Frontal ist für alle einfacher… aber ist es auch besser?

Der erste Themenblock des SOOC13 ist vorbei und ich bin überwältigt von der Erfahrung aus Gastgebersicht – positiv wie kritisch. Der Trick, damit ich nachher mit dem Positiven schließen kann: ich fange mit den kritischen Aspekten an. Diese sind nicht immer “negativ” im Sinne von schlecht, aber sie sind kritisch und daher beschäftigen sie mich vermutlich sogar länger, als die begeisterten Beiträge, von denen auch ich begeistert bin und zehren kann.

tl;dr

Es folgen oft unbeantwortete Gedanken zu: Soll ich auf Beiträge immer reagieren (müssen)? Wann kann und muss ich mich heraushalten um andere Teilnehmer nicht zu hemmen? Warum mache ich das hier? Wie kann der SOOC13 besser werden?

MOOCs in der Hochschullehre

Etwa zu dem Zeitpunkt als wir wussten, dass der SOOC13 im Rahmen eines LiT-Projekts vom HDS gefördert werden wird, startete der MMC13, der MOOC Maker Course, also ein MOOC darüber, wie man einen MOOC gastgibt. Es hätte keinen idealeren Zeitpunkt geben können (danke noch einmal an Monika König, Dörte Giebel und Heinz Wittenbrink). Wie in einem MOOC üblich habe ich mal mehr, mal weniger teilgenommen, aber stets versucht, die aktuellen Diskussionen zu verfolgen. Die “Überforderung” kannte ich schon aus dem OPCO11, damit wusste ich, wie man ohne schlechtes Gewissen die Twitter-Timeline schnell nach oben scrollt. Nun aber bin ich selbst “MOOC Maker”…

[tweet https://twitter.com/anjalorenz/status/337786324130074624]

Ich werde die Veröffentlichung dieses Posts irgendwann auf den Sonntag legen, damit ich das letzte Wort habe 😉 Dennoch möchte ich nicht verheimlichen: Es ist jetzt kurz nach 1 Uhr nachts an einem Freitag Abend, ich habe am Sonntag eine Deadline für ein Poster, ich habe ein (sehr intensives und zufriedenstellendes) Privatleben und mich lässt der SOOC13 jetzt trotzdem nicht los. Insbesondere, weil die Teilnehmer nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der Meta-Ebene über MOOCs schreiben. Hier ein paar Beispiele herausgegriffen:

  1. Über MOOCs und Motivation von secalcesal
  2. Die letzten Beiträge der SOOC13 Labrats (1,2,3) (toller Name für einen Blog und sehr cool, dass sich hier gleich zwei Teilnehmer im Blog zusammengeschlossen haben)

Studenten als spezielle Zielgruppe

Seit dem ich diese Posts gelesen habe, überlege ich, ob ich darauf antworten soll und vielleicht sogar müsste. Oder aber: ist es etwa kontraproduktiv, denn ich könnte wertvolle Kommentare anderer Teilnehmer hemmen, wenn ich hier antworte, immerhin gelte ich als Gastgeber. Auch die MMC13-Crew hatte dieses Phänomen erlebt. Aber wir haben im SOOC13 noch eine zusätzliche Komponente: Wir haben Studierende, die ggf. CPs erhalten wollen. Wenn ich als 0815-Teilnehmer in einem MOOC keine Zeit habe (wie aktuell leider beim COER13), dann lasse ich es einfach wieder. Keine Konsequenzen. Aber für Studierende gibt es da noch ein paar andere Motivatoren: Wenn sie abbrechen, bekommen sie die CPs nicht und dann war das Semester in diesem Modul vielleicht “verschenkt”. Daher ist es durchaus möglich, dass Studenten sich pragmatisch für den SOOC13 entschieden haben – für den Schein eben (kritisiert und diskutiert hier).

Ganz ehrlich, ich selbst war doch teilweise auch so. Ich habe damals folgendermaßen mein Hauptseminar ausgewählt: in meiner Stundenplanung war der Mittwoch noch frei. Und es gibt ja wohl kaum etwas blöderes. Montag frei, Freitag frei, das mag alles sehr angenehm sein, aber Mittwoch? Als einzige infrage kommende Lehrveranstaltung gab es ein Hauptseminar “Aktuelle Forschungsfelder im eLearning”. Ich hatte zwar noch kein Proseminar gemacht, aber was soll’s. Ältere Studenten sagten mir, dass das kein großer Unterschied ist, die Betreuer haben mir empfohlen zu überlegen, ob ich schon so weit wäre. Und das Ergebnis? Ich fand es spannend, habe bei der gleichen Betreuerin meinen Großen Beleg und meine Diplomarbeit geschrieben und letztere später veröffentlicht (IADIS eSociety in Porto, ITSE). Ein glücklicher Zufall? Vielleicht und wahrscheinlich. Fazit: Ich kann die stundenplangetriebene Auswahl von Lehrveranstaltungen durchaus verstehen.

Ich kann auch verstehen, wenn es nicht so läuft und man das Thema auch mal “absitzt”. Wie secalcesal schreibt: Man kann kein Interesse verlangen. Man kann es versuchen zu wecken, aber es wird ggf. nicht alle mitnehmen. Und die Personen, die “nur den Schein” wollen, sollen das auch durchaus dürfen, ebenso wie in einer “normalen” Uni-Veranstaltung. Hier spare ich mir die Frage, warum der Kurs belegt wird oft: Er steht im Stundenplan, eine Anrechnung vielleicht anderer interessanterer Kurse macht Arbeit, also sind die Studenten da. Da habe ich auch die komplette Bandbreite vor mir. Und das merke ich auch.

Hochschullehrende als spezielle Gastgeber

Ich habe einige Weiterbildungen im hochschuldidaktischen Bereich besucht und auch der SOOC13 ist für mich eine selbstorganisierte Weiterbildung (die ich mir übrigens im Modul 3 des HDS-Zertifikatprogramms anrechnen lassen will). Warum mache ich das? Wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich vor Studenten zu stellen, dann kann ich das auch so machen, dass es wenigsten mir ein wenig Spaß macht, im Idealfall sogar den Studenten. Im Modul 1 des HDS-Zertifikatsprogramms sagte eine Teilnehmerin:

“Frontalunterricht ist für alle leichter.”

Und recht hat sie: Ich kann meinen Monolog halten, alle schreiben die wichtigsten Sachen mit. Wenn ich nett bin, sage ich auch, was in der Prüfung wahrscheinlich drankommen könnte. Die Studenten haben dann einen sehr detaillierten Katalog möglicher Prüfungsfragen. Wenn ich auch nur diese nehme dann werden vermutlich alle Studenten gut abschneiden.

Classroom, ca. 1901 von City of Boston Archives (CC-BY)

Das “Problem” ist: Um Monologe zu halten, brauche ich keine Studenten vor mir. Die kann ich hier im Blog festhalten. Oder als Video aufnehmen. Oder Audioboo. Ich kenne diese Medien doch. Ich will aber: Interaktion, Feedback, neue Ideen, Meinungen, Diskussionen motivieren. Hoschulabsolventen sollen sich doch auch Meinungen selbst bilden und diese artikulieren und diskutieren können. Vielleicht will jemand selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter werden und muss dann Lehre übernehmen. Dann sollte er vielleicht auch andere Methoden kennen als Frontalunterricht, oder?

Daher ist der MOOC für mich auch so ein einnehmendes Erlebnis, hier habe ich das alles in ausgiebiger Form. Aber wie auch in anderen Lehrveranstaltungen gilt: Ich mache mir keine Illusion, dass alle mitmachen. Es werden auch einige aussteigen oder vielleicht schon ausgestiegen sein. Ich will gern denjenigen helfen, die es schwer haben, aber wenn jemand feststellt, dass der SOOC13 nicht zu ihm passt, dann finde ich es auch ok, wenn er aussteigt oder nur das Nötigste zum “Bestehen” macht.

Und nur zur Transparenzschaffung: Die Förderung des HDS bezahlt “lediglich” unsere WHKs. Darüber freuen wir uns sehr. Aber das heißt auch, dass der SOOC13 eher ein “Freizeitprojekt” von uns ist, denn wir sind auch in anderen Projekten und Stellen eingebunden. Also warum tun wir das? Weil MOOCs schlichtweg gerade DAS Thema sind und auch wir es nur erleben können, wenn wir es selbst ausprobieren. Alle reden über die Einbindung in die Hochschulen: wir tun es.

Interaktivität als Problem?

Und nun lese ich diese ersten Auseinandersetzungen mit dem Format. Zunächst einmal: Ich finde das gut. Diese Kritiken zeigen die aktive Auseinandersetzung. Die Autoren sind keineswegs “faule Nörgler”, sondern kritische Teilnehmer, die nicht einfach nur machen wollen, was die CP-Anforderungen verlangen, sondern das Format beschäftigt sie. Und das tw. mehr, als sie das erwartet haben und selbst wollen.

“Aus besagtem Le[hrer]professionalitätskurs gehe ich raus, schließe die Kurstür hinter mir und habe dann die Möglichkeit, die Gedanken daran zu beenden. […] Die Leistung, auf die es nun mal ankommt (vgl. sooclis Beitrag oder die Diskussion hier), wird hauptsächlich in dem Seminar selbst abgeleistet oder in einer Klausur zu einem festgelegten Zeitpunkt oder in einer Ausarbeitung (die auch wiederum in sich selbst begrenzt ist). Die Kurse sind begrenzt und die Möglichkeit der Auseinandersetzung ist es auch.

Sooc: Der Sooc hat keine Grenzen und auch die für den Schein benötigte Leistungsanforderung ist nicht wirklich klar (mir zumindest). Durch Twitter und den eigenen Blog ist man ständig in irgendeiner Art und Weise verbunden. […] Es stellt sich eine schwache Art der mentalen Abhängigkeit ein, die mir absolut nicht gefällt. ” (Quelle)

Ein wenig freut es mich ja, dass wir die Teilnehmer mental bei der Stange halten können, ich befürchte aber, dass das polemisch klingt und das soll es nicht. Wir haben es als Lehrende geschafft, dass Ihr über die Kursinhalte nachdenkt und das auch außerhalb des Kurses? Yeah!

Aber ich kann verstehen, was das Problem ist: Es dringt in Bereich, die bisher vom Hochschulalltag ausgeschlossen waren. Aber was war noch einmal Ziel des Kurses?

“Soziale Medien, wie Facebook, Twitter, Skype oder Google+, gehören heute zum Alltag vieler Studierender. Dabei ist nur den Wenigsten wirklich bewusst, dass diese nicht nur unterhaltenden Charakter haben, sondern ein ganz neues Potenzial entfalten, wenn Sie gezielt zur Unterstützung von Lernprozessen genutzt werden.” (Quelle)

Dieser Text war einer der ersten, der auf den Kursseiten veröffentlich wurde. Wir wollten genau das im SOOC13 diskutieren. Auch deshalb haben wir für den dritten Themenblock die Konsequenzen des Lernens im Netz aufgenommen: Das alles ist nicht einfach. Es ist nicht so leicht wie Frontalunterricht. Und NIEMAND hat bisher dafür eine Lösung gefunden, die dennoch allen Ansprüchen genügt. Wir bieten die Chance, sich mit unserer Unterstützung im Social Web auszuprobieren und die Möglichkeiten aber auch Gefahren für sich zu entdecken. Ob man diese Möglichkeiten dann weiterhin nutzt, das liegt bei jedem selbst. Aber auch wenn sich die Teilnehmer gegen die ein oder andere Komponente entscheiden, dann können sie diese Entscheidung (hoffentlich) durchaus begründen. Es ist eine Entscheidung, die nach einer aktiven Auseinandersetzung getroffen wurde und nicht aus Angst oder Desinteresse.

Nur lesen, nicht kommentieren?

Aber soll ich nun etwas in den Kommentaren hinterlassen? Als Teilnehmer hätte ich es bestimmt. Aber ich bin auch Gastgeber. Sobald von mir dort irgendetwas steht, werden andere vielleicht gehemmt, hier auch Kommentare zu verfassen. Aber wenn ich keinen Kommentar hinterlasse, denken die Teilnehmer vielleicht, es wäre mir egal oder ich hätte den Kommentar nicht gesehen. Wie die Labrats richtig erkannt haben:

Anja Lorenz und Co. nehmen diese Distanzlosigkeit ja  bewusst in Kauf bzw. haben sich von vornherein (so scheint es) darauf eingestellt. Das ist ok und hier auch ganz praktisch (auch wenn ich immer noch unsicher bin ob ich duzen oder Siezen oder was auch immer soll… scheint auch irgendwie egal zu sein).

Erst einmal: Das Du oder Sie ist mir persönlich egal. Und ja: wir haben uns im Vorfeld darüber unterhalten und gerade weil Nina Kahnwald doch gerade Jun.-Prof. geworden ist, lag das “Sie” nahe. Aber ich halte es oft nicht durch. Auch, weil ich einige SOOC13-TN  schon kenne. Asche auf mein Haupt.

Aber genau diese “Distanzlosigkeit” macht es auch, dass ich hier nachts noch drüber nachdenke, ob und was wir tun können, um die Erfahrungen der Teilnehmer zu verbessern, ohne auf das offene Konzept zu verzichten. Daher: Helft uns! Was macht den SOOC13 besser?

Was der erste Themenblock gebracht hat

Natürlich werkeln wir an den Baustellen herum. Aber es ist so viel toller Input zum SOOC13 gekommen: Die PLEs. Das conexperiment und dessen Reflexion – vor allem, warum es oft nicht geklappt hat. Außerdem gab es in Vorbereitung auf den zweiten Themenblock eine Blogparade, deren Rückmeldungen ich schlichtweg überwältigend fand.

“[…] Nur bemerke ich gerade, dass die Beschäftigung trotz des Zeitaufwandes eine große Bereicherung für mich ist. […] ich kann nur sagen, dass ich in vielen Kursen in denen ich länger sitze, als ich mich mit meinem Blog beschäftige, weniger Wissens- und Erfahrungszuwachs mitnehme als hier. Ich versuche durch meine strengen Zeitvorgaben meine eigenen Leerzeiten einzubauen und mit dem Druck, den ich übrigens auch in mir spüre umzugehen. Ich finde genau dieses Gefühl gerade als sehr spannend und beobachte meine eigenen Entwicklungen.” (Quelle)

Warum ich blogge

Ich habe überlegt, ob ich auch selbst an der Blogparade teilnehmen soll. Aber schickt sich das als Gastgeber (mal abgesehen, dass ich keine Zeit habe… nein, falsch,ich setze derzeit andere Prioritäten, vor allem für den SOOC13)? Letztendlich blogge ich genau aus diesen Gründen hier (ist quasi ein Action-SelfResearch-Beitrag): Ich will mir etwas von der Seele schreiben und ev. sogar Feedback bekommen. Dafür nehme ich mir (im Gegensatz zu Twitter u.ä.) etwas länger Zeit. Ich halte hier einen Monolog “damit die Welt es weiß”. Und damit ich es wiederfinden kann (wie bspw. den Beitrag zu OER in Sachsen). Ab und zu kündige ich in Blogposts auch etwas an und nutze das rein als Push-Medium.

Mein Problem ist eher: Was blogge ich wo? Bin ich gerade SOOC13-Gastgeberin oder kritische Social Media Nutzerin, geht es um Lehrexperimente, meinen Verein oder ist das nur eine subjektive Aussage von mir selbst?

Vermutlich liest diesen Beitrag keiner komplett (er ist ja auch sehr lang geworden). Aber mir geht es jetzt besser 🙂

Leseempfehlung

Durch die Blogparade bin ich verstärkt auf den Seiten von Jean-Pol Marting unterwegs. Er formuliert die Informationsverarbeitung nicht etwa als etwas Schlechtes (Stichwort “Information Overload”), sondern als ein Grundbedürfnis: http://jeanpol.wordpress.com/2009/12/31/informationsverarbeitung-als-grundbedurfnis/ Ich bin beruhigt.

Die Followerpower funktioniert doch!

Yippie, es hat geklappt! Mein Glaube an die Followerpower ist wieder hergestellt!

Im SOOC13 hatten wir die Teilnehmer zu einem Experiment animiert (http://www.sooc13.de/programm/themenblock-i/):

  1. Gehen Sie auf http://de.wikipedia.org/wiki/W… und klicken Sie links unter dem Logo auf zufälliger Artikel. Welcher Artikel erscheint? Kennen Sie jemanden, der sich damit auskennt? Versuchen Sie über einen Tweet, jemanden zu finden, der sich damit auskennt, bspw. “Kennt sich jemand aus mit BEGRIFF #sooc13 #conexperiment #followerpower“. Notieren Sie die Antwort im Etherpad.
  2. Obwohl ich immer noch denke, dass es eine gute Idee war, lief das Experiment nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte…
  3. Gründe dafür wurden sogar in den Blogbeiträgen der Teilnehmer gesucht…
  4. Heute, am Pfingsmontagabend, wollte ich einen neuen Versuch starten UND DER HAT SOGAR GEKLAPPT!!!
  5. Ich gebe das #conexperiment nicht auf: War schon mal jemand in #Merten (#Bornheim)? #followerpower ow.ly/ldGfy #sooc13
  6. @anjalorenz Leider nur in Frankfurt-Bornheim. 😦 de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt… #followerpower #sooc13
  7. @mons7 danke, das ist aber schon einmal ein Anfang 🙂
  8. @anjalorenz In Bornheim, liegt zwischen Köln und Brühl. Im Umland wird viel Gemüse, vornehmlich Kohl, angebaut 🙂
  9. @anjalorenz ja. melde schon mal fort gewesen zu sein. liegt vor der bonner haustuer
  10. @anjalorenz sorry. nicht ‘fort’ sondern ‘dort’ in b-merten. h. boell hat fort gelebt
  11. @e_trude @anjalorenz hallo ellen. merten liegt zwischen bruehl und bonn. das ist damit weiter suedlich. ok. bin pingelig.
  12. @ralfh @anjalorenz Kommt drauf an, von wo man kommt 🙂 Also auf meiner Fahrtstrecke von Köln Richtung Euskirchen einfach nur nach links
  13. @e_trude @anjalorenz von bonn aus einfach nur nach oben. da wo es spargel obst und erdbeeren gibt ist man ungefaehr richtig.
  14. @ralfh @anjalorenz Genau, und damit aus allen Richtungen richtig, also nicht zu verfehlen.

Besonderen Dank an Ellen und Ralf. Ohne weiter recherchiert zu haben, weiß ich jetzt also: in Merten wird viel Kohl Spargel, Erdbeeren, also generell viel Obst/Gemüse angebaut, es liegt zwischen Bonn und Brühl, aber auch Richtung Köln 😉

Hey #followerpower, was ist los mit Dir?

Liebe #followerpower,

Du warst oft sehr nett zu mir. Du hilfst mir, wenn ich nicht weiß, wo ich suchen soll. Du zeigst mir, dass die Welt nicht schlecht ist und es Menschen da draußen gibt, die mir helfen, obwohl ich  sie nicht kenne. Du bist es, weshalb ich die Idee des Konnektivismus verstehe – zumindest dachte ich das. Ich habe an Dich geglaubt und für den SOOC13 ein Experiment erdacht, dass den Teilnehmern zeigen sollte, wie toll Du bist. Aber Du warst nicht da. Aber ich habe es wohl einfach übertrieben. Und ich habe die Ausmaße von Wikipedia unterschätzt.

tl;dr

Einfach auf Twitter nach der Followerpower rufen scheint wenig erfolgreich zu sein. Und dabei hatte ich mir das als ein so tolles Experiment vorgestellt 😦

Das Experiment

Im SOOC13 widmet sich der erste Themenblock den Grundlagen zum Lernen 2.0. Ganz vorn mit dabei ist natürlich die Idee des Konnektivismus und der damit verbundenen Netzwerke, die in Zukunft immer wichtiger sein sollen. Ich fand die Idee gut, dass die Teilnehmer dieses Netzwerkwissen selbst erleben sollten und so ist mir (zu später Stunde) folgendes Experiment eingefallen:

Gehen Sie auf http://de.wikipedia.org/wiki/W… und klicken Sie links unter dem Logo auf zufälliger Artikel. Welcher Artikel erscheint? Kennen Sie jemanden, der sich damit auskennt? Versuchen Sie über einen Tweet, jemanden zu finden, der sich damit auskennt, bspw. “Kennt sich jemand aus mit BEGRIFF #sooc13 #conexperiment #followerpower“. Notieren Sie die Antwort im Etherpad.

Ich fand die Aufgabe gut, das SOOC-Team fand die Aufgabe gut. Ihr dürft alle auch gern mitmachen. Aber was wurde draus?

Followerpower kaputt?

Es ist ja die erste Woche und ich habe mich riesig gefreut, dass sich überhaupt jemand an die Aufgabe gewagt hat, zumal vielen der Umgang mit Twitter auch neu ist und es ihnen gewiss nicht leicht gefallen ist. Aber was zum T… hat sich Wikipedia denn bei diesen Themen als Zufallsartikel gedacht? Die ersten Berichte zum Experiment führten zu folgenden Themen:

  • Die Geschichte Osttimors (zum Tweet): Es gab 1 RT (von mir, man will ja Starthilfe leisten), und es gab eine (mehr oder weniger zufriedenstellende) Antwort: @sunsurfer428 wusste, dass es der erste Staat war, der im 21. Jhd. unabhängig geworden war.
  • Josephines Mondschnecken (zum Tweet): Ein RT von mir, der wiederum 2mal retweetet wurde (einmal davon von Nina, einer anderen SOOC-Gastgeberin). Keine Antwort.
  • Río Mizque (zum Tweet): Den hatte ich selbst über Wikipedia ermittelt. Ich hatte sogar die Fragestellung etwas verändert. Keine Reaktion.
  • Jugger (zum Tweet): Ich habe Retweetet, keine Antwort. Es gibt auch einen Blogartikel dazu.
  • Gönpawa Wangchug Gyeltshen: Bei diesem Begriff kam es gar nicht erst zu einem Tweet. Dr. Carsten Weiß hat stattdessen über seine Aktivitäten gebloggt, die ihn schließlich zum Abbruch des Experments gebracht hatten.

Was ist da schief gelaufen? Ist etwas schief gelaufen?

zum Bild

FAIL stamp by Hans Gerwitz (CC-BY-SA)

Erst einmal: ich hätte vielleicht wirklich ein paar mal ernsthaft auf den “Zufälliger Artikel”-Link klicken sollen. Hätte ich die oben stehenden Begriffe erwischt, hätte ich auch gleich gedacht: na das wird nix. Und dennoch scheint es einige Faktoren zu geben, die das Gelingen dieser Aufrufe begünstigen oder hemmen. ACHTUNG: nachfolgende Punkte entstammen rein subjektiven Eindrücken, den ersten Resümees der Teilnehmer oder argumentativ nachvollziehbaren Schlussfolgerungen und sind nicht empirisch belegt (es wäre interessant zu sehen, ob sie belegbar wären… kann da jemand mal einen Artikel dazu schreiben? #followerpower):

  • Man braucht Follower. Wenn keiner zum Krieg geht, wenn man in den Wald hineinruft, dann fällt auch kein Baum um. Oder so ähnlich… Ohne das Netzwerk kann es keine konnektivistischen Effekte geben, ganz klar. deshalb habe ich die Tweets auch oft retweetet, auch wenn es bisher nicht wirklich viel gebracht hat.
  • Man braucht die richtigen Hashtags. Neben der Followerpower, die den Lesern gleich klar macht, dass man Hilfe braucht, sind das themenspezifische Hashtags, die man aber oft auch nicht kennt. So hätte es bei Jugger vielleicht einen Hashtag zum Landesverand gegeben oder so.
  • Man braucht die richtige Zeit. Ich selbst habe das Gefühl, dass ich morgens, kurz nach dem Mittagessen und abends die meisten Rückmeldungen auf Twitter erhalte. Es ist auch logisch: morgens fährt man zur Arbeit und hat nebenbei Zeit zum Tweets lesen. Oder man macht das zum Frühstück, beim Zähneputzen, noch im Bett… Nach dem Mittagessen braucht man auch etwas Zeit zum Warmlaufen und nach dem Feierabend ist dann auch wieder Zeit.
  • Man braucht auch etwas Glück. Wir folgen Menschen, die in irgend einer Art und weise für uns interessant sind. Wenn man nun aber ein ganz anderes Thema einstreut und dann feststellt, dass das die eigenen Follower auch interessiert, sagt man immer, dass die Welt doch sehr klein ist. Und was für ein Zufall und so. Und so ist es auch.

Meinungen der Teilnehmer

Auf dem Blogs der Teilnehmer kann man folgendes Lesen (wertungsfrei zitiert):

von Kevpa (Jugger):

Ergebnis: Leider hat es bis jetzt nichts gebracht und es wäre bei einer Frage, die schnell beantwortet werden muss sehr fatal darauf zu warten. Jedoch bin ich offen für Neues und finde diese Art der Informationsbeschaffung auch nützlich. Vielleicht bräuchte ich auch einige Follower, die dann meinen Tweet sehen.

Jedenfalls bin ich weiter gespannt, was und wie sich hier “unser” Experiment entwickelt!

von nils_von@sooc13 (die Geschichte Osttimors):

Mein Resümee ist also: Wenn ich etwas über ein bestimmtes Thema wissen möchte, dann helfen mir die sogenannten “sozialen Medien” nicht viel weiter, sondern schaue in den bekannten Quellen nach, oder suche in der Fachliteratur.

Aber was war den auch passiert?

Man könnte jetzt sagen, ich rede es mir schön, aber wenn man sich die zugehörigen Blogposts mal anschaut, so hat sich jeder dieser ersten Reflexionen gezeigt, dass sich die Teilnehmer selbst doch sehr mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Der Blogartikel von Dr. Weiß zum Artikel “Gönpawa Wangchug Gyeltshen” hatte das auf beeindruckende Weise gezeigt: Über den Wikipedia-Artikel hatte er in der Versionsgeschichte herausgefunden, wer diesen Artikel mit verfasst hatte. Einen Hauptautor hatte er sogar auf Twitter gefunden, dann aber (verständlicherweise) nicht angeschrieben, da die Tweets zu alt und sein Interesse ja nur am Rande echt war. Er hatte Publikationen auf Amazon gefunden und herausbekommen, dass die Meinung um diesen tibetanischen Geistlichen auf Wikipedia wohl stark auseinander gingen. Auch ein zweiter relevanter Experte schien aufgrund seiner Abneigung gegen den Wikipedia-Eintrag kein sehr guter Ansprechpartner für das Problem zu sein… und das alles in 20 Minuten, wie Dr. Weiß schreibt.

Ist das nichts? Mich beeindruckt das schon, auch wenn es mit dem ursprünglichen Ansatz nur wenig zu tun hat. Ich glaube, ich versuche da mal anzusetzen. Vielleicht versuche ich noch das ein oder andere mal das Experiment mit einem anderen Beitrag fortzusetzen. Ich glaube an Dich, Followerpower 😉

Und dann auch noch das…

Nachdem mein erster Aufruf nicht sehr erfolgreich geraten war, machte ich einen zweiten Versuch, bei dem mir der Mund offen stehen blieb:

[tweet https://twitter.com/anjalorenz/status/334791003926048769]

Vielleicht habt Ihr Lust, Euch auch einmal in dem Experiment zu versuchen. Oder Ihr habt Vorschläge, das von vorn herein zu verbessern. Dann gern her damit!