Learning Analytics und was ich mir davon verspreche

Bei den ersten Beiträgen zum Teilthema Learning Analytics des aktuellen (und letzten :'() Themenblock im SOOC1314 lese ich öfter heraus: Das scheint eine gute Idee zu sein, da auch der Lernprozess in Benotungen mit eingehen kann und nicht nur das Ergebnis der Abschlussprüfung. Dazu habe ich in den Kommentaren bereits mehrmals “ja aber” gesagt, sodass ich mich irgendwie zu einer zentralen Stellungnahme genötigt fühle. Da meine Meinung vielleicht nicht sehr kuschelpädagogisch ausgerichtet ist, tue ich das hier und nicht auf dem offiziellen SOOC1314-Blog.

Nein, ich will keine persönlichen Lernfortschritte benoten!

Den Lernprozess in die Benotung mit einbeziehen. Den persönlichen Fortschritt in den Vordergrund rücken. Das alles klingt aus Potentialbetrachtungen für Learning Analytics oft hervor. Auch einige SOOC-Teilnehmende haben darüber geschrieben. Aus Sicht der Hochschullehre muss ich (außerhalb der Softskill-Vermittlung) aber sagen: Welche persönliche Entwicklung ein Studierender genommen hat kann mir eigentlich Schnuppe sein. Ja, natürlich freue ich mich, wenn gerade anfangs schwache Studierende Fortschritte machen, aber es kommt darauf an, dass die Studierenden am Ende die Kompetenzen vorweisen können – egal wie schlecht sie vorher waren.

Ganz salopp gesagt: Nur, weil jemand vorher kein Blut sehen konnte und bei jedem Pflaster wechseln umfiel, kann ich ihm kein Arzt-Studienabschluss geben, wenn er dann wenigstens ein Zäpfchen setzen kann. Die Studienabschlüsse rufen bestimmte Vorstellungen hervor, was jemand damit können sollte. Ein Arzt sollte Krankheiten behandeln, ein Anwalt Gesetzte interpretieren und ein Lehramtler für Mathe auch Integralrechnung beherrschen. Was nützt es da, wenn ich anhand diverser Learning-Analytics-Tools sagen kann: “hey, vorher war der/die noch viel unfähiger”? Nein: Noten anhand von Learning-Analytics-Ergebnissen will ich nicht vergeben.

Aber wofür ist es dann sinnvoll?

Nicht den Lernprozess benoten: einschätzen würde ich ihn gern können. Was haben die Studierenden verstanden? Was nicht? Wo sollte ich noch einmal nachhaken? Schon in Präsenzveranstaltungen bekommt man ja wenig Feedback der Studierenden. Zeit für begleitende Evaluationen ist nicht vorhanden. Woher soll ich das also wissen? Noch schwerer ist es bei Online-Kursen, an denen die Teilnehmenden zeitunabhängig teilnehmen. Kommen sie gut voran? Haben sie Probleme mit den Inhalten? Wenn ja, mit welchen? Welche Inhalte sind gut?

modern times illustration by hikingartist (CC-BY-NC-ND)

Aber natürlich gibt es noch mehr Potentiale, gerade wenn man die Netzwerkanalyse anschaut: Wer arbeitet mit wem zusammen? Wer hilft den anderen im Forum bei Fragen? U.v.m. Lerarning Analytics ist aktuell heiß im Horizon Report 2014 platziert worden. Wir dürfen also noch einiges erwarten.

3 thoughts on “Learning Analytics und was ich mir davon verspreche

  1. Pingback: Gibt es gerechte Bewertungen – und hilft uns Learning Analytics dabei? | SOOC13/14

  2. Pingback: Business Intelligence in der Lehre | olivertacke.de

  3. Pingback: Everybody is a genius. But if you judge a fish by its ability to climb a tree, it will live its whole life believing that it is stupid | marriyanada

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