[Publikation] Digital Badges zur Dokumentation von Kompetenzen: Klassifikation und Umsetzung am Beispiel des Saxon Open Online Courses (SOOC) #delfi2014 #delfigames

Logo DeLFI 2014Im Workshop-Programm der DeLFI 2014 stellen wir das Badge-Konzept im SOOC vor. Der Workshop ist ein “Flipped Workshop” (weil Christian Spannagel gerade alles flipped), d.h. der dazugehörige Vortrag steht schon aufgezeichnet auf YouTube (hier hatte ich eine kurze Anleitung dazu geschrieben). Was meine Kollegen mich nun oft gefragt haben: Was macht man dann vor Ort? Ich finde es heute für Euch raus!

Digital Badges sind nicht nur bewährte Elemente in Spielen, die das Erreichen einer bestimmten Stufe oder das Erfüllen einer Aufgabe bestätigen. Als Zertifizierungsmöglichkeit für Kompetenzen wird ihnen viel Potential vor allem für das plattformübergreifende Lernen sowie motivationale Aspekte zugeschrieben. In diesem Beitrag werden neun Dimensionen zur Einordnung von Digital Badges zusammengetragen und mögliche Ausprägungen diskutiert. Eine Validierung des entstandenen Klassifikationsschemas erfolgt durch die Analyse von Plattformen, die bereits Digital Badges einsetzen. Im Saxon Open Online Course 2013/14 (#SOOC1314) wurden zwei verschiedene Arten von Digital Badges eingesetzt, um Teil- und Gesamtleistungen zu bestätigen und die Transparenz des Bewertungssystems zu verbessern.

Wann und Wo?: Montag, 15.09.2014 um 09:00–17:30 Uhr, Universität Freiburg

Referenz: Lorenz, Anja; Meier, Stefan (2014): Digital Badges zur Dokumentation von Kompetenzen: Klassifikation und Umsetzung am Beispiel des Saxon Open Online Courses (SOOC). In: Rensing, Christoph; Trahasch, Stephan (Hrsg.): Proceedings der Pre-Conference Workshops der 12. e-Learning Fachtagung Informatik (DeLFI 2014), S. 254–261, Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) CEUR, Freiburg, 2014, ISSN: 1613-0073. (KonferenzwebseiteWebseite des Workshops “Spiele und Spieleelemente in Lernkontexten”, VolltextSlides, Video)

Frontal ist für alle einfacher… aber ist es auch besser?

Der erste Themenblock des SOOC13 ist vorbei und ich bin überwältigt von der Erfahrung aus Gastgebersicht – positiv wie kritisch. Der Trick, damit ich nachher mit dem Positiven schließen kann: ich fange mit den kritischen Aspekten an. Diese sind nicht immer “negativ” im Sinne von schlecht, aber sie sind kritisch und daher beschäftigen sie mich vermutlich sogar länger, als die begeisterten Beiträge, von denen auch ich begeistert bin und zehren kann.

tl;dr

Es folgen oft unbeantwortete Gedanken zu: Soll ich auf Beiträge immer reagieren (müssen)? Wann kann und muss ich mich heraushalten um andere Teilnehmer nicht zu hemmen? Warum mache ich das hier? Wie kann der SOOC13 besser werden?

MOOCs in der Hochschullehre

Etwa zu dem Zeitpunkt als wir wussten, dass der SOOC13 im Rahmen eines LiT-Projekts vom HDS gefördert werden wird, startete der MMC13, der MOOC Maker Course, also ein MOOC darüber, wie man einen MOOC gastgibt. Es hätte keinen idealeren Zeitpunkt geben können (danke noch einmal an Monika König, Dörte Giebel und Heinz Wittenbrink). Wie in einem MOOC üblich habe ich mal mehr, mal weniger teilgenommen, aber stets versucht, die aktuellen Diskussionen zu verfolgen. Die “Überforderung” kannte ich schon aus dem OPCO11, damit wusste ich, wie man ohne schlechtes Gewissen die Twitter-Timeline schnell nach oben scrollt. Nun aber bin ich selbst “MOOC Maker”…

[tweet https://twitter.com/anjalorenz/status/337786324130074624]

Ich werde die Veröffentlichung dieses Posts irgendwann auf den Sonntag legen, damit ich das letzte Wort habe 😉 Dennoch möchte ich nicht verheimlichen: Es ist jetzt kurz nach 1 Uhr nachts an einem Freitag Abend, ich habe am Sonntag eine Deadline für ein Poster, ich habe ein (sehr intensives und zufriedenstellendes) Privatleben und mich lässt der SOOC13 jetzt trotzdem nicht los. Insbesondere, weil die Teilnehmer nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der Meta-Ebene über MOOCs schreiben. Hier ein paar Beispiele herausgegriffen:

  1. Über MOOCs und Motivation von secalcesal
  2. Die letzten Beiträge der SOOC13 Labrats (1,2,3) (toller Name für einen Blog und sehr cool, dass sich hier gleich zwei Teilnehmer im Blog zusammengeschlossen haben)

Studenten als spezielle Zielgruppe

Seit dem ich diese Posts gelesen habe, überlege ich, ob ich darauf antworten soll und vielleicht sogar müsste. Oder aber: ist es etwa kontraproduktiv, denn ich könnte wertvolle Kommentare anderer Teilnehmer hemmen, wenn ich hier antworte, immerhin gelte ich als Gastgeber. Auch die MMC13-Crew hatte dieses Phänomen erlebt. Aber wir haben im SOOC13 noch eine zusätzliche Komponente: Wir haben Studierende, die ggf. CPs erhalten wollen. Wenn ich als 0815-Teilnehmer in einem MOOC keine Zeit habe (wie aktuell leider beim COER13), dann lasse ich es einfach wieder. Keine Konsequenzen. Aber für Studierende gibt es da noch ein paar andere Motivatoren: Wenn sie abbrechen, bekommen sie die CPs nicht und dann war das Semester in diesem Modul vielleicht “verschenkt”. Daher ist es durchaus möglich, dass Studenten sich pragmatisch für den SOOC13 entschieden haben – für den Schein eben (kritisiert und diskutiert hier).

Ganz ehrlich, ich selbst war doch teilweise auch so. Ich habe damals folgendermaßen mein Hauptseminar ausgewählt: in meiner Stundenplanung war der Mittwoch noch frei. Und es gibt ja wohl kaum etwas blöderes. Montag frei, Freitag frei, das mag alles sehr angenehm sein, aber Mittwoch? Als einzige infrage kommende Lehrveranstaltung gab es ein Hauptseminar “Aktuelle Forschungsfelder im eLearning”. Ich hatte zwar noch kein Proseminar gemacht, aber was soll’s. Ältere Studenten sagten mir, dass das kein großer Unterschied ist, die Betreuer haben mir empfohlen zu überlegen, ob ich schon so weit wäre. Und das Ergebnis? Ich fand es spannend, habe bei der gleichen Betreuerin meinen Großen Beleg und meine Diplomarbeit geschrieben und letztere später veröffentlicht (IADIS eSociety in Porto, ITSE). Ein glücklicher Zufall? Vielleicht und wahrscheinlich. Fazit: Ich kann die stundenplangetriebene Auswahl von Lehrveranstaltungen durchaus verstehen.

Ich kann auch verstehen, wenn es nicht so läuft und man das Thema auch mal “absitzt”. Wie secalcesal schreibt: Man kann kein Interesse verlangen. Man kann es versuchen zu wecken, aber es wird ggf. nicht alle mitnehmen. Und die Personen, die “nur den Schein” wollen, sollen das auch durchaus dürfen, ebenso wie in einer “normalen” Uni-Veranstaltung. Hier spare ich mir die Frage, warum der Kurs belegt wird oft: Er steht im Stundenplan, eine Anrechnung vielleicht anderer interessanterer Kurse macht Arbeit, also sind die Studenten da. Da habe ich auch die komplette Bandbreite vor mir. Und das merke ich auch.

Hochschullehrende als spezielle Gastgeber

Ich habe einige Weiterbildungen im hochschuldidaktischen Bereich besucht und auch der SOOC13 ist für mich eine selbstorganisierte Weiterbildung (die ich mir übrigens im Modul 3 des HDS-Zertifikatprogramms anrechnen lassen will). Warum mache ich das? Wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich vor Studenten zu stellen, dann kann ich das auch so machen, dass es wenigsten mir ein wenig Spaß macht, im Idealfall sogar den Studenten. Im Modul 1 des HDS-Zertifikatsprogramms sagte eine Teilnehmerin:

“Frontalunterricht ist für alle leichter.”

Und recht hat sie: Ich kann meinen Monolog halten, alle schreiben die wichtigsten Sachen mit. Wenn ich nett bin, sage ich auch, was in der Prüfung wahrscheinlich drankommen könnte. Die Studenten haben dann einen sehr detaillierten Katalog möglicher Prüfungsfragen. Wenn ich auch nur diese nehme dann werden vermutlich alle Studenten gut abschneiden.

Classroom, ca. 1901 von City of Boston Archives (CC-BY)

Das “Problem” ist: Um Monologe zu halten, brauche ich keine Studenten vor mir. Die kann ich hier im Blog festhalten. Oder als Video aufnehmen. Oder Audioboo. Ich kenne diese Medien doch. Ich will aber: Interaktion, Feedback, neue Ideen, Meinungen, Diskussionen motivieren. Hoschulabsolventen sollen sich doch auch Meinungen selbst bilden und diese artikulieren und diskutieren können. Vielleicht will jemand selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter werden und muss dann Lehre übernehmen. Dann sollte er vielleicht auch andere Methoden kennen als Frontalunterricht, oder?

Daher ist der MOOC für mich auch so ein einnehmendes Erlebnis, hier habe ich das alles in ausgiebiger Form. Aber wie auch in anderen Lehrveranstaltungen gilt: Ich mache mir keine Illusion, dass alle mitmachen. Es werden auch einige aussteigen oder vielleicht schon ausgestiegen sein. Ich will gern denjenigen helfen, die es schwer haben, aber wenn jemand feststellt, dass der SOOC13 nicht zu ihm passt, dann finde ich es auch ok, wenn er aussteigt oder nur das Nötigste zum “Bestehen” macht.

Und nur zur Transparenzschaffung: Die Förderung des HDS bezahlt “lediglich” unsere WHKs. Darüber freuen wir uns sehr. Aber das heißt auch, dass der SOOC13 eher ein “Freizeitprojekt” von uns ist, denn wir sind auch in anderen Projekten und Stellen eingebunden. Also warum tun wir das? Weil MOOCs schlichtweg gerade DAS Thema sind und auch wir es nur erleben können, wenn wir es selbst ausprobieren. Alle reden über die Einbindung in die Hochschulen: wir tun es.

Interaktivität als Problem?

Und nun lese ich diese ersten Auseinandersetzungen mit dem Format. Zunächst einmal: Ich finde das gut. Diese Kritiken zeigen die aktive Auseinandersetzung. Die Autoren sind keineswegs “faule Nörgler”, sondern kritische Teilnehmer, die nicht einfach nur machen wollen, was die CP-Anforderungen verlangen, sondern das Format beschäftigt sie. Und das tw. mehr, als sie das erwartet haben und selbst wollen.

“Aus besagtem Le[hrer]professionalitätskurs gehe ich raus, schließe die Kurstür hinter mir und habe dann die Möglichkeit, die Gedanken daran zu beenden. […] Die Leistung, auf die es nun mal ankommt (vgl. sooclis Beitrag oder die Diskussion hier), wird hauptsächlich in dem Seminar selbst abgeleistet oder in einer Klausur zu einem festgelegten Zeitpunkt oder in einer Ausarbeitung (die auch wiederum in sich selbst begrenzt ist). Die Kurse sind begrenzt und die Möglichkeit der Auseinandersetzung ist es auch.

Sooc: Der Sooc hat keine Grenzen und auch die für den Schein benötigte Leistungsanforderung ist nicht wirklich klar (mir zumindest). Durch Twitter und den eigenen Blog ist man ständig in irgendeiner Art und Weise verbunden. […] Es stellt sich eine schwache Art der mentalen Abhängigkeit ein, die mir absolut nicht gefällt. ” (Quelle)

Ein wenig freut es mich ja, dass wir die Teilnehmer mental bei der Stange halten können, ich befürchte aber, dass das polemisch klingt und das soll es nicht. Wir haben es als Lehrende geschafft, dass Ihr über die Kursinhalte nachdenkt und das auch außerhalb des Kurses? Yeah!

Aber ich kann verstehen, was das Problem ist: Es dringt in Bereich, die bisher vom Hochschulalltag ausgeschlossen waren. Aber was war noch einmal Ziel des Kurses?

“Soziale Medien, wie Facebook, Twitter, Skype oder Google+, gehören heute zum Alltag vieler Studierender. Dabei ist nur den Wenigsten wirklich bewusst, dass diese nicht nur unterhaltenden Charakter haben, sondern ein ganz neues Potenzial entfalten, wenn Sie gezielt zur Unterstützung von Lernprozessen genutzt werden.” (Quelle)

Dieser Text war einer der ersten, der auf den Kursseiten veröffentlich wurde. Wir wollten genau das im SOOC13 diskutieren. Auch deshalb haben wir für den dritten Themenblock die Konsequenzen des Lernens im Netz aufgenommen: Das alles ist nicht einfach. Es ist nicht so leicht wie Frontalunterricht. Und NIEMAND hat bisher dafür eine Lösung gefunden, die dennoch allen Ansprüchen genügt. Wir bieten die Chance, sich mit unserer Unterstützung im Social Web auszuprobieren und die Möglichkeiten aber auch Gefahren für sich zu entdecken. Ob man diese Möglichkeiten dann weiterhin nutzt, das liegt bei jedem selbst. Aber auch wenn sich die Teilnehmer gegen die ein oder andere Komponente entscheiden, dann können sie diese Entscheidung (hoffentlich) durchaus begründen. Es ist eine Entscheidung, die nach einer aktiven Auseinandersetzung getroffen wurde und nicht aus Angst oder Desinteresse.

Nur lesen, nicht kommentieren?

Aber soll ich nun etwas in den Kommentaren hinterlassen? Als Teilnehmer hätte ich es bestimmt. Aber ich bin auch Gastgeber. Sobald von mir dort irgendetwas steht, werden andere vielleicht gehemmt, hier auch Kommentare zu verfassen. Aber wenn ich keinen Kommentar hinterlasse, denken die Teilnehmer vielleicht, es wäre mir egal oder ich hätte den Kommentar nicht gesehen. Wie die Labrats richtig erkannt haben:

Anja Lorenz und Co. nehmen diese Distanzlosigkeit ja  bewusst in Kauf bzw. haben sich von vornherein (so scheint es) darauf eingestellt. Das ist ok und hier auch ganz praktisch (auch wenn ich immer noch unsicher bin ob ich duzen oder Siezen oder was auch immer soll… scheint auch irgendwie egal zu sein).

Erst einmal: Das Du oder Sie ist mir persönlich egal. Und ja: wir haben uns im Vorfeld darüber unterhalten und gerade weil Nina Kahnwald doch gerade Jun.-Prof. geworden ist, lag das “Sie” nahe. Aber ich halte es oft nicht durch. Auch, weil ich einige SOOC13-TN  schon kenne. Asche auf mein Haupt.

Aber genau diese “Distanzlosigkeit” macht es auch, dass ich hier nachts noch drüber nachdenke, ob und was wir tun können, um die Erfahrungen der Teilnehmer zu verbessern, ohne auf das offene Konzept zu verzichten. Daher: Helft uns! Was macht den SOOC13 besser?

Was der erste Themenblock gebracht hat

Natürlich werkeln wir an den Baustellen herum. Aber es ist so viel toller Input zum SOOC13 gekommen: Die PLEs. Das conexperiment und dessen Reflexion – vor allem, warum es oft nicht geklappt hat. Außerdem gab es in Vorbereitung auf den zweiten Themenblock eine Blogparade, deren Rückmeldungen ich schlichtweg überwältigend fand.

“[…] Nur bemerke ich gerade, dass die Beschäftigung trotz des Zeitaufwandes eine große Bereicherung für mich ist. […] ich kann nur sagen, dass ich in vielen Kursen in denen ich länger sitze, als ich mich mit meinem Blog beschäftige, weniger Wissens- und Erfahrungszuwachs mitnehme als hier. Ich versuche durch meine strengen Zeitvorgaben meine eigenen Leerzeiten einzubauen und mit dem Druck, den ich übrigens auch in mir spüre umzugehen. Ich finde genau dieses Gefühl gerade als sehr spannend und beobachte meine eigenen Entwicklungen.” (Quelle)

Warum ich blogge

Ich habe überlegt, ob ich auch selbst an der Blogparade teilnehmen soll. Aber schickt sich das als Gastgeber (mal abgesehen, dass ich keine Zeit habe… nein, falsch,ich setze derzeit andere Prioritäten, vor allem für den SOOC13)? Letztendlich blogge ich genau aus diesen Gründen hier (ist quasi ein Action-SelfResearch-Beitrag): Ich will mir etwas von der Seele schreiben und ev. sogar Feedback bekommen. Dafür nehme ich mir (im Gegensatz zu Twitter u.ä.) etwas länger Zeit. Ich halte hier einen Monolog “damit die Welt es weiß”. Und damit ich es wiederfinden kann (wie bspw. den Beitrag zu OER in Sachsen). Ab und zu kündige ich in Blogposts auch etwas an und nutze das rein als Push-Medium.

Mein Problem ist eher: Was blogge ich wo? Bin ich gerade SOOC13-Gastgeberin oder kritische Social Media Nutzerin, geht es um Lehrexperimente, meinen Verein oder ist das nur eine subjektive Aussage von mir selbst?

Vermutlich liest diesen Beitrag keiner komplett (er ist ja auch sehr lang geworden). Aber mir geht es jetzt besser 🙂

Leseempfehlung

Durch die Blogparade bin ich verstärkt auf den Seiten von Jean-Pol Marting unterwegs. Er formuliert die Informationsverarbeitung nicht etwa als etwas Schlechtes (Stichwort “Information Overload”), sondern als ein Grundbedürfnis: http://jeanpol.wordpress.com/2009/12/31/informationsverarbeitung-als-grundbedurfnis/ Ich bin beruhigt.

Erste Experimente mit Sketchnotes

Die Vorgeschichte

Als Medieninformatiker bestand ein Teil meines Studiums aus (Medien-)Gestaltung. Bei Professor Groh wurde ich zum Typonerd  (na gut, bissl Veranlagung und LaTeX ist auch dran schuld) und kann mit etwas Basiswissen Logos und Corprate Designs auseinandernehmen (und ich rate jedem, der die Möglichkeit hat, bei ihm mal eine Vorlesung zu besuchen). So ein bisschen hat sich das erhalten: Gut gemachte Infografiken finde ich super (wobei sich hier immer mehr auch “Stümper” breit machen, sei es in der Gestaltung, vor allem aber bei den Daten), ich liebe Webcomics (Linktipps) und lasse mich gern von einfachen aber wirksamen Visualisierungen begeistern (die man nicht zuletzt bei den Sachgeschichten der “Sendung mit der Maus” oder “Wissen macht Ah!” findet). Bei verschiedenen Workshops, wie L3T’s Work, unserem HDS-Kurs zur Hochschuldidaktik oder Beispiele von Oliver Tacke war mir aufgefallen, dass kleine Sketches scheinbar wieder “in” werden (vielleicht waren sie es auch schon immer, aber selektive Aufmerksamkeit und so). Man könnte nun kühn schlussfolgern, dass der Handmade-Trend (Stichwort Dawanda, ich nehme keine Haftung für Kaufräusche) auch in den (Präsentations-)Medien (wieder) angekommen sei: Sandra und Martin schreiben Vortragsfolien auch mal per Hand/Sylus, Erklärungen von CommonCraft sammeln fleißig Clicks und The RSA animate visualisiert Vorträge so, dass mir der Mund offen stehen bleibt.

Aber das sind ja Profis. Künstler. Sowas kann doch ich nicht.

Für das HDS-Modul hatte ich zwar bereits einen ersten Versuch zum Malen auf dem Tablet PC gemacht (gewünscht war eine Fachlandkarte, ich wählte eine Vorlesung zu E-Learning als E-Business (die Akzeptanz digitaler Aufgabenlösungen war aber ein wenig… mangelhaft):

 

Digitale Fachlandkarten haben übrigens so ihre Probleme…

Digitale Fachlandkarten haben so ihre Probleme

… aber das ist ja echt amateurhaft, das kann man doch keinem zeigen und so.

Letzendlich war es aber ein Tweet von Ralf Appelt, der mich darauf gebracht hat, das doch einfach noch einmal selbst zu versuchen.

Ralf ist Pädagoge, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg und war bisher auf jedem Educamp, auf dem ich auch war, also auf dem echb11 und dem ecco12. Auf letzterem hat seine Gruppe und er beim EduHack einen ganz tollen Film auf dem iPad produziert und es ist einfach nicht weg zu diskutieren, dass er zeichnerisch irre viel Übung hat und mir damit schon ein wenig voraus ist. Nach dem oben genannten Tweet hab ich dann doch mal nachgefragt:

Und siehe da, es gibt da eine Strömung zum Skech-Noting zu geben, d.h. dem schnellen Notieren in einer stark visuellen Form. Ralf sammelt dazu Ressourcen und Beispiele unter sketchnotes.de.

Erste Gehversucht im Sketchnoting

Da ich eine kleine Guerilla-Werbeaktion während des #WEL12 plane, um noch ein paar Teilnehmer für meine Umfrage für das CELePro-Projekt zu gewinnen, fand ich das einen guten Ansatz, für den Flyer das Sketching ein wenig auszuprobieren. Dabei habe ich festgestellt, dass das keine triviale Aufgabe ist, die ich mir da gestellt habe. Einen ersten Versuche habe ich zum Freitag Feierabend mit Evernote Skitch gestartet:

Ich fand das Tool nicht schlecht, war aber von der geringen Auflösung, in der das Bild gespeichert wurde, enttäuscht. Nach ein paar Versuchen kommt man aber relativ schnell auf die Anfoderungen, die das Sketch-noting so mit sich bringt. Aber erst einmal zur Technik…

Technische Ausstattung

Ich hatte sowohl mit meinem Asus IEEE Transformer TF101 plus Eingabestift, als auch mit dem Lenovo Thinkpad Tablet-PC (ich glaube es ist ein X220er, bin mir aber nicht sicher) meines Lehrstuhls testen können. Der Lenovo hat den Vorteil, dass man die Hand auflegen kann, während man mit dem Stylus zeichnet. Perspektivisch werde ich aber das Tablet öfter dabei haben,daher strebe ich eher eine Alltagslösung für dieses an.

Software-Anwendungen und Mobile Apps

Nach ein paar Versuchen haben sich doch recht schnell die Anforderungen an Anwendungen zum Sketch-Noting ergeben:

  • Man sollte relativ einfach einen klaren Strich zeichnen können. Hierbei hilft es, wenn das Programm die Linien selbst schon etwas glättet.
  • Zur Hervorhebung und Illustrations, sollte es außerdem eine halbtransparente Zeichenmöglichkeit geben.
  • Verschiedene Stiftstärken und Farben sind auch Basics für eine akzeptable Anwendung.
  • Ein “unendliches Blatt”, d.h. wenig oder keine Einschränkungen bei der Skalierung, macht es zudem leicht, wenn man nicht gleich zu Anfang weiß, wie groß die Zeichnung mal werden soll.
  • Es ist außedem ganz nett, wenn man einmal gezeichnete Elemente im Nachhinnein noch transformieren (verschieben, skalieren, drehen etc.) kann.
  • Ein Knackpunkt ist das Speicherformat: Wenn man hinterher mit den Grafiken noch etwas machen will, sollte die Anwendung entweder hochaufgelöst in Pixelgrafik-Formaten oder idealerweise als Vektorgrafik speichern können. Workarounds durch Screenshots können ebenfalls eine Lösung sein.
  • Achja, und weil ich zum Testen am Wochenende kein Budget vorgesehen hatte, wollte ich gern kostenfrei bleiben, was aber nicht ausschließt, dass ich für DAS perfekte Programm auch was zahlen würde.

Ich habe bisher leider keine Anwendung gefunden, die alle Anforderungen entspricht, aber einige, die ganz gut zu sein scheinen. Zunächst für den Lenovo Tablet-PC, also unter Windows 7:

  • Windows Journal: Ausgehend von dem Flipped-Classrooom Video von Jörn Loviscach hatte ich im Gedächtnis, dass man damit mittels Stylus ganz gut zeichnen kann (die Anforderungen der Videoaufzeichnung unterscheiden sich aber doch). Kann man auch. Eigentlich erfüllt das Programm recht viele Anforderungen, leider speichert es nur in einem proprietären Format (das exportierte TIFF-Bild hat etwa die Qualität eines Faxes und ist nicht zu gebrauchen). Außerdem ist es mir gegen Ende recht oft abgestürzt.
  • PowerPoint: …ist ja in der 2010er Version wesentlich besser geworden und auch für die Sketches nicht schlecht. Nur ist das Format von Vorn herein fest, eine nachträgliche Änderung verzerrt das Bild. Ich habe nicht so lange damit herumgespielt, aber schlecht scheint es generell nicht zu sein.
  • Andere einfach, aber gut Zeichenprogramme wie MyPaint: Letzteres habe ich auf der Suche nach einer kostenfreien Alternative zu ArtRage gefunden, das es leider nicht mehr kostenfrei gibt. Einziger Nachteil bisher: Man kann nur einzelne Schritte rückgängig machen, nicht aber Elemente nachträglich transformieren. Es ist eben wie beim analogen Zeichnen.

Außerdem habe ich das Asus Tablet strapaziert, das mit Android ice Cream Sandwich (4.0.3) läuft:

  • Erstes Testobjekt weil schon bekannt war Evernote Skitch, das sich kinderleicht bedienen lässt (schon getestet von einer Fünfjährigen): Ärgerlich war nach dem ersten Test die schlechte Auflösung. Hierfür sollte man zu Beginn des Sketches etwas herauszoomen um schon recht groß zu beginngen, dann sieht auch das Ergebnis ganz gut aus (muss man eben nur wissen. Die feste Platte schränkt die Farbauswahl etwas ein, was ein paar Abzüge in der B-Note bringt.
  • SketchBook Express: Auch schon etwas länger auf dem Tablet (“falls man mal was malen oder Kinder beschäftigen will”) gefiel es mir in ganz gut. Ralf meinte, er habe seine Sketches mit der entsprehchenden Pro-Version für das iPad erstellt. Die App glättet nicht, was nach etwas Übung vielleicht auch nicht mehr relevant ist. Außerdem kann man wie bei MyPaint die einmal gezeichneten Elemente nicht bearbeiten.

Diese Listen sind eher Good als Bad Practices. Ich habe noch ein paar weitere Anwendungen getestet, aber wieder verworfen, wenn sie Kriterien gar nicht erfüllen wollten. Ich bin aber für jegliche Tipps dankbar.

Das erste Ergebnis

Mein erstes Sketch für den Flyer sieht nun so aus:

Die Erstellung lief nicht ideal und kann effizienter ablaufen, aber das Ergebnis kann ich für den Flyer verwenden (glaube ich, was meint Ihr?). Die Zeichnung hatteich am Lenovo-Tablet-PC in Windows Journal gemacht, auf meinen Rechner gezogen und dort in Windows Journal einen Screenshot gemacht. Dann hab ich es freigestellt und die Hilfslinien heraus retuschiert. Mithilfe von Corel habe ich es vektorisiert, noch ein paar Details gerade gerückt und die Schrift eingefügt (vorher hatte ich sie handschriftlich drin, aber die Vektorisierung lieferte hier absolut unakzeptable Ergebnisse).

Challenge accepted

Nach den Spielereien ist die eigentliche Herausforderung beim Sketch-Noting aber das Live-Mitmalen. Das muss ich noch üben und ich denke, der WEL12 wird hierfür eine gute Gelegenheit sein. Ich will da schon etwas dranbleiben, weil mit simplen Elementen da offenbar sehr schöne Ergebnisse erreicht werden können. Für weitere Hinweise auf “Better Practices” bin ich dankbar und bleibe weiterhin aufmerksam für gute Beispiele im Sketching.

Weißt Du noch oder kannst Du nur?

“Es war ein langer Fußweg zurück nach Bad Lamonisch an der Bibber, aber es war ein fröhlicher Fußweg. Freitag holte seine Lieblingsflöte heraus und spielte einen Marsch namens ‘Der Ameisenhäuptling’, während Björn Schneyder alle damit überraschte, dass er sie auf interessante Einzelheiten der Landschaft hinwies und sie im Fürbassschreiten in naturkundlichen Dingen unterrichtete. ‘Seht ihr das?’, sagte er und zeigte auf einen Felsen. ‘Das ist ein Felsen. Und diese farbenfrohen Dinger dort drüben? Man nennt sie Blumen.'”

Andy Stanton & David Tazzyman (2010): Mr Gum und der Mürbekeksmilliardär, Seite 163f. Wunderbar übersetzt von Harry Rowohlt.

Bei diesen Sätzen musste ich an die Tweets mit Christian Spannagel und meinen Gedanken zum anstehenden #opco11-Thema “Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung” denken: Immer wieder hört man von der Wichtigkeit von Soft Skills, und dass mehr Wert auf die Vermittlung von Kompetenzen statt Faktenwissen gelegt werden sollte. In einer Gesellschaft, in der man den Eindruck hat, es hätten mehr Menschen einen Google-Account als einen Bibliotheksausweis, ist der Zugang zu Fakten scheinbar nur eine Frage des richtigen Suchbegriffs. Die wahre Herausforderung liegt heute in allem, was Technologien (noch) nicht können: Fakten zu neuen Erkenntnissen zusammenführen, bewerten und für Andere verständlich aufbereiteten.

Bei der Learntec2010 habe ich einen sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Präsentationsform sehr guten Vortrag von Conrad Wolfram dazu gehört, Kinder sollten Mathematik lernen und nicht Rechnen (Online auf TED). Damals stimmte ich ihm voll und ganz zu und daran hat sich im Prinzip auch nicht viel geändert, bis auf…

In letzter Zeit (auch durch die Beschäftigung mit den Problemen, die durch das Social Web erst entstehen) frage ich mich aber zunehmend, ob uns das Zurückstellen dieser Kenntnisse nicht letztlich doch auf die Füße fällt und die Probleme genau darauf zurückzuführen sind, dass nötige Grundlagen vernachlässigt werden. “Die Jugend von heute kann ja überhaupt nicht mehr richtig Kopfrechnen.” – schon mal gehört oder selbst gedacht? Und wenn ja: Wie befriedigend ist das Argument, dass sie das nicht mehr bräuchten, sie hätten schließlich Computer und Taschenrechner?

Das schwierige daran scheint mir, dass diejenigen, die die Vermittlung von Kompetenzen vor Fakten betonen, diese selbst aber noch gelernt haben. Ich überlege, ob man die Hauptklassen kognitiver Lernziele nach Bloom, also Wissen, Bewertung, Verstehen, Anwendung, Analyse und Synthese (siehe auch hier), ähnlich der Bedurfnispyramide von Maslow sehen MUSS.

Dann nämlich wären die obere Stufen, wie Anwendung und Synthese, erst erreichbar, wenn die unteren Stufen, wie die Wissen und dessen Bewertung, bereits genommen wurden. Praktisch formuliert, kann man in einer Sprache diskutieren, wenn man keine Vokabeln kennt, aber die Grammatik?

Ich danke Christian dafür, dass er genau das zu einem der vielen Teilthemen seines #opco11-Festivals gemacht hat und werde von meiner kurzen Einlage als “Straßenmusikant” nun wieder an “die Bühnen” wechseln.