[L3T] Feedback erwünscht :-)

L3T 2.0, die Neuauflage des Lehrbuchs für Lernen und Lehren mit Technologien soll im August entstehen. Martin Ebner ruft dazu im e-Learning Blog der TU Graz zu Feedback zu einzelnen Kapiteln und weiteren nötigen Themen für die Neuauflage auf:

L3T Feedback

Im Rahmen von L3T 2.0 möchten wir die aktuellen L3T-Kapiteln entrümpeln und aktualisieren – da wo es Euch notwendig erscheint. Wir sind sehr gespannt darauf: Wie und wo können die bestehenden Kapitel überarbeitet werden? Sind sie noch aktuell?
Wer Anregungen, Verbesserungsvorschläge oder Erweiterungsmöglichkeiten zu einem der bestehenden Kapitel hat, ist herzlich eingeladen diese in unseren Feedback-Dateien anzubringen!

Um ggf. Nachhaken zu können wäre es schön, wenn die Kritik mit Eurem Namen versehen ist – muss aber nicht zwingend sein.

Auch Vorschläge für Erweitungen und neue Kapitel sind erwünscht!

Eine Übersicht über alle Kapitel und Links zu den Kommentar-Pads findet sich hier

Du darfst… was eigentlich?

In dieser dritten Woche des #mmc13 stand das erste MOOC-O im Vordergrund, das da ja für “Open” steht. Ganz natürlich reihten sich zu den OER als offen zugängige Lernmaterialien auch die Creative-Commons-Lizenzen, die für eben solche freien Lernmaterialien solide und (weitestgehend) rechtssichere Lizenztexte bereitstellen.

Fallstricke bei der Mediennutzung im Internet

Dennoch sind die Fallstricke hoch gespannt und selbst diejenigen, die sich vermeintlich intensiv mit CC-Lizenzen beschäftigen und dafür werben, fallen drüber. (An dieser Stelle würde ich gern die Beispiele zur Demonstration verlinken, aber ich möchte es diesen Aasgeiern von Anwälten, die es eben auf solche Versehen abgesehen haben, nicht zu leicht machen. Daher nur anonymisiert):

  1. Das OER-Logo der UNESCO selbst steht unter CC-BY-Lizenz. Das heißt also vor allem, dass der Name des Designers genannt werden muss. Übersieht man leicht, kann aber im Zweifel zu Kosten für die Nachlizensierung führen.
  2. Wenn Links geteilt werden, binden Facebook, Google+ und Co. mittlerweile gern Vorschaubildchen ein. Diese können aber schon Urheberrechtsverletzungen darstellen, ohne dass der Nutzer die Bilder aktive eingebunden hat und tw. auch nichts dagegen tun kann. Kann ich demnach noch Links öffentlich meinetwegen auf Google+ posten? Muss ich erst prüfen, wem das Vorschaubild gehört? Ich weiß es nicht.
  3. In einem Video werden vermeintliche “Musikzitate” eingespielt. Ob der Umfang noch ein “Kleinzitat” ist und das eigene Werk ausreichend unterstützt kann ich auch nach Recherchen dazu nicht beantworten. Ich würde es eventuell mit den Filmeinspielungen von Stefan Raab in TV Total gleichsetzen, was vom BGH nicht als Kleinzitat anerkannt wurde. Aber ist Musik hier gleichwertig zum Film zu sehen? Ich weiß es nicht.
  4. Auf Foliensätzen zu Vorträgen sind Flickr-Bilder ja schon sehr verbreitet. Dass nicht jedes Bild von Flickr unter einer CC-Lizenz steht, scheint dabei einigen zu entgehen. Ob sie das Bild trotzdem im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrags verwenden dürfen, weil die “Freiheit von Forschung und Lehre” darübersteht? Und ist die Bereitstellung der Präsentation über Slideshare noch “Forschung und Lehre”? Ich weiß es nicht.

Ist das im Rahmen? Ich weiß es nicht.

Wenn ich etwas aus einem Laden mitnehme ohne es zu bezahlen ist das Unrecht. Wenn ich ein Musikstück von einem Künstler aufführe und dann behaupte, dass es meins wäre, ist das Unrecht. Wenn ich einen Absatz aus einem Buch in einen Blog-Artikel einfüge und sage, es wäre meiner, ist das Unrecht. Wenn ich einen Film auf einem Server bereitstelle, mit dem die Produzenten noch Geld verdienen wollen und ihn deshalb nicht unter eine freie Lizenz gestellt haben, ist das Unrecht. Und das weiß ich auch.

Wenn ich die Fälle oben betrachte und überlege, ob das Beispiele für Unrecht sind kann ich nur wiederholen: Ich weiß es nicht. Ich habe in meinem Studium eine Lehrveranstaltung zu Medien- und IT-Recht und kann die CC-Lizenzarten fast singen. Und dennoch kann ich die Fragen nicht beantworten. Ich habe auch noch niemanden getroffen, der hier einen selbstsicheren Eindruck auch nur heucheln konnte. Wie sollen denn Laien da durchblicken?

Du darfst… was?

Beim Educamp in Ilmenau 2012 hatte @ralfh in einer Session angestoßen, nicht immer nur die Verbote, sondern vor allem das Erlaubte zusammengetragen. Ich habe leider nicht mitbekommen, ob und wie diese Idee das EduCamp überlebt hat (ich werde ihn aber auf den Blogeintrag hinweisen und auf eine Antwort hoffen). Ich habe im Zuge dieser MMC13-Woche eine Wikiversity-Seite zur Frage Where2OER angestoßen (kann allerdings nicht sehr viel Zeit investieren), auf der ich Plattformen zum Teilen von OER zusammengetragen wollte, da ich eine solche Übersicht noch nicht finden konnte. Vielleicht ist es ein Anfang.

Dennoch und gerade deshalb kann ich es niemandem verübeln, wenn er Contents nicht als OER und/oder unter CC-Lizenz stellen möchte. Ich teile die Ansicht, dass mit öffentlichen Geldern finanzierte Lehrmittel ganz selbstverständlich als OER bereitgestellt werden sollten, allerdings fehlt hier jegliche staatliche Unterstützung: Der politisch gewünschte Wettbewerb zwischen den Bildungsinstitutionen lässt viele Lehrende im Unsicheren, ob sie mit der Freigabe ihrer Inhalte der eigenen Position nicht schaden. Viel problematischer sehe ich aber die fehlende Unterstützung bei nutzungsrechtlichen Fragen und Problemfällen: Lehrende sind diesbezüglich nicht geschützt, Universitäten und Schulen werden ebenso abgemahnt wie der Musikpirat von nebenan. Uns erreichte einst ein Rundschreiben der Unileitung, indem darauf hingewiesen wurde, dass wir auf den Webseiten der Hochschule die Urheber- und Nutzungsrechte beachten sollen – allerdings ohne weitere Erklärung. So wäre es hilfreich gewesen, den Fall, der offenbar zu dieser E-Mail geführt hat, zu schildern, um andere Mitarbeiter vor diesen Pannen zu bewahlen. Eine Deckelung der Gebühren für die erste Abmahnung könnte hier helfen, dennoch fehlt der Anreiz, sich dieser Gefahr auszusetzen.

Ein OER-Flashmob, alle finden ihn toll, aber keiner macht mit?

In dieser MMC13-Woche wurde zum OER-Flashmob aufgerufen. Das ist fraglos eine gute Sache. Dennoch sehe ich einen Tag vor dem Ende der Themenwoche, dass der “Platz für eure Beiträge direkt auf diesem Wiki” noch sehr leer ist. Warum? Ich bin mir sicher, einer der Gründe sind die rechtlichen Unsicherheiten, die zu beseitigen aber leider nicht in unserer Hand liegen. Man kann nur hoffen, dass die ständige Thematisierung die Akteure in der Politik anspornt, hier eine OER-freundliche (rechtliche) Infrastruktur zu schaffen.

Sachsen und OER? Nette Idee, aber die Politik ist wohl noch nicht so weit…

Man weiß ja nie, wie lange sich Beiträge auf anderen Plattformen halten, daher hier eine kurze Zusammenfassung eines Beitrags auf “Politik im Gespräch” ehe es vielleicht irgendwann weg ist. Der Beitrag selbst ist schon ein paar Monate her…

tl;dr

In einem Aufruf der sächsischen Regierung zum Bürgerdialog schlug ich die Stärkung freier Bildungsmaterialien (OER) für sächsische Schulen vor. Laut Bildungsministerin Kurth haben diese aber nicht die erforderliche Qualität.

Hintergrund

Unter dem Titel “Das hätte es früher nicht gegeben… Jugend gestaltet Sachsen!” beantwortete die sächsische Bildungsministerin Brunhild Kurth, Jugendministerin Christine Clauß und weitere MinisterInnen Beiträge von Bürgern mit “Vorschläge[n] und Ideen zu den Themen Ausbildung & Beruf, Familie & Freunde sowie Gesellschaft & Beteiligung”. Ganz 2.0 gibt es sogar ein YouTube-Video mit natürlich und spontan wirkenden Beiträgen von sächsischen Jugendlichen…

Mein Beitrag: Lehrmittelfreiheit als Chance: Freie Lehrmittel nutzen

(Nachzulesen hier, Links wurden von mir für den Beitrag nachträglich gesetzt)

Anja Lorenz

“Die Lehrmittelfreiheit ist prinzipiell eine gute Sache, allerdings hat sie die sächsischen Schulen kalt erwischt: Es fehlten und fehlen Finanzen zur Beschaffung von Lehrbüchern um die Versorgung für das nächste Schuljahr sicherzustellen. In Chemnitz hilft jetzt die Stadt mit 250.000 € aus um das nötigste zu beschaffen. Daneben verhindern die strikten Nutzungseinschränkungen der Schulbuchverlage weitestgehend, kostengünstige Kopien anzufertigen.

Der Einsatz freier Lehrmittel, sogenannter Open Educational Ressources (OERs), würde dieses Problem beheben, da sie von den Lehrenden eingesetzt, kopiert und oft auch verändert werden können ohne dass weitere Lizenzkosten anfallen. Sachsen könnte bei der Bereitstellung und Nutzung ein Vorreiter sein. Sicher steht noch das Problem mit der Erstellung und Beschaffung der OERs im Raum. Die investierten Gelder zur Beschaffung kommerzieller Lehrmittel wären aber ein Anfang und längerfristig besser in Autoren für freie Lehrmittel investiert. Letztere könnte man sicher unter den Lehrenden und Studierenden gewinnen – gerade wenn man bedenkt, wie viele Lehramtsstudierende jedes Jahr keinen Referendarplatz bekommen und deshalb über eine Gelegenheit zur Zwischenfinanzierung dankbar wären.”

Die Anfrage erhielt Zuspruch und in dem (eher wenig dialogorientiertem Forum) sogar einen Kommentar und schließlich sogar eine Antwort von Frau Kurth (Hervorhebungen von mir):

Sehr geehrte/r »alorenz«,

Brunhild Kurthvielen Dank für Ihren Vorschlag. Sie haben Recht: es kostet viel Geld und Zeit, um Lehrbücher und Unterrichtsmaterialien durch einen Schulbuchverlag zu erstellen. Dafür haben diese Lernmittel einen hohen Qualitätsanspruch. Um sicher zu sein, dass jedes Schulbuch in Sachsen tatsächlich diesen Anspruch erfüllt, gibt es ein spezielles Verfahren: die Schulbuchzulassung (http://www.schule.sachsen.de/104.htm). So wird die Qualität der Lehrbücher mit Blick auf die Lehrpläne in Sachsen geprüft.

Auf diesem hohen Niveau lassen sich Lehrbücher leider nicht flächendeckend durch (kosten)freie Materialien ersetzen. Dort, wo die Qualität gegeben ist, sollten aber freie Angebote genutzt werden. Dafür haben sächsische Lehrerinnen und Lehrer mehrere Quellen:

  • Das Sächsische Bildungsinstitut stellt kostenfreie Materialien in der Lernaufgabendatenbank zur Verfügung (http://www.bildung.sachsen.de/lernaufgaben).
  • Viele Handreichungen für sächsische Lehrerinnen und Lehrer enthalten auch kostenfreies Material.
  • Auch Verlage bieten kostenfreie Materialien an, aktuell zum Beispiel Unterrichtsmaterialien zum Thema »Medienkunde« ab Klasse 9 von »Zeit online« (http://www.zeit.de/angebote/schule/index).

Mit freundlichen Grüßen

Brunhild Kurth, Staatsministerin für Kultus

(Bild: Sächsischen Bildungsministerin Brunhild Kurth, Quelle: Pressefotos des Ministeriums)

Meine Enttäuschung zu der Antwort brauche ich wohl nicht weiter ausführen. Am Stammtisch würde ich mir jetzt überlegen, wie ich eine Brücke vom polnischen Vorbild zu den Sachsen mittels August dem Starken, der ja König von beidem war, schlagen könnte, aber mir bleibt da jegliche Pointe im Hals stecken.

Weitere Beiträge zum Thema

Nicht nur mein Beitrag wurde beantwortet, hier eine Auswahl der anderen Ideen und Antworten:

  • Geld für Bildung in Sachsen, gegen Unterrichtsausfall: Hier ging es Elternvertretern vor allem darum, weitere Lehrer zur Absicherung des Unterrichts einzustellen. Die Antwort von Frau Kurth: “[...] auch Lehrer werden mal krank, sind bei Fortbildungen, Klassenfahrten und Exkursionen. Schule ohne Unterrichtsausfall wird es nicht geben. [...]” Status: Der “Beitrag enthält keinen umzusetzenden Vorschlag.”
  • Mehr Gehör den SchülerInnen – die Schulexperten Nr.1!: Eine Schülerin der 11. Klasse berichtet von 15% Unterrichtsausfall in den ersten 4 Schulwochen und den Gründen dafür. In einem zweiten Abschnitt bemängelt sie die Partizipationsmöglichkeiten der Schüler und Schülerinnen. Frau Kurth freut sich in Ihrer Antwort über das Interesse der Schülerin und nennt weitere Aktionen zum Austausch von Jugendlichen und Politikern. Kein Kommentar zum Unterrichtsausfall. Status: Der “Beitrag enthält keinen umzusetzenden Vorschlag.”
  • Lehrer aus anderen Bundesländern: Lehrer aus anderen Bundesländern müssen ihren Beamtenstatus aufgeben, wenn sie nach Sachsen kommen. Und wer will das schon. Status: Der “Beitrag enthält keinen umzusetzenden Vorschlag.”
  • Bildung in Sachsen=Verschwenung Teil 1, 2 und 3: Die Beitrag greifen (vielleicht etwas zu plakativ) die Probleme des förderalistischen Bildungssystems und die Nachteile in einem ostdeutschen Bundesland auf. Interessanter sind Ausschnitte aus den Antworten: ”[...] Im Übrigen gibt es auch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass das gemeinsame Lernen aller Schüler auf einer Schule die Leistungen verbessert. [... dann aber ist man stolz auf:] Knapp ein Viertel aller Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in Sachsen integrativ unterrichtet. [...] Es ist Pflichtaufgabe der Kommunen, die Schulgebäude mit den notwendigen Lern- und Lehrmitteln auszustatten und die Schulen zu renovieren [...]“ Status: Der “Beitrag enthält keinen umzusetzenden Vorschlag.”
  • Lehrermangel? – habe aber wieder keine Stelle bekommen!: Eine Deutschlehrerin hat trotz Grund- und Förderschuleignung keine Stelle bekommen. Status: Der “Beitrag enthält keinen umzusetzenden Vorschlag.”
  • Lehrermangel – ein unlösbares Problem?!: Eine Lehramtsstudentin äußert Unsicherheiten bezüglich ihrer beruflichen Chancen in Sachsen. In der Antwort von Frau Kurth heißt es zur Lehrerstellenplanung, es sei “nicht möglich, alle Veränderungen der Schülerzahlen und der Schülerströme bei der Personalaufstellung exakt vorherzusehen. [...] Auch Langzeiterkrankungen von Lehrern und ein vorgezogener Renteneintritt sind nicht vorhersehbar.” Die fehlenden Anreize durch Verbeamtung und höhere Gehälter relativiert Frau Kurth durch “Prämien für Lehrer, die bereit sind, aufs Land zu ziehen, Kita-Plätze oder günstiger Wohnraum für junge Lehrerfamilien.” Status: Der “Beitrag enthält keinen umzusetzenden Vorschlag.”

Eine Vielzahl der Beiträge beschäftigt sich mit Lehrerperspektiven in Sachsen oder schlechte Voraussetzungen an Schulen, die meiner Meinung nach nicht wirklich beantwortet werden. Ich habe auch noch keinen Beitrag mit dem Vermerk gesehen, dass er einen umzusetzenden Vorschlag enthalten würde.

Educamp Ilmenau #ecil12 – Meine Session zum Tracking von L3T/OER

Ich kam mir ja schon fast wie auf Werbetour vor (das war auch ein wenig beabsichtigt, den ich halte es nach wie vor für ein tolles Projekt): Ich hatte das L3T-Konferenzbuch und auch ein paar Flyer dabei, um das Buch im Vorfelde der Session bekannt zu machen. Denn obwohl recht viel dazu gelaufen ist, ist es an vielen bislang noch vorbei gegangen. Und was bei den Herausgebern vor allem vorbeigeht ist der Einsatz des Buches, der Kapitel, der Aufgaben.

Die Session wurde angekündigt und am Samstag eingetaktet. Wie beim OERCamp sollte Martin (@mebner) per Google+Hangout hinzukommen, ich habe dieses mal vor Ort moderiert. Die Session habe ich anschließend in einem Kurzvideo so zusammengefasst:

Noch einmal zu den beiden Hauptpunkten:

  • Feedback wird nicht gegeben, weil zunächst die offenkundige Aufforderung fehlt (selbst ich hatte Schwierigkeiten in der Session, die genutzten Social-Media-Verlinkungen zu finde). Aber vor allem ist es auch nicht üblich, einem Herausgeber oder Autoren Feedback zu geben. Wir schimpfen zwar über schlechte Lehrbücher, aber wer hat sich denn schon einmal an die Herausgeber oder die Urheber direkt gewandt? Ist das eine Mentalitätsfrage oder muss/kann es noch irgendwie unterstützt werden?
  • Obwohl OER unter CC-Lizenz stehen ist “remix & share” trotzdem befremdlich, d.h. als Buch angelegtes OER zu “zerschneiden”, indem man einzelne Teile herauslöst, ggf. anpasst oder neu zusammensetzt. Martin meint schon seit einer ganzen Weile, dass das PDF nicht alles sein kann und das hat sich hier bestätigt. Warum sollte man auf einmal anfangen, mit einem digitalen Lehrtext anders umzugehen, als mit einem Buch? Die Antwort muss sein: weil es geht. Und dafür muss es aber auch gehen. Aber nicht nur die technische Frage nach dem richtigen Format stellt sich hier, sondern auch eine ideelle. Ich habe sogar das Gefühl, dass gerade dadurch, dass L3T durch einige Stufen zur Qualitätssicherung gegangen ist, ist einde höhere Hürde dabei, es zu verändern.

Die Session selbst empfand ich als sehr produktiv, es wurden wesentliche Schwachpunkte identifiziert und die Reaktionen zeigten, dass wir manchmal wohl doch in solchen Projekten drinstecken. Ich war hinterher ganz schön platt: Gleichzeitig moderieren und inhaltlich mitziehen (noch dazu bin war ich ja auch ein wenig aufgeregt) zusammen mit den anderen Sessions war nicht ohne. Aber ich war doch überrascht, wie gut der/die/das Hangout funktioniert hatte.

Für die angesprochene Neuauflage gibt es auch schon einen Aufruf, wie verwöhnt als Video:

Educamp Ilmenau #ecil12 – Die Sessions

Ich hatte versucht, diese Beschreibung in dem “allgemeinen” Post unterzubringen, aber der wäre ja selbst mir so zu lang. Daher lagere ich das aus und jeder mag bitte nur die Sessions lesen, die für ihn interessant sind. Die Session-Matrix mit Pads und Videos ist hier zu finden.

Wir waren zwar schon Freitag da, haben das aber eher zum WarmUp genutzt. Für die EduHacks waren wir ein wenig spät, daher hatten wir uns erst zu einer YERC-Session gesellt, anschließend bei einem Projekt Mäuschen gespielt. Richtig reinkommen konnten wir nicht mehr, aber mit einigen Leuten sprechen und auch bekannte Gesichter von verschiedenen Veranstaltungen wiedersehen. Das abendliche Quiz nach Kneipenquiz-Charakter war ein netter Einstieg und auch ein Ausstieg aus dem doch recht langen Tag.

Samstag

Sketchnotes (by @ralfa): Trotz der parallel stattfindenden Session zur “Digitalen Demenz” war diese Session quasi ein Muss. Ich hatte hier im Blog ja bereits meine ersten Erfahrungen damit gepostet, da musste ich an der Session des “Meisters” teilnehmen. Die Faszination für das Thema hat bei mir noch nicht abgenommen, vor allem seit dem ich weiß, dass es hier überhaupt nicht darauf ankommt, ob man malen kann. In den darauf folgenden Sessions habe ich dann auch versucht, mich zum Sketchnoting “zu zwingen” (wobei der Zwang überhaupt kein Opfer war).

Akademie 2.0 (by @RonaldHindmarsh): Hier wurde eine Idee vorgestellt, wie die Erwachsenenbildung (?) besser gestaltet werden kann. Unter Einbindung aller “Ideale”, darunter Kompetenzprofile statt Zertifizierung oder Lerncoaches statt Lehrende, wurde überlegt, wie diese Akademie aussehen soll. Ich mag die Vorstellung sehr, kam mir in der Session dann aber doch wie ein “Spielverderber” vor. Aus dem im Vorfeld dazu stattfindenden EduHack-Projekt wusste ich, dass hier durchaus über ein konkretes Vorhaben gesprochen werden sollte. Aber wie sollen die Kompetenzprofile von Personalmanagern ausgewertet werden, wenn diese hunderte auf dem Tisch haben? Wie sollen Lehrende die individuelle Bewertung ermöglichen, wenn es sehr viele Lernende werden? Warum überhaupt einen Rahmen, wenn die Projektgruppen fast ohne institutionale Vorgaben laufen sollen? Ich denke, es ist wirklich eine gute Idee und habe es ein wenig mit den Open Courses oder UnUni.tv verglichen. Aber die “Keule der Realität” (siehe Sketchnote) muss hier einfach noch überwunden werden. Ich bin gespannt, wie das gelingt (das “ob” stelle ich bei den Session-Leitern mal nicht infrage).

L3T/OER-Tracking (by ME): …war meine Session, dazu muss ich mal separat was bloggen…

Etherpads @ Hochschule (by @GregoryGrund): Ich hatte in einer Vorlesungseinheit ja auch mal versucht, Etherpads zum gemeinsamen Notizenmachen einzusetzen, was vor allem deshalb gescheitert war, weil nur drei Studierende einen Laptop dabei hatten. Daher hatte mich interessiert, wie andere Lehrende das einsetzen. In Gregorys Setting waren bereits Rechner im Raum – so simpel, so einleuchtend. Allerdings haben auch ihm Studierende erzählt, sie würden durch die Multitasking-Anforderungen zu sehr abgelenkt und somit gestört werden. Und so wurde die Session zu einem Erfahrungsaustausch mit vielen Beispielen der Teilgeber und vielleicht sollte es doch noch einmal versuchen. Allerdings haben Etherpads derzeit ein Problem, dass sich auch auf die Dokumentation des EduCamps auswirkte: Mit Smartphones und Tablets ist das Schreiben darin der absolute Rotz (daher hier auch der Versuch einer etwas umfangreicheren Sessionbeschreibung).

Vision eines Ingenieurstudiums (by @alextee): Alex versucht als Pädagoge gerade in seinem neuen Job das Ingenieurstudium zu verbessern. Damit erlebt steht er verglichen mit mir fast auf der anderen Seite: Während ich versuche, “informatikfernen” Studenten eben dieses Verständnis wenigstens im wesentlichen zu vermitteln und dafür pädagogische Konzepte in mich aufsauge kennt Alex diese schon, muss nun aber verstehen, wie die Ingenieure so ticken. Er sieht sich mit den “ist schon immer so gewesen”-Argumenten konfrontiert und muss sicher an den ein oder anderen angestaubten Lehrkonzepten vorbei. Interessanter neuer Job und ich wünsche Ihm, dass ihm die Session dabei hilft.

Mister X  mobile (by @herrwarteberg): Nach den vier austauschreichen Sessions war ich nicht nur kopfmatsche, sondern konnte kaum noch sitzen. Da war diese “Session” ganz recht. Kurz: wir hatten die App getestet und viel Spaß dabei. Außerdem waren wir draußen und konnten den schönen Sonnenuntergang sehen.

Am Abend wurden die EduHack-Projekte vorgestellt und ein “Gewinner” gekührt. In der Zeit bis zur Party im BD-Club waren wir zufällig noch zur Diskussion um die “Bildungs-Wikis” WikiVersity und ZUM-Wiki gestoßen, nachdem wir den Tweet gelesen hatten.

Dabei war mir bisher überhaupt nicht bewusst, dass das ZUM-Wiki garnicht zur Wikimedia-Familie gehört und nur von einer Hand voll Leuten getragen wird. So ein tolles Projekt, as braucht dringend unterstützer (vorrangig auf Lehrerseite, *zwinker zwinker* @Kai_Obi).

Party war gut :)

Sonntag

Bildungsutopia (by @FrauFridur): Die Session fiel mir im Vorfeld schon auf, weil sie so “rumspinnerisch” daherkam – und da bin ich ja schnell dabei. Unter der theatererfahrenen @lammatini (die später noch eine supertolle Session gehalten haben muss, zu der ich leider nicht war) haben wir versucht, dem Lerner von heute und morgen ein Denkmal zu setzen.

Die anderen haben in einem beeindruckenden Tafelbild Ihre Vision zusammengesponnen und sehr viele wichtige Punkte erfasst. Ich hätte gern die Diskussion und den Entstehungsprozess darum mitbekommen, ebenso wie ich unsere Vorstellungen gern noch mit weiteren Teilnehmern diskutiert hätte. Eine Zusammenfassung von @FrauFridur gibt es hier. Aber so sind wirklich tolle Visionen herausgekommen, ganz ohne die realen Schranken und Keulen, denen sich so reale Vorhaben wie die Akademie 2.0 stellen muss.

Du darfst – Urheberrecht (by @ralfh): Der §52a UrhG wird uns noch Ärger machen, genauer gsagt desse Befristung. Wenn nicht jetzt, dann später. Aber so hatte Ralf den Vorschlag, statt dauernd auf Verbote und Ängste einzugehen einfach mal zusammenzutragen, was denn erlaubt ist. Natürlich haben sich die Diskussionen dann doch schnell um Detailfragen gedreht, der Anfang und vielleicht schon ein zweiter Schritt sind aber gemacht und ich hoffe, hier noch davon hören zu können, vielleicht sogar mitzuwirken.

Format BarCamp (by @lina21): Als Abschlussession nur folgerichtig ist die Frage, in welchen Settings man das BarCamp-Format noch einsetzen kann. Frauke hat dazu aus Ihren Erfahrungen im Job und in der Vereinsarbeit berichtet. Vielleicht ist es ja doch etwas auch für die @chembows

Educamp Ilmenau #ecil12

Ich mag dieses Bild. Es ist bei der Session von @FrauFridur zur Bildungsutopie entstanden und zeigt dabei so viele Aspekte des EduCamps.

Nach den EduCamps in Bremen und Köln war das 10. EduCamp in Ilmenau also mein drittes EduCamp – und dabei das erste, das ich nur zum “Selbstzweck” besucht habe (die anderen beiden konnte ich mit der MLCB11 bzw. der DGI12 verbinden). Ich gehöre also nicht zu den “alten Hasen”, bin aber auch kein Newbie mehr und durchaus mit den Regeln des EduCamp-Prinzips vertraut (@gibro und @empeiria haben in ihren Blogs noch einmal daran erinnert). Ich hatte im Vorfeld ein paar Sessions im Forum vorgeschlagen, mit- und andiskutiert, wollte mir aber bewusst sehr kurzfristig überlegen, ob und was ich dann tatsächlich anbieten soll. Denn das ist einer der Punkte an einem EduCamp, den ich besonders schätze: die Möglichkeit, (subjektiv) aktuelle Themen vorzuschlagen und in einer stark interdisziplinären Community diskutieren zu können.

Mir ist der Thüringer Wald eigentlich sehr gut bekannt (jahrelang haben wir Silvester in Suhl verbracht und kennen auch Oberhof, Sonneberg, Meiningen, Ohrdruff, Lauscha, Gotha u.v.m.), nach Ilmenau hatte es uns aber noch nicht verschlagen. Aber es ist sehr schön hier und das bei diesem Wetter: 25°C im Oktober! Ilmenau war Ausrichter des ersten und dritten EduCamps, die ich aber zum Vergleich nicht heranziehen kann (ist also nur für die Statistik). Die Ausrichtung in einer Uni hat schonmal einen Vorteil: Es gibt Eduroam, für die quasi überlebenswichtige WLAN-Verbindung ist also gesorgt. Ebenso waren alle Räume mit Beamer und Tafel ausgestattet. Die Infrastruktur zusammen mit der tollen Orga und den Helfern bot ein ideales Umfeld für das EduCamp.

Die Beschreibung der Sessions ist mir jetzt irgendwie ausgeartet, die kommt noch einmal hier.

Na dann geht es los: 5-Finger-Feedback!

Daumen: Das wa super! Das Organisationsteam und vor allem die vielen Helfer waren unschlagbar: Egal wie oft man doch noch mal an seine Tasche musste oder ob man Hilfe bei der Raumtechnik brauchte: die vermutlich überwiegend Studenten waren immer freundlich, locker und hilfsbereit und es war auch immer etwas Zeit, sich persönlich noch einmal auszutauschen. Die Themen waren aus meiner Perspektive abwechslungsreich und ich hatte oft auch Probleme, mich für eine Session zu entscheiden.

Zeigefinger: Das könnte man besser machen! Nun folgt “Meckern auf hohem Niveau”. Das Quiz am Freitag war gut und für Nicht-Kneipenquiz’ler war es sicher auch schwer genug. Sollte man sowas wiederholen wollen (und für eine spielerische Quizzerei wäre ich auf alle Fälle) kann man sich bspw. mal an Bildungsthemen oder stärker noch örtliche Gegebenheiten herantrauen. Am Sonntag fehlte die Vorstellungsrunde und auch die Newbie-Begleitung schien nicht vorhanden bzw. nur individuell organisiert gewesen zu sein. Ja klar, ich habe es damals auch ohne geschafft, aber ich fand das Angebot in Köln (?) sehr gut und würde mich gern da auch selbst einbringen (ich brauche aber vermutlich vor dem #echh13 eine Erinnerung).

Mittelfinger: Das hat mir gar nicht gefallen! Eigentlich möchte ich gar nicht mehr so viel dazu sagen, hier wird an anderer Stelle genug diskutiert. Vielleicht allgemein: Diskussionen sollten zu jedem Zeitpunkt konstruktiv geführt werden. So wie das bei @jmm_hamburg gelaufen ist: es hat ihn etwas gestört und das ganze war dann Anlass zu einer Session. Ohne böses Blut, aber um dennoch darauf hinzuweisen. Und ich kann nur noch einmal betonen: Ich fände einen Crowdfunding-Versuch gut und interessant, sehe aber auch Gefahren, dass es nicht klappen könnte. Einfach hinschmeißen erspart diese Herausforderung.

Ringfinger: Das nehme ich mit! Ich werde Sketchnotes weiter verfolgen und wo es geht ausprobieren. Ich werde die Akademie 2.0 soweit es geht verfolgen, ich bin gespannt, wie sich dieses Projekt weiterentwickelt. Ich werden versuchen, am L3T 2.0 mitzuwirken. Ich werde das ZUM-Wiki und die WikiVersity erwähnen, wo ich kann. Ich werde die Bildungsutopie nicht aus den Augen verlieren. Ich werde weiterhin schauen, dass ich andere beim UrhG-konformen Einsatz von Medien helfen kann. Ich werde es hoffentlich schaffen, das BarCamp-Format mal im Verein zu testen. Ich werde die Kontakte aus dem EduCamp halten. Ich werde (hoffentlich) zum @echh13 kommen.

Kleiner Finger: Das ist mir zu kurzgekommen! Bei 30 Sessions hätte ich einige Sessions gern auch noch besucht. Und natürlich hätte ich auch von Ilmenau gern mehr gesehen. Aber ich kann mich nunmal nicht verteilen. Sicher konnte ich auch nicht mit jedem in dem Umfang sprechen, wie ich es mir gewünscht hätte. In anderen Blogs wird der politische Impact des EduCamps thematisiert, aber da sehe ich das anders: Das EduCamp ist keine politische Veranstaltung und soll keine werden. Es geht nicht darum, Meinungen und Haltungen zu diskutieren, es geht auch nicht um richtig und falsch. Es geht um einen Rahmen, in dem  ungezwungen von disziplinären Schranken und konkreten Zielen ein Austausch stattfinden kann. Ohne Vorgaben, ohne nötige Themen, ohne Gewinner und Verlierer, ohne Regierung und Opposition.

Weißt Du noch oder kannst Du nur?

“Es war ein langer Fußweg zurück nach Bad Lamonisch an der Bibber, aber es war ein fröhlicher Fußweg. Freitag holte seine Lieblingsflöte heraus und spielte einen Marsch namens ‘Der Ameisenhäuptling’, während Björn Schneyder alle damit überraschte, dass er sie auf interessante Einzelheiten der Landschaft hinwies und sie im Fürbassschreiten in naturkundlichen Dingen unterrichtete. ‘Seht ihr das?’, sagte er und zeigte auf einen Felsen. ‘Das ist ein Felsen. Und diese farbenfrohen Dinger dort drüben? Man nennt sie Blumen.’”

Andy Stanton & David Tazzyman (2010): Mr Gum und der Mürbekeksmilliardär, Seite 163f. Wunderbar übersetzt von Harry Rowohlt.

Bei diesen Sätzen musste ich an die Tweets mit Christian Spannagel und meinen Gedanken zum anstehenden #opco11-Thema “Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung” denken: Immer wieder hört man von der Wichtigkeit von Soft Skills, und dass mehr Wert auf die Vermittlung von Kompetenzen statt Faktenwissen gelegt werden sollte. In einer Gesellschaft, in der man den Eindruck hat, es hätten mehr Menschen einen Google-Account als einen Bibliotheksausweis, ist der Zugang zu Fakten scheinbar nur eine Frage des richtigen Suchbegriffs. Die wahre Herausforderung liegt heute in allem, was Technologien (noch) nicht können: Fakten zu neuen Erkenntnissen zusammenführen, bewerten und für Andere verständlich aufbereiteten.

Bei der Learntec2010 habe ich einen sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Präsentationsform sehr guten Vortrag von Conrad Wolfram dazu gehört, Kinder sollten Mathematik lernen und nicht Rechnen (Online auf TED). Damals stimmte ich ihm voll und ganz zu und daran hat sich im Prinzip auch nicht viel geändert, bis auf…

In letzter Zeit (auch durch die Beschäftigung mit den Problemen, die durch das Social Web erst entstehen) frage ich mich aber zunehmend, ob uns das Zurückstellen dieser Kenntnisse nicht letztlich doch auf die Füße fällt und die Probleme genau darauf zurückzuführen sind, dass nötige Grundlagen vernachlässigt werden. “Die Jugend von heute kann ja überhaupt nicht mehr richtig Kopfrechnen.” – schon mal gehört oder selbst gedacht? Und wenn ja: Wie befriedigend ist das Argument, dass sie das nicht mehr bräuchten, sie hätten schließlich Computer und Taschenrechner?

Das schwierige daran scheint mir, dass diejenigen, die die Vermittlung von Kompetenzen vor Fakten betonen, diese selbst aber noch gelernt haben. Ich überlege, ob man die Hauptklassen kognitiver Lernziele nach Bloom, also Wissen, Bewertung, Verstehen, Anwendung, Analyse und Synthese (siehe auch hier), ähnlich der Bedurfnispyramide von Maslow sehen MUSS.

Dann nämlich wären die obere Stufen, wie Anwendung und Synthese, erst erreichbar, wenn die unteren Stufen, wie die Wissen und dessen Bewertung, bereits genommen wurden. Praktisch formuliert, kann man in einer Sprache diskutieren, wenn man keine Vokabeln kennt, aber die Grammatik?

Ich danke Christian dafür, dass er genau das zu einem der vielen Teilthemen seines #opco11-Festivals gemacht hat und werde von meiner kurzen Einlage als “Straßenmusikant” nun wieder an “die Bühnen” wechseln.