is money by Nina Matthews

Wenn man es auf das wesentliche beschränkt: Gezahlt wird das, was einem anderen Arbeit bereitet hat. Hat jemand Content erstellt und dafür Zeit und Geld investiert (Tools, Strom, Lizenzen…) oder ein LMS programmiert / angepasst / aufgesetzt um eine Infrastruktur zu bieten: das alles sind Leistungen. Nehme ich das ein oder andere in Anspruch ist es konsequent, dafür auch zu bezahlen. Das ist auch gar nicht negativ gemeint, sondern legitim, schließlich muss der “Lieferant” auch seine Miete, Essen etc. bezahlen.

Fast schon ausschließen möchte ich die Überlegung, ob man für das Netzwerken bezahlt: Wenn das so wäre, könnte ich darauf einen Anspruch erheben. Und was passiert dann, wenn die anderen Teilnehmer nicht sehr kommunikativ sind? Bezahlt man dann mehr, je mehr Teilnehmer mitmachen? Wohl kaum. Communities formieren sich an sehr unterschiedlichen Orten. Wohl aber kann man diesen Ort, also die Infrastruktur bezahlen.

Interessant wird es aber, wenn einer nicht mitspielt. Der Lerner ist da erst einmal weniger gemeint, wir reden mal nicht von “Zechprellern”. Es geht eher um kostenfreie Dienstleistungen, die es vor allem im Content-Bereich unzählige im Internet gibt. Dann nehmen Lerner die Dienste in Anspruch, bezahlen aber nichts. Wie beim Open Course: Hier investiert das Team Zeit und Ressourcen ohne etwas Konkretes (Monetäres) zurückzubekommen (auch, wenn ich sicher bin, dass die Orga immateriell schon etwas davon hat). Die Teilnehmer scheinen dafür eher bereit, selbst ihren Beitrag zu leisten (wie die Dörte Giebel und ich und ganz viele anderen). Hätte man dafür von vorn herein bezahlt, würde man eher zu der Einstellung kommen “dann will ich aber auch was davon haben” und die Konsequenz wäre nicht unbedingt, selbst aktiv zu werden, sondern man würde Erwartungen aufbauen und “vorher den Beipackzettel lesen und wissen, was ich einfordern kann”, wie Dörte Giebel es formuliert.

Es gibt ja Finanzierungsmodelle, die versuchen, freiwillige Arbeit zu entlohnen. Über Micropayments, bspw. organisiert über Flattr, oder Crowdfunding, wie es das L3T-Projekt beispielsweise über Startnext versucht, können freiwillige Beiträge eingesammelt, die kostenlosen Dienste unterstützt und somit gewürdigt werden. Aber auch das scheint nicht ganz einfach, vgl. heise.de.

Brauchen wir also ein neues Geschäftsmodell? Ich meine, für viele unternehmensinterne Contents stellt sich diese Frage nicht: Produktschulungen, Verkaufstrainings etc. sind oft so stark auf das Unternehmen zugeschnitten, sodass sie in einer eigenen, abgeschlossenen Lernumgebung bereitgestellt werden müssen. Hier greifen traditionelle Vertriebswege. Und beim Rest? Gerade für die Softskill-Themen findet man allein bei Slideshare eine ganze Reihe von Präsentationen. Warten wir ab und machen erst einmal so weiter, bis jeder das Internet entdeckt hat? Oder ist es doch die Anleitung und Führung zum Erreichen von Lernzielen, die wir eigentlich bezahlen…?

Was ist denn nun eigentlich “social”?

Nach einer Diskussion mit Kollegen und jetzt auch durch das Thema Social Learning beim #opco11 stellt sich für mich immer wieder die Frage: Ab wann ist denn etwas “social”?

Bestandsaufnahme

Ich habe mal in meinen Delicious- und BibSonomy Tags geschaut, was ich eigentlich so für “social” halte. Ich unterscheide bei meinen Tags dabei folgende Untergruppen:

Social Capital, Social Bookmarking, Social Learning, Social Media, Social Network, Social Software, Social Tagging

Dabei ist die Frage aber eigentlich falsch gestellt, denn schon die Entscheidung für diese Tags habe ich (vor allem bei Delicious) nicht allein getroffen. Die Nutzer, die vor mir einen Bookmark gespeichert haben, die haben mich dabei schon ein ganzes Stück beeinflusst, indem mir die von ihnen häufig verwendeten Tags vorgeschlagen wurden.

Bleibt alles anders? Social Software vs. Groupware, Social Tagging vs. Folksonomy

Nun ist es aber so, dass die Wortverbindungen mit “Social” ohnehin erst in den letzten Jahren in meinen Sprachgebrauch übergegangen sind. Vorher war immer alles “kollaborativ” und statt Social Software gab es Groupware. Aber was ist heute anders?

Dazu meinen KOCH & RICHTER (2008, S. 20), dass das Neue an Social Software vor allem der Bottom-Up-Ansatz und die damit größere Anzahl der Nutzer ist. Dabei stehen die Unterstützung von Communities und sozialen Netzwerken im Vordergrund: Die Systeme stellen zwar nette Funktionen bereit, geben aber nicht vor, wie diese eingesetzt werden sollen. Klassische Groupware (Ihr wisst schon: BSCW, MS Exchange, Sharepoint usw.) ist dagegen schon auf die konkrete Unterstützung von Teams ausgerichtet, die Top down organisierten werden (= es gibt Rollen / Funktionen zur Administration und hierarchischen Aufgabenverteilung).

Eben dieser Richtungswechsel ist auch bei den Systemen zu erkennen, die Social Tagging zur Verschlagwortung verschiedener Ressourcen einsetzen, also Social-Bookmarking-Systeme, wie delicious oder diigo, oder Media-Sharing-Dienste, wie flickr oder youtube: Im Gegensatz zu früheren Taxonomien, also vordefinierten Ordnungskatalogen, in die Ressourcen eingepflegt werden mussten, legen die Nutzer die Begriffe fest (vgl. GOLDER & HUBERMANN 2005, S. 1; SCHMIDT 2006, S.43; Vander Wal 2007, Folie 18).

Ich will das jetzt hier nicht weiterführen, sondern nur noch mit einem Verweis auf den Beitrag von Stephen DOWNES (2005) bestätigen, dass das Social Learning oder e-Learning 2.0 ebenfalls auf den Bottom-Up-Ansatz baut.

Social heißt demnach…

Man könnte jetzt kurz abhandeln: Social ist die Übersetzung von kollaborativ für Anarchisten oder Edupunks. Das mag für die Anfangsphase stimmen, in der Facebook noch ein digitales Poesiealbum für Studenten war, aber mittlerweile lässt sich diese Aussage nicht mehr so einfach treffen. Social [Software; Media; Networks;...] werden zunehmend auch in Organisationen eingesetzt und sind somit der Grundstein für das Enterprise-2.0-Leitbild. Ich will mich also vorsichtig herantasten:

These 1:  Social heißt, den Nutzer entscheiden zu lassen, wie er teilnehmen möchte

Die Grundlage von Social Software ist die Offenheit für verschiedene Nutzungsarten, oft auch gleichzeitig. Dabei ist man aber auch ein ganzes Stück für das Ergebnis verantwortlich: Die typischen Argumente von Kritikern, die hinter Twitter ein Werkzeug zur statistischen Auswertung vom Kaffeekonsum vermuten, bestätigen sich natürlich dadurch, wenn man “den falschen Leuten” folgt. Ebenso habe ich bisher noch keinen Mehrwert von Diigo gegenüber delicious erkannt, weil ich (bisher) noch keine sinnvollen Einsatzszenarien für Listen und Gruppen etc. dort erschlossen habe und dann doch die Geschwindigkeit und Einfachheit von delicious vorziehe.

Um das Ganze auf das Social Learning zurückzuführen: Alle Teilnehmer müssen in einem gewissen Maße Einfluss auf die Gestaltung des Lernprozesses haben. Damit würden Vorträge, bei denen man nur die Möglichkeit zum Zuhören hat, nicht als Social Learning eingeordnet werden (ich würde zu- oder weghören nicht als eigene Gestaltung bezeichnen). Wenn ich aber mit anderen darüber diskutieren kann, z.B. per Twitter, Etherpad, Chat oder kleinen gekritzelten Zetteln, die hin- und hergehen wie in der Schule, dann schon. Die Teilnehmer können Fragen stellen, Meinungen, weiteres Wissen und Interpretationen teilen und diskutieren und haben die Chance auf ein besser reflektiertes Ergebnis – tragen aber auch das Risiko, sich festzuquatschen, nicht voranzukommen oder Aspekte unbeleuchtet zu lassen.

These 2: Kommunikation, die transparent ist und sich einfach initiieren lässt, ist Social

Zurück zur Groupware: auch hier gibt es Werkzeuge zur Kommunikationsunterstützung: Chats, Foren, Nachrichtensysteme, Gruppenkalender etc. Diese bestehen aber nebeneinander und müssen zur Initiierung der Kommunikation explizit geöffnet werden. In Social Software werden dagegen Aktivitäten und Kommunikation weitestgehend zusammengeführt: Nutzer können direkt, z.B. per Kommentar oder @-Reply angesprochen werden, Nachrichten können selbstverständlich eingebettete Links, Grafiken oder Videos enthalten, Diskussionen lassen sich nachverfolgen und Themen werden per Hashtag gruppiert – und das ohne, dass ich irgendwelche speziellen Adressdaten der anderen Nutzer brauche, es reicht der Login-Name, ein Hastag oder das weiterleiten per Retweet.

These 3: Social = Die Teilnehmer werden als Individuum wahrgenommen (?)

Ein Kollege meinte mal (überspitzt): Sobald ein Avatarbild dabei ist, wäre es “social”. Ich glaube, so ganz falsch liegt er damit nicht, denn das Identitätsmanagement ist ein wesentlicher Bestandteil von Social Software (vgl. RICHTER & KOCH 2009, S.3). Während in Groupware so etwas wie “Awareness” noch eines der besonderen (wenn überhaupt verfügbaren) Features waren und sich oft auf Informationen wie “wer ist online” oder “2 neue Dokumente” beschränkte, ist die Wahrnehmung anderer Nutzer DAS zentrale Prinzip von Social Software überhaupt. Hier kommt zuerst “Oh, Anja hat einen neuen Blogeintrag” und dann “Was schreibt sie denn?”. Die Frage ist nicht mehr “Worüber will man informiert werden?”, sondern “Über wen?”. Und das Ganze funktioniert auch über Plattformen hinweg: Man folgt Personen auf Twitter, deren Blog man liest oder mit denen man (real und/oder über Social Networks) befreundet ist.

“Oh dear! Oh dear! I shall be late!” (CARROLL 1865)

Die #opco11-Themenwoche zum Social Learning ist ja eigentlich vorbei, aber vielleicht findet sich ja doch der ein oder andere, den das Thema noch nicht ganz loslassen will. Immerhin geht es ja genau darum: Wir gestalten die Lernprozesse selbst, somit auch Geschwindigkeit, Dauer und Intensität. Das einzige, was uns noch zu begrenzen scheint, ist die Zeit, die wir haben, nicht haben, die uns (nicht) gegeben wird oder die wir uns (nicht) nehmen.

Zum Nachlesen

“If there’s one thing I never want to see again in an e-learning module, it’s…”

Durch den Weiterbildungsblog von Jochen Robes bin ich auf einen Eintrag auf Kineo aufmerksam geworden: Eine Sammlung von Antworten auf die Frage “If there’s one thing I never want to see again in an e-learning module, it’s…”. Die Liste der Antworten ist lang und lässt mich oft nicken: Ja, richtig, genau so ist es. Andererseits schüttle ich auch ab und zu mit dem Kopf und höre ich mich “ja, aber…” sagen. Hier ein paar Beispiele:

If there’s one thing I never want to see again in an e-learning module, it’s… [...]
11. 10 pages of text and image, text and image, text and image…..sighhh….
12. Text on the left, image on the right. Text on the left image on the right. Text on the left, image on the right. Multiple choice question. Repeat to fade…….

Ja, aber das ist leider oft genau das, was Kunden wollen bezahlen. Abwechslungsreiche Templates gern, aber nur, wenn die nichts extra kosten…

If there’s one thing I never want to see again in an e-learning module, it’s… [...]
41. Copy and paste video found on the internet – if it’s not made specifically for the audience then forget it unless it is very very very good. Same goes for graphics (they are meant to act as either a recall aid, simplify a complex process or be a graphical representation of the key concept of text…. not to simply fill the space)

Ja, aber ist das ein Grund, alles selbst machen zu müssen? Das Web ist doch voll von tollen kreativen User Generated Content. So viel, dass das Weiterleiten davon in Sozialen Netzwerken zum Selbstläufer geworden ist.

If there’s one thing I never want to see again in an e-learning module, it’s… [...]
1. How to use the e-learning module!
9. Click next to continue…

Ja, aber man muss in manchen Fällen auch die Medienerfahrung der Nutzer berücksichtigen. Wenn Kunden sich am Telefon erklären lassen, wo denn der (eine!) Knopf am iPad zu finden ist, dann brauchen Sie vielleicht auch Hilfe, interaktive Spielereien zu entdecken.

If there’s one thing I never want to see again in an e-learning module, it’s… [...]
3. By the end of this module you will have learned the following….”
Really? Well by the end of this screen I’m so mad at your presumptuousness I am going to try really hard not to learn anything.

Ja, aber wird genau das nicht immer wieder gefordert? Klären Sie Ihre Lerner über die Lernziele des Kurses auf, sagen Sie ihnen, was sie erwarten können und wofür sie das später mal brauchen… Wie oft hört man von Studenten “Das brauchen wir doch eh nie wieder” und die Lernmotivation ist hin. Dass diese Hinweise oft im gleichen Singsang beschrieben werden steht auf einem anderen Blatt, aber meiner Meinung nach darf das deswegen doch nicht vernachlässigt werden.

Mein Fazit: Solche Übersichten sind unterhaltsam und bestimmt auch geeignet dazu, seinen Ärger über stupide Kurse rauszulassen. Man darf aber auch nicht diejenigen vergessen, denen derartige Kurse nicht immer wieder begegnen, sondern für die das alles neu ist. Aber das hat auch eine/r der Antwortenden angemerkt:

19. You know, I’m am with you on the instructions and the things we all know. But the other day, I was doing a training, and I had a student who had no idea what the address bar on a browser did. Yes, I was as flummoxed and flabberghasted as you are now, lol. But, what that DID teach me was to not assume what people do and don’t know. I think sometimes, because we are all INSIDE the development fence a lot and see certain things over and over, it grates our sensibilities. Of course, that doesn’t mean that there isn’t good elearning and baaa-aaa-aaaadd elearning.

Die Lösung liegt wie so oft in der Personalisierung: Man könnte nervende Navigationshinweise für diejenigen weglassen, die auch so damit zurechtkommen. Doch wer hat schon Lust, zuerst einen Fragebogen auszufüllen, auf welche dieser Hinweise er gerne verzichtet… ?

Und wer baut (und bezahlt) die Kurse… ?

Aber eine nette Idee…