“Roast”-Methode

Ich habe eine Idee für eine Kreativitätsmethode. Die Idee basiert weder auf Referenzen noch auf sonstigen wissenschaftlichen Vorgehensmodellen oder -vorgehensweisen, sie ist schlichtweg nicht wissenschaftlich entstanden. Dennoch gefällt sie mir gut. Daher will ich sie hier (und ggf. auch noch zu weiteren Gelegenheiten) zur Diskussion stellen. (Das geht schneller, als sie zu publizieren und akzeptiert durchaus Entwurfstadien, ganz nach dem Open-Science-Gedanken).

tl;dr

Statt die Vorteile und Potentiale eines Diskussionsgegenstands zu lobpreisen, soll die Roast-Methode Argumente der pessimistischen Perspektive hervorbringen: Warum kann diese Idee gar nicht klappen, warum ist das totaler Quatsch, warum ist es nichts Neues etc. Damit verschärft sie die Kopfstandmethode hin zu einem Format, das gerade in der Aufdeckung von Lücken auch zu neuen Anforderungen führen kann.

Ansatz: Kopfstandtechnik, Alles Nichts Oder & Roast Comedy

Ich mag kontroverse Formate. Ebenso habe ich in der Lehre erfahren, dass Lernende diese auch gern annehmen: eben weil sie scheinbar so selten zur Kritik aufgefordert werden, haben sie Schwierigkeiten, diese zu äußern. In hochschuldidaktischen Weiterbildungen habe ich die Kopfstandtechnik kennnengelernt und finde sie gut (und das war bei weitem nicht mit allen Formaten so). Im Rahmen des SOOC habe ich sie bspw. auch produktiv einsetzen können, um die Erwartungshaltung der Teilnehmenden abzufragen. Aber das Ganze könnte auch aggressiver sein…

Anfang der 90er gab es auf RTL die Spielshow “Alles Nichts Oder?!” mit Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder. Das ist so lange her, dass auch ich die Sendung nur aus ihren Wiederholungen kenne. Dabei wurde darauf hingearbeitet, dass am Ende die Gastgeber möglichst viele Torten ins Gesicht geworfen bekommen. In Spielen wurde die Anzahl der Torten, die am Ende geworfen werden durften, erkämpft.

Etwas weiter geht derzeit das Roast-Comedy-Format, bei dem irgendjemand oder irgendetwas gezielt dem Spott ausgesetzt wird. Der TV-Sender Comedy Central widmet sich hierfür bspw. der Verunglimpfung von konkreten bekannten Persönlichkeiten, die hierzu auch selbst eingeladen werden.

Ziel der Methode

Ein Betrachtungsgegenstand (eine Lösungsidee, ein Produkt…) soll insbesondere der negativen Kritik ausgesetzt werden. Damit kann man entweder

  1. dieser Kritik durch passende (und bisher offenbar fehlenden) Argumentationen begegnen, die in nachfolgenden Präsentationen dann nicht vergessen werden sollten ODER
  2. echte Schwachstellen des Betrachtungsgegenstandes identifizieren. Die nicht widerlegbaren Aspekte können dann leicht als Anforderungen identifiziert werden, die in die Weiterentwicklung des Betrachtungsgegenstands einfließen müssen.

Ablauf

Es erscheint als logisch (d. h. ich kann Aufbau und Vorgehen gerade nicht wissentschaftltlich belegen), dass folgende Punkte mindestens für den Ablauf berücksichtigt werden müssen:

  1. Präsentation/Darstellung des Betrachtungsgegenstands
  2. Klärung eventuell auftretender Verständnisfragen
  3. Sammeln von Gegenargumenten
  4. Reaktion auf Gegenargumente, d. h. entweder
    • inhaltlich widerlegen,
    • Relevanz widerlegen oder
    • als Anforderung aufnehmen.
  5. Dokumentation von
    • (Gegen-)Argumenten, die in zukünftige Präsentationen mit aufgenommen werden müssen und
    • Anforderungen, die durch die Diskussion entstanden sind.

Grundsätze und Unterstützungsmöglichkeiten

Grundsätzlich dürfen dem Roast keine Hierarchien im Weg stehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man es auch in der regulären Lehre anwendet, aber dann muss von vorn herein klar sein: Das Finden von Gegenargumenten ist Sinn und Zweck. Es ist keine Kritik an demjenigen, der den Betrachtungsgegenstand vorstellt. Der “Verteidiger” des Betrachtungsgegenstands sollte glaube ich auch nicht bewertet werden, denn sonst traut sich das Plenum nicht, hier ernsthaft Kritik zu üben. Wenn überhaupt liegt die Leistung in dem Finden und Formulieren der Gegenargumente.

Zum Aufbau eines Roasts scheinen folgende Elemente für die Unterstützung sinnvoll:

  • Dokumentationswerkzeuge
    • um Gegenargumente (Schritt 3) können zu sammeln (Moderationskarten, Etherpad,…)
    • um neue Anforderungen aufzunehmen
  • Dokumentationsrolle: Um auch wirklich alle Argumente zu erfassen könnte es sinnvoll sein, einen Teilnehmenden zum “Schriftführer” der Argumente zu benennen.
  • Weitere Ideen:
    • Sollte es dazu kommen, dass Gegenargumente/Anfragen etc. weiterhin von externen Stellen gesucht werden, dann könnte eine Art Galgenraten die Teilgebenden motivieren, weitere Schwachstellen zu finden.
    • Wenn man die Methode in der regulären Lehre einsetzt, dann könnte es schwierig sein, jemanden als “Verteidiger” einer Idee auszuwählen. Hier braucht es inhaltliche und argumentative Sicherheiten, die sich vielleicht nur schwer finden lassen. In diesem Fall könnte man auch mehrere Teilnehmenden oder eine Gruppe zur Verteidigung des Betrachtungsgegenstandes benennen.

Wer hat weitere Ideen?

Als erste Ideensammlung soll das genügen. Ich überlege auch, das ganze beim #ecfra14 als Session anzubieten und dort weiterzuentwickeln. Man könnte das in diesem Rahmen auch gleich ausprobieren, sozusagen als Self-Roast😀. In jedem Fall bin ich (über welchen Kanal auch immer, gern auch hier in den Kommentaren) dankbar über weitere Ideen und Hinweise: Gibt es so etwas in der Art vielleicht schon? Welche weiteren Strukturierungshinweise braucht es? Welche weiteren Unterstützungsmaßnahmen sind nötig? Wie könnte man das ganze optimal dokumentieren? War sind große Fallen dabei? Worauf müsste man sonst noch achten?…

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