Give them tools, their mind will follow! oder Warum ich bei OER an den Remix glaube

Mein Kollege Andreas Wittke hat einen sehr guten und daher zurecht gelobten Blogartikel zur OER-Strategie der Fachhochschule Lübeck geschrieben. Den kann man sich ruhig mal durchlesen (wenigstens bis zur Zusammenfassung), widersprechen muss ich ihm aber bei folgender Aussage:

“[…] Das Märchen vom Remix

Ich sage es einfach mal ganz simpel: Es gibt keine Remix-Kultur. Alle Remixes, die es da draussen gibt, sind kleine Ausnahmen, die sehr gerne bei Vorträgen einmal erwähnt werden, aber in der Praxis keinerlei Bedeutung haben. Wir haben bei 400.000 Klicks und ca. 150 Videos einen Remix, von dem wir wissen. […]”

tl;dr

Mag sein, dass sich die “echten” digitalen Remixe derzeit noch in Grenzen halten. Aber ebenso, wie Schreibmaschine Schreiben eine ganze Weile denen vorbehalten war, die eine Ausbildung darin hatten, wird mit kostengünstigeren und – viel wichtiger – leichter bedienbaren Tools eine Menge Potential frei. Erste Ansätze finden sich schon jetzt.

Erstellt mit Spruce

Kopieren, Covern, Remixen

Das Kopieren, Nachahmen, Abwandeln oder ganz und gar neu Zusammenstellen von Werken ist keine neue Kulturtechnik, sondern genau genommen schon ewig ein Weg um zu lernen, sich weiter zu entwickeln und sogar den ursprünglichen Schöpfer zu verehren. Nicht nur in der Malerei, auch in der Musik tragen Coverversionen und Tribute-Alben dazu bei, ohnehin schon gute Klassiker ein technisches und stilistisches “Update” zu verpassen. Und während auch in diesem Jahr die neueste und natürlich bezauberndste Cinderella-Neuverfilmung aller Zeiten erscheint, hat der schweizer Künstler Ursus Wehrli seinen eigenen Weg gefunden, ausgehend von alten Werken neue zu schaffen (sehr sympatisch vorgestellt beispielsweise im TED-Talk, wer nur kurz reinschauen will: bei Minute 3:56 ist ein Beispiel, das alles erläutern dürfte).

Aber schon beim letzten Beispiel bin ich an das Dilemma der heutigen Zeit gestoßen: ich fand bei Flickr und über die Google-Bildersuche keine frei lizensierten Bilder. Im TED-Talk sowie in Blogposts wird davon berichtet, Wehrli habe seine Art, Bilder neu zu ordnen, patentieren lassen (Funfact: auf den Seiten des Berner Amts für geistiges Eigentum findet sich dazu nichts. Liegt es an der Information selbst oder am Digitalisierungsgrad des Amtes?). Um es direkt zu sagen: jemand, der selbst auf dem Bekanntheitsgrad der Werke setzt, die er da neu umsortiert, hat davon selbst keine Bilder zur Weiterverwendung im Netz und erlaubt auch niemand anderem, es ihm gleich zu tun. Das soll kein Vorwurf sein – Wehrli handelt hier schlichtweg im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung und daraus resultierenden Geschäftsmodellen. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch. Es gibt Bewegungen, die Remixen als generelles Recht für Kunstschaffende einfordern, denn nur so kann sich die Remix-Kultur auch im Digitalen fortsetzen.

Neben den rechtlichen Voraussetzungen und die Aufklärung darüber, was erlaubt ist und was nicht, sind es aber auch technische Barrieren, die das Remixen erschweren. Videos, wie die OER-YouTube-Clips der Fachhochschule Lübeck, müssten für einen Remix geschnitten, mit anderen Videos oder Medien zusammengeführt werden…

Re-Authoring-Tools

Um das Remixen zu erleichtern bzw. für einige Nutzer überhaupt erst zu ermöglichen braucht es Tools, die einfach zu bedienen sind – Stichwort Usability. Und hier ist noch eine Menge Luft nach oben. Medien hochladen ist kein Problem mehr (auch das war Menschen lange Zeit verwehrt, die nicht wussten, was ein FTP-Server ist), auch das Teilen von Web-Fundstücken ist kinderleicht. Aber remixen? Hier gibt es nur einige, oft wenig bekannte Webtools. Eine kleine Auswahl an Leuchttürmen gibt es aber doch. Dabei erhebe ich bei dem nachfolgend genannten Beispielen keinen Anspruch auf Vollständigkeit – im Gegenteil hoffe ich, dass sich die Tools vermehren und das Remixen in die breite Nutzermasse tragen.

Meme-Generatoren

Bild aussuchen, Spruch eintippseln, Meme generieren und teilen. Es ist einfach, es geht schnell. Bitte mehr davon!

Sollte Digitalisierung ein Fehler in der Remix-Kultur sein?

Man muss hierbei natürlich einschränken: in Deutschland wäre das sicher nah oder mittendrin in der Urheberrechtsverletzung, wenn Bilder aus Filmen einfach genutzt werden würden. Aber wenn alles nach deutschem Recht gehen würde… Umso mehr ist das nächste Tool ein ECHTES Juwel.

Spruce

Der Webdienst Spruce sucht in CC-BY-lizensierten Bildern auf Flickr, versieht sie mit Autorenangaben und verbindet sie mit einem Text, der vom Nutzer eingegeben werden kann. Schnell erstellt und dann über Twitter oder Facebook geteilt. Das Tool hat es in meine Lesezeichenleiste geschafft.

Remixe sind keine Bettgeschichten

Pop Up Cranach

So, genau so stelle ich mir ein Tool zum Remixen von Kunst im digitalen Zeitalter vor. Mit Pop Up Cranach können Elemente aus Cranachgemälden miteinander kombiniert werden. Cranach alt wie jung sind lange genug tot, sodass beim Veröffentlichen der Ergebnisse kein Anwalt vor der Tür stehen sollte. Überraschen: die App wurde im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 aus öffentlichen Mitteln finanziert. Es scheint also doch noch Hoffnung für gut investierte öffentliche Kulturförderung zu geben.

Cranach hätte es so gewollt ;)

Ein echter Lorenz, Cranach hätte es so gewollt 😉

Cod1ng Da V1nc1

Als letztes habe ich kein Tool, sondern ein Projekt ausgewählt, das genau solche Tools schaffen soll. Bei diesem Hackathon geht es darum, rund um öffentlich zugängige Daten, Informationen und Medien Ideen zu entwickeln, wie diese weiter und in dieser Kombination in neuen Kontexten verwendet werden können. Die Ergebnisse zeigen: Wir sind noch lange nicht da, wo Remixe ihr volles Potential erfolgen.

Fazit: Remixe Dir Dein eigenes Werk!

Ich finde solche Tools toll. Ich liebe es, mit ihnen zu experimentieren, Blogposts und Tweets damit anzureichern. Je einfacher die Handhabung, umso besser können die Tools von möglichst vielen Internetnutzern eingesetzt werden. Und mit den Tools kommen auch die Ideen.

Eine Grundlage für das rechtssichere Remixen von Medien ist die Erlaubnis dazu. Ein sehr einfacher Weg ist der über Werke, die unter freien Lizenzen stehen. Deshalb ist auch der Weg der Fachhochschule Lübeck richtig und nur konsequent, schließlich haben wir einen staatlichen Bildungsauftrag.

Oder kitschig formuliert: es braucht Jedis, um Märchen wahr werden zu lassen.

Credits

Überschrift in Anlehnung an den Beitragstitel von Martin Lindner (2006): Use These Tools, Your Mind Will Follow. Learning in Immersive Micromedia & Microknowledge Environments. Research Paper for ALT-C 2006: The Next Generation, Edinburgh, Scotland – also auch ein Remix 😀

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Go home, Copyright, you are drunk!

Die Idee zu diesem Blogbeitrag ist schon ein paar Wochen alt, aber das Problem ist noch immer das gleiche: Das Internet und das aktuelle Urheberrecht haben irgendwie ein Problem miteinander.

tl; dr

Jan Böhmermann hat ein Bild getwittert und wurde dafür abgemahnt. Soweit, so gewöhnlich im Alltag der Urheberrechtsverletzungen. Aber was sagt das über die Medienkompetenzen der Gesellschaft aus, wenn eine eigentlich (so dachte ich) internetaffine Person wie Jahn Böhmermann nicht wusste, dass man nicht einfach ein Foto aus der Bildersuche verwenden darf, weil man dann Fotografen, Malern, Comiczeichnern etc. die Grundlage für ihren Broterwerb nimmt? Oder gibt es kein Unrecht ohne fehlendes Unrechtsbewusstsein?

Der Fall Böhmermann

Ich will es nur kurz beschreiben, gute und ausfühliche Erklärungen dazu findet man u.a. auf netzpolitik, fotomagazin, der taz oder der Süddeutschen:

Der Moderator und auf Twitter viel beachtete Grimmepreisträger Jan Böhmermann wurde von den Anwälten des Fotografen Martin Langer zu einer Zahlung von reichlich 900€ abgemahnt, weil er ein Foto getwittert hatte und damit das Urheberrecht des Fotografen verletzte. Das passiert häufig in verschiedenen Kontexten und Größenordnungen. Und schnell ertappt man sich dabei, auf die bösen Abmahnanwälte und geldgierigen Fotografen zu schimpfen, die mit ihren Schnappschüssen vielleicht einfach nur Glück hatten.

Na und? Wo ist denn das Problem?

Die Darstellung des abgemahnten Fotografen Langer lässt mich hier aber schnell umdenken (wer den Beitrag noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt tun!): Das Internet bietet schließlich auch Kreativen, Kunstschaffenden und Autoren (= alle drei Urheber) die Chance, unabhängig von der Verlagsindustrie ihre Miete zu verdienen (mal mehr, mal weniger). Webcomiczeichner, wie Joscha Sauer, Flix oder Ralf Ruthe zeigen das sehr eindrücklich und nachvollziehbar.

Neben dem Shitstorm war es aber vor allem folgender Aspekt der Story, der mich zu diesem Beitrag motivierte: Während wir Studenten und Kollegen in Seminaren und Weiterbildungen stetig eintrichtern, dass man nicht jedes Bild verwenden darf, das man im Internet findet, warum weiß das ein medienkundiger Mensch wie Jan Böhmermann nicht? Ich bin mir sicher, dass er es nicht mutwillig getan hat, wie man eben mal zu schnell fährt und hofft, nicht geblitzt zu werden.

Das Problem liegt doch vielmehr darin, dass das aktuelle Urheberrecht überhaupt nicht das natürlichen oder anerzogenen Unrechtsbewusstsein anspricht. Dazu ein Vergleich…

Ein Vergleich: Der Apfel

Wenn ein Apfel an einem Baum mitten im Nirgendwo (= öffentlichem Grund) hängt, dann kann man den essen. Ebenso, wie man Heidelbeeren und Pilze sammeln geht, ohne dafür einen Cent auf den Teller vor dem Wald zu hinterlassen. Befinden sich Apfel, Heidelbeeren oder die Pilze in einem Supermarkt, dann weiß man von Mutti oder Vati, dass man erst dafür bezahlen muss. Auch bei Gärten oder Plantagen ist uns klar, dass die Äpfel nicht uns gehören. Und auch, wenn wir uns vielleicht doch einmal dazu hinreißen lassen, über den Zaun zu greifen, wissen wir doch, dass das geklaut und eigentlich nicht erlaubt ist.

Im Internet ist das ein wenig undurchsichtig: da stehen auch Äpfel (= Fotos etc.) irgendwo rum. Da ist kein Zaun, kein Hinweisschild, dass es irgend jemandem gehört. Klar, es ist nicht von allein dorthin gekommen, aber hey, es gibt so viele Sachen in diesem Internet, die man einfach für lau haben kann. Kein Zaun, kein Schild, keine Supermarktkasse: 3, 2, 1… meins!

Denkste! Gehört doch wem! Du hast geklaut! Zahl dafür! Oder noch viermal singen. Das klingt nicht fair. Aber was wäre richtig?

Fazit: Es gibt zwei Alternativen, die Lösung liegt sicher irgendwo in der Mitte

Mich juckt es ja fast schon, ein Experiment in der Fußgängerzone zu machen: ein Tisch, Äpfel drauf ohne weiteren Hinweis und schauen, was passiert. Werden Personen die Äpfel mitnehmen? Ich denke schon. Aus meiner Sicht gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Problem anzugehen:

  1. Wenn es sich nicht wie Unrecht anfühlt, dann ist es vielleicht keins. Jeder, der Inhalte unfrei ins Netz stellt, muss einen Zaun bauen, ein Schild aufstellen…, d.h. wenigstens seinen Namen dran schreiben.
  2. Wie im Supermarkt müssen wir auch im Internet lernen, dass hier vielleicht vieles, aber nicht alles kostenlos ist und dass man fragen muss, ehe man sich etwas einfach “wegnimmt” (wobei hier der Vergleich hinkt: Den Apfel, den ich mir aus dem Internet nehme, gibt es dann in diesem Regal immer noch, auch wenn ich ihn jetzt habe).

Richtigerweise setzen wir bei letzterem an, aber noch nicht konsequent genug, wie sich im “Fall Böhmermann” (tamm, tamm, tamm) zeigt. Müssen wir auch erstere Alternative angehen? Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, aber  wenigstens in den Metadaten wäre die Angaben zur Autorenschaft nur wenig störend und vielleicht ein guter Anfang. Oder?

Muss man für erfolgreiche Lehre “der/die Auserwählte” sein?

Was man halt Samstag nachts so macht: ich bin auf ein Video gestoßen, in dem die Weihnachtsvorlesung meines ehemaligen Matheprofs Bernhard Ganter von einem (ehemaligen/immernoch?) Studenten vertont wurde. Die Folien stehen im Netz, ich frage lieber nicht, ob der Nutzer die Genehmigung dazu hatte.

tl;dr

Die Hattie-Studie bestätigt: es kommt auf den Lehrer an. Aber was ist, wenn das stimmt?

Zuerst möchte ich betonen: Ich fand diese Vorlesung sehr gut, sie ist mir noch sehr gut im Gedächtnis und ich werde mein Leben lang wissen, was invertierbare Matrizen sind, denn die Mischmaschmatrix ist nicht invertierbar, und deshalb kann man aus Teig keine Zutaten mehr machen. Ich habe mir die Definition von Plätzchen selbst für meine weihnachtlichen Übungen zur Prozessmodellierung vom Plätzchenbacken geliehen. Und ehe Prof. Ganter Panik bekommt: Ich habe in den Vorlesungen auch noch mehr gelernt. Zum Beispiel, was Schwellendidaktik ist, (weil der neue Harry-Potter-Band nachts verkauft wurde) 😛

Aber das Video ist ein schönes Beispiel dafür: es kommt sehr auf die Lehrperson und deren didaktische Fähigkeiten an. Die Bemühungen des YouTubers in allen Ehren: keine Zusammenhänge, einfaches Ablesen der Folien etc. Das fetzt so nicht. Sorry. Inhalte UND Präsentation (nenn’ es  Didaktik) müssen stimmen. Bei Andreas Wittke lese ich das gerade immer wieder bestätigt, bspw. hier oder hier.

Aber was fangen wir mit diesen Erkenntnissen an? Die Pädagogen/Erziehungswissenschaftler sagen dann sicher so etwas wie “wir sagen seit Jahrenzehnten/-hunderten, dass es auf die Vermittlungsform ankommt.” Aber liefern sie hierfür Antworten? Warum habe ich meinem Matheprof damals so gebannt zugehört und finde das Video nicht gut? Gleichzeitig bin ich sicher, dass das Video aufgenommen vom Matheprof ein Hit wäre. Warum bekommt das Video vom Spritzgießen so viele Klicks, liebe Pädagogen? Warum basiert das Erfolgskonzept der Sendung mit der Maus so stark auf Armin, Christoph, Ralf und Malin?

Ich bin ja gerade etwas rumgekommen (#oerde14, #delfi2014 a & b, #q2p) und habe mit verschiedenen Rahmenbedingungen gearbeitet: In Präsenz akzeptiert man schlecht lesbare Folien aufgrund von Lichtverhältnissen oder miesen Ton aufgrund fehlender Mikrophone, wenn der Redner gut ist. Der kann ja nix dafür. Bei Videos im Web ist das oft anders: hier hat man es quasi selbst in der Hand – obwohl hier weitere Kompetenzen benötigt werden, die es in Präsenz oft nicht braucht oder die man dort outsourcen kann: Tonqualität, Lesbarkeit der visuellen Unterstützung etc.

Die Frage bleibt aber (vor allem an die Pädagogen/Erziehungswissenschaftler): Wie viel Instruktionsdesign ist möglich, was muss die Lehrperson mitbringen? Wie viel ist vom Rahmen abhängig? Und damit meinerseits vor allem: was kann der Rahmen leisten?

Seien wir ehrlich: wir erinnern uns an die coolen Profs vor allem daher, weil es genügend Profs gab, die weniger interessante Vorlesungen gehalten haben. Wo Licht ist, ist auch Schatten (5€ ins Phrasenschwein). Eine wissenschaftliche (nicht ganz unumstrittene) Fundierung geht seit etwa einem Jahr um: die Hattie-Studie bestätigt, dass es auf den Lehrer ankommt.

Dreimal die späten Gedanken gedreht: was ist eigentlich, wenn das stimmt? Kann man sich bei der Lehrmittelgestaltung, bei der Lehrmethodik, bei didaktischen Konzepten, bei Gamification und bei gestaltungsorientierter Didaktikforschung drehen wie man will, da ganze könnte ohnehin vor allem vom Lehrenden abhängen? Maskieren Lehrmethoden bestenfalls schlechte Lehrpersonen? Müsste man vor der Aufnahme eines Lehramtsstudiums oder vor der Einladung zum Berufungsverfahren auf die generelle Eignung als Lehrperson “testen” lassen?

Wollen wir an dieser Stelle weiterdenken? Und müssen wir das, wenn wir uns um den (online-/medialen) Rahmen von Lernangeboten geht?

“Roast”-Methode

Ich habe eine Idee für eine Kreativitätsmethode. Die Idee basiert weder auf Referenzen noch auf sonstigen wissenschaftlichen Vorgehensmodellen oder -vorgehensweisen, sie ist schlichtweg nicht wissenschaftlich entstanden. Dennoch gefällt sie mir gut. Daher will ich sie hier (und ggf. auch noch zu weiteren Gelegenheiten) zur Diskussion stellen. (Das geht schneller, als sie zu publizieren und akzeptiert durchaus Entwurfstadien, ganz nach dem Open-Science-Gedanken).

tl;dr

Statt die Vorteile und Potentiale eines Diskussionsgegenstands zu lobpreisen, soll die Roast-Methode Argumente der pessimistischen Perspektive hervorbringen: Warum kann diese Idee gar nicht klappen, warum ist das totaler Quatsch, warum ist es nichts Neues etc. Damit verschärft sie die Kopfstandmethode hin zu einem Format, das gerade in der Aufdeckung von Lücken auch zu neuen Anforderungen führen kann.

Ansatz: Kopfstandtechnik, Alles Nichts Oder & Roast Comedy

Ich mag kontroverse Formate. Ebenso habe ich in der Lehre erfahren, dass Lernende diese auch gern annehmen: eben weil sie scheinbar so selten zur Kritik aufgefordert werden, haben sie Schwierigkeiten, diese zu äußern. In hochschuldidaktischen Weiterbildungen habe ich die Kopfstandtechnik kennnengelernt und finde sie gut (und das war bei weitem nicht mit allen Formaten so). Im Rahmen des SOOC habe ich sie bspw. auch produktiv einsetzen können, um die Erwartungshaltung der Teilnehmenden abzufragen. Aber das Ganze könnte auch aggressiver sein…

Anfang der 90er gab es auf RTL die Spielshow “Alles Nichts Oder?!” mit Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder. Das ist so lange her, dass auch ich die Sendung nur aus ihren Wiederholungen kenne. Dabei wurde darauf hingearbeitet, dass am Ende die Gastgeber möglichst viele Torten ins Gesicht geworfen bekommen. In Spielen wurde die Anzahl der Torten, die am Ende geworfen werden durften, erkämpft.

Etwas weiter geht derzeit das Roast-Comedy-Format, bei dem irgendjemand oder irgendetwas gezielt dem Spott ausgesetzt wird. Der TV-Sender Comedy Central widmet sich hierfür bspw. der Verunglimpfung von konkreten bekannten Persönlichkeiten, die hierzu auch selbst eingeladen werden.

Ziel der Methode

Ein Betrachtungsgegenstand (eine Lösungsidee, ein Produkt…) soll insbesondere der negativen Kritik ausgesetzt werden. Damit kann man entweder

  1. dieser Kritik durch passende (und bisher offenbar fehlenden) Argumentationen begegnen, die in nachfolgenden Präsentationen dann nicht vergessen werden sollten ODER
  2. echte Schwachstellen des Betrachtungsgegenstandes identifizieren. Die nicht widerlegbaren Aspekte können dann leicht als Anforderungen identifiziert werden, die in die Weiterentwicklung des Betrachtungsgegenstands einfließen müssen.

Ablauf

Es erscheint als logisch (d. h. ich kann Aufbau und Vorgehen gerade nicht wissentschaftltlich belegen), dass folgende Punkte mindestens für den Ablauf berücksichtigt werden müssen:

  1. Präsentation/Darstellung des Betrachtungsgegenstands
  2. Klärung eventuell auftretender Verständnisfragen
  3. Sammeln von Gegenargumenten
  4. Reaktion auf Gegenargumente, d. h. entweder
    • inhaltlich widerlegen,
    • Relevanz widerlegen oder
    • als Anforderung aufnehmen.
  5. Dokumentation von
    • (Gegen-)Argumenten, die in zukünftige Präsentationen mit aufgenommen werden müssen und
    • Anforderungen, die durch die Diskussion entstanden sind.

Grundsätze und Unterstützungsmöglichkeiten

Grundsätzlich dürfen dem Roast keine Hierarchien im Weg stehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man es auch in der regulären Lehre anwendet, aber dann muss von vorn herein klar sein: Das Finden von Gegenargumenten ist Sinn und Zweck. Es ist keine Kritik an demjenigen, der den Betrachtungsgegenstand vorstellt. Der “Verteidiger” des Betrachtungsgegenstands sollte glaube ich auch nicht bewertet werden, denn sonst traut sich das Plenum nicht, hier ernsthaft Kritik zu üben. Wenn überhaupt liegt die Leistung in dem Finden und Formulieren der Gegenargumente.

Zum Aufbau eines Roasts scheinen folgende Elemente für die Unterstützung sinnvoll:

  • Dokumentationswerkzeuge
    • um Gegenargumente (Schritt 3) können zu sammeln (Moderationskarten, Etherpad,…)
    • um neue Anforderungen aufzunehmen
  • Dokumentationsrolle: Um auch wirklich alle Argumente zu erfassen könnte es sinnvoll sein, einen Teilnehmenden zum “Schriftführer” der Argumente zu benennen.
  • Weitere Ideen:
    • Sollte es dazu kommen, dass Gegenargumente/Anfragen etc. weiterhin von externen Stellen gesucht werden, dann könnte eine Art Galgenraten die Teilgebenden motivieren, weitere Schwachstellen zu finden.
    • Wenn man die Methode in der regulären Lehre einsetzt, dann könnte es schwierig sein, jemanden als “Verteidiger” einer Idee auszuwählen. Hier braucht es inhaltliche und argumentative Sicherheiten, die sich vielleicht nur schwer finden lassen. In diesem Fall könnte man auch mehrere Teilnehmenden oder eine Gruppe zur Verteidigung des Betrachtungsgegenstandes benennen.

Wer hat weitere Ideen?

Als erste Ideensammlung soll das genügen. Ich überlege auch, das ganze beim #ecfra14 als Session anzubieten und dort weiterzuentwickeln. Man könnte das in diesem Rahmen auch gleich ausprobieren, sozusagen als Self-Roast :D. In jedem Fall bin ich (über welchen Kanal auch immer, gern auch hier in den Kommentaren) dankbar über weitere Ideen und Hinweise: Gibt es so etwas in der Art vielleicht schon? Welche weiteren Strukturierungshinweise braucht es? Welche weiteren Unterstützungsmaßnahmen sind nötig? Wie könnte man das ganze optimal dokumentieren? War sind große Fallen dabei? Worauf müsste man sonst noch achten?…

Learning Analytics und was ich mir davon verspreche

Bei den ersten Beiträgen zum Teilthema Learning Analytics des aktuellen (und letzten :'() Themenblock im SOOC1314 lese ich öfter heraus: Das scheint eine gute Idee zu sein, da auch der Lernprozess in Benotungen mit eingehen kann und nicht nur das Ergebnis der Abschlussprüfung. Dazu habe ich in den Kommentaren bereits mehrmals “ja aber” gesagt, sodass ich mich irgendwie zu einer zentralen Stellungnahme genötigt fühle. Da meine Meinung vielleicht nicht sehr kuschelpädagogisch ausgerichtet ist, tue ich das hier und nicht auf dem offiziellen SOOC1314-Blog.

Nein, ich will keine persönlichen Lernfortschritte benoten!

Den Lernprozess in die Benotung mit einbeziehen. Den persönlichen Fortschritt in den Vordergrund rücken. Das alles klingt aus Potentialbetrachtungen für Learning Analytics oft hervor. Auch einige SOOC-Teilnehmende haben darüber geschrieben. Aus Sicht der Hochschullehre muss ich (außerhalb der Softskill-Vermittlung) aber sagen: Welche persönliche Entwicklung ein Studierender genommen hat kann mir eigentlich Schnuppe sein. Ja, natürlich freue ich mich, wenn gerade anfangs schwache Studierende Fortschritte machen, aber es kommt darauf an, dass die Studierenden am Ende die Kompetenzen vorweisen können – egal wie schlecht sie vorher waren.

Ganz salopp gesagt: Nur, weil jemand vorher kein Blut sehen konnte und bei jedem Pflaster wechseln umfiel, kann ich ihm kein Arzt-Studienabschluss geben, wenn er dann wenigstens ein Zäpfchen setzen kann. Die Studienabschlüsse rufen bestimmte Vorstellungen hervor, was jemand damit können sollte. Ein Arzt sollte Krankheiten behandeln, ein Anwalt Gesetzte interpretieren und ein Lehramtler für Mathe auch Integralrechnung beherrschen. Was nützt es da, wenn ich anhand diverser Learning-Analytics-Tools sagen kann: “hey, vorher war der/die noch viel unfähiger”? Nein: Noten anhand von Learning-Analytics-Ergebnissen will ich nicht vergeben.

Aber wofür ist es dann sinnvoll?

Nicht den Lernprozess benoten: einschätzen würde ich ihn gern können. Was haben die Studierenden verstanden? Was nicht? Wo sollte ich noch einmal nachhaken? Schon in Präsenzveranstaltungen bekommt man ja wenig Feedback der Studierenden. Zeit für begleitende Evaluationen ist nicht vorhanden. Woher soll ich das also wissen? Noch schwerer ist es bei Online-Kursen, an denen die Teilnehmenden zeitunabhängig teilnehmen. Kommen sie gut voran? Haben sie Probleme mit den Inhalten? Wenn ja, mit welchen? Welche Inhalte sind gut?

modern times illustration by hikingartist (CC-BY-NC-ND)

Aber natürlich gibt es noch mehr Potentiale, gerade wenn man die Netzwerkanalyse anschaut: Wer arbeitet mit wem zusammen? Wer hilft den anderen im Forum bei Fragen? U.v.m. Lerarning Analytics ist aktuell heiß im Horizon Report 2014 platziert worden. Wir dürfen also noch einiges erwarten.

Frontal ist für alle einfacher… aber ist es auch besser?

Der erste Themenblock des SOOC13 ist vorbei und ich bin überwältigt von der Erfahrung aus Gastgebersicht – positiv wie kritisch. Der Trick, damit ich nachher mit dem Positiven schließen kann: ich fange mit den kritischen Aspekten an. Diese sind nicht immer “negativ” im Sinne von schlecht, aber sie sind kritisch und daher beschäftigen sie mich vermutlich sogar länger, als die begeisterten Beiträge, von denen auch ich begeistert bin und zehren kann.

tl;dr

Es folgen oft unbeantwortete Gedanken zu: Soll ich auf Beiträge immer reagieren (müssen)? Wann kann und muss ich mich heraushalten um andere Teilnehmer nicht zu hemmen? Warum mache ich das hier? Wie kann der SOOC13 besser werden?

MOOCs in der Hochschullehre

Etwa zu dem Zeitpunkt als wir wussten, dass der SOOC13 im Rahmen eines LiT-Projekts vom HDS gefördert werden wird, startete der MMC13, der MOOC Maker Course, also ein MOOC darüber, wie man einen MOOC gastgibt. Es hätte keinen idealeren Zeitpunkt geben können (danke noch einmal an Monika König, Dörte Giebel und Heinz Wittenbrink). Wie in einem MOOC üblich habe ich mal mehr, mal weniger teilgenommen, aber stets versucht, die aktuellen Diskussionen zu verfolgen. Die “Überforderung” kannte ich schon aus dem OPCO11, damit wusste ich, wie man ohne schlechtes Gewissen die Twitter-Timeline schnell nach oben scrollt. Nun aber bin ich selbst “MOOC Maker”…

[tweet https://twitter.com/anjalorenz/status/337786324130074624]

Ich werde die Veröffentlichung dieses Posts irgendwann auf den Sonntag legen, damit ich das letzte Wort habe 😉 Dennoch möchte ich nicht verheimlichen: Es ist jetzt kurz nach 1 Uhr nachts an einem Freitag Abend, ich habe am Sonntag eine Deadline für ein Poster, ich habe ein (sehr intensives und zufriedenstellendes) Privatleben und mich lässt der SOOC13 jetzt trotzdem nicht los. Insbesondere, weil die Teilnehmer nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der Meta-Ebene über MOOCs schreiben. Hier ein paar Beispiele herausgegriffen:

  1. Über MOOCs und Motivation von secalcesal
  2. Die letzten Beiträge der SOOC13 Labrats (1,2,3) (toller Name für einen Blog und sehr cool, dass sich hier gleich zwei Teilnehmer im Blog zusammengeschlossen haben)

Studenten als spezielle Zielgruppe

Seit dem ich diese Posts gelesen habe, überlege ich, ob ich darauf antworten soll und vielleicht sogar müsste. Oder aber: ist es etwa kontraproduktiv, denn ich könnte wertvolle Kommentare anderer Teilnehmer hemmen, wenn ich hier antworte, immerhin gelte ich als Gastgeber. Auch die MMC13-Crew hatte dieses Phänomen erlebt. Aber wir haben im SOOC13 noch eine zusätzliche Komponente: Wir haben Studierende, die ggf. CPs erhalten wollen. Wenn ich als 0815-Teilnehmer in einem MOOC keine Zeit habe (wie aktuell leider beim COER13), dann lasse ich es einfach wieder. Keine Konsequenzen. Aber für Studierende gibt es da noch ein paar andere Motivatoren: Wenn sie abbrechen, bekommen sie die CPs nicht und dann war das Semester in diesem Modul vielleicht “verschenkt”. Daher ist es durchaus möglich, dass Studenten sich pragmatisch für den SOOC13 entschieden haben – für den Schein eben (kritisiert und diskutiert hier).

Ganz ehrlich, ich selbst war doch teilweise auch so. Ich habe damals folgendermaßen mein Hauptseminar ausgewählt: in meiner Stundenplanung war der Mittwoch noch frei. Und es gibt ja wohl kaum etwas blöderes. Montag frei, Freitag frei, das mag alles sehr angenehm sein, aber Mittwoch? Als einzige infrage kommende Lehrveranstaltung gab es ein Hauptseminar “Aktuelle Forschungsfelder im eLearning”. Ich hatte zwar noch kein Proseminar gemacht, aber was soll’s. Ältere Studenten sagten mir, dass das kein großer Unterschied ist, die Betreuer haben mir empfohlen zu überlegen, ob ich schon so weit wäre. Und das Ergebnis? Ich fand es spannend, habe bei der gleichen Betreuerin meinen Großen Beleg und meine Diplomarbeit geschrieben und letztere später veröffentlicht (IADIS eSociety in Porto, ITSE). Ein glücklicher Zufall? Vielleicht und wahrscheinlich. Fazit: Ich kann die stundenplangetriebene Auswahl von Lehrveranstaltungen durchaus verstehen.

Ich kann auch verstehen, wenn es nicht so läuft und man das Thema auch mal “absitzt”. Wie secalcesal schreibt: Man kann kein Interesse verlangen. Man kann es versuchen zu wecken, aber es wird ggf. nicht alle mitnehmen. Und die Personen, die “nur den Schein” wollen, sollen das auch durchaus dürfen, ebenso wie in einer “normalen” Uni-Veranstaltung. Hier spare ich mir die Frage, warum der Kurs belegt wird oft: Er steht im Stundenplan, eine Anrechnung vielleicht anderer interessanterer Kurse macht Arbeit, also sind die Studenten da. Da habe ich auch die komplette Bandbreite vor mir. Und das merke ich auch.

Hochschullehrende als spezielle Gastgeber

Ich habe einige Weiterbildungen im hochschuldidaktischen Bereich besucht und auch der SOOC13 ist für mich eine selbstorganisierte Weiterbildung (die ich mir übrigens im Modul 3 des HDS-Zertifikatprogramms anrechnen lassen will). Warum mache ich das? Wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich vor Studenten zu stellen, dann kann ich das auch so machen, dass es wenigsten mir ein wenig Spaß macht, im Idealfall sogar den Studenten. Im Modul 1 des HDS-Zertifikatsprogramms sagte eine Teilnehmerin:

“Frontalunterricht ist für alle leichter.”

Und recht hat sie: Ich kann meinen Monolog halten, alle schreiben die wichtigsten Sachen mit. Wenn ich nett bin, sage ich auch, was in der Prüfung wahrscheinlich drankommen könnte. Die Studenten haben dann einen sehr detaillierten Katalog möglicher Prüfungsfragen. Wenn ich auch nur diese nehme dann werden vermutlich alle Studenten gut abschneiden.

Classroom, ca. 1901 von City of Boston Archives (CC-BY)

Das “Problem” ist: Um Monologe zu halten, brauche ich keine Studenten vor mir. Die kann ich hier im Blog festhalten. Oder als Video aufnehmen. Oder Audioboo. Ich kenne diese Medien doch. Ich will aber: Interaktion, Feedback, neue Ideen, Meinungen, Diskussionen motivieren. Hoschulabsolventen sollen sich doch auch Meinungen selbst bilden und diese artikulieren und diskutieren können. Vielleicht will jemand selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter werden und muss dann Lehre übernehmen. Dann sollte er vielleicht auch andere Methoden kennen als Frontalunterricht, oder?

Daher ist der MOOC für mich auch so ein einnehmendes Erlebnis, hier habe ich das alles in ausgiebiger Form. Aber wie auch in anderen Lehrveranstaltungen gilt: Ich mache mir keine Illusion, dass alle mitmachen. Es werden auch einige aussteigen oder vielleicht schon ausgestiegen sein. Ich will gern denjenigen helfen, die es schwer haben, aber wenn jemand feststellt, dass der SOOC13 nicht zu ihm passt, dann finde ich es auch ok, wenn er aussteigt oder nur das Nötigste zum “Bestehen” macht.

Und nur zur Transparenzschaffung: Die Förderung des HDS bezahlt “lediglich” unsere WHKs. Darüber freuen wir uns sehr. Aber das heißt auch, dass der SOOC13 eher ein “Freizeitprojekt” von uns ist, denn wir sind auch in anderen Projekten und Stellen eingebunden. Also warum tun wir das? Weil MOOCs schlichtweg gerade DAS Thema sind und auch wir es nur erleben können, wenn wir es selbst ausprobieren. Alle reden über die Einbindung in die Hochschulen: wir tun es.

Interaktivität als Problem?

Und nun lese ich diese ersten Auseinandersetzungen mit dem Format. Zunächst einmal: Ich finde das gut. Diese Kritiken zeigen die aktive Auseinandersetzung. Die Autoren sind keineswegs “faule Nörgler”, sondern kritische Teilnehmer, die nicht einfach nur machen wollen, was die CP-Anforderungen verlangen, sondern das Format beschäftigt sie. Und das tw. mehr, als sie das erwartet haben und selbst wollen.

“Aus besagtem Le[hrer]professionalitätskurs gehe ich raus, schließe die Kurstür hinter mir und habe dann die Möglichkeit, die Gedanken daran zu beenden. […] Die Leistung, auf die es nun mal ankommt (vgl. sooclis Beitrag oder die Diskussion hier), wird hauptsächlich in dem Seminar selbst abgeleistet oder in einer Klausur zu einem festgelegten Zeitpunkt oder in einer Ausarbeitung (die auch wiederum in sich selbst begrenzt ist). Die Kurse sind begrenzt und die Möglichkeit der Auseinandersetzung ist es auch.

Sooc: Der Sooc hat keine Grenzen und auch die für den Schein benötigte Leistungsanforderung ist nicht wirklich klar (mir zumindest). Durch Twitter und den eigenen Blog ist man ständig in irgendeiner Art und Weise verbunden. […] Es stellt sich eine schwache Art der mentalen Abhängigkeit ein, die mir absolut nicht gefällt. ” (Quelle)

Ein wenig freut es mich ja, dass wir die Teilnehmer mental bei der Stange halten können, ich befürchte aber, dass das polemisch klingt und das soll es nicht. Wir haben es als Lehrende geschafft, dass Ihr über die Kursinhalte nachdenkt und das auch außerhalb des Kurses? Yeah!

Aber ich kann verstehen, was das Problem ist: Es dringt in Bereich, die bisher vom Hochschulalltag ausgeschlossen waren. Aber was war noch einmal Ziel des Kurses?

“Soziale Medien, wie Facebook, Twitter, Skype oder Google+, gehören heute zum Alltag vieler Studierender. Dabei ist nur den Wenigsten wirklich bewusst, dass diese nicht nur unterhaltenden Charakter haben, sondern ein ganz neues Potenzial entfalten, wenn Sie gezielt zur Unterstützung von Lernprozessen genutzt werden.” (Quelle)

Dieser Text war einer der ersten, der auf den Kursseiten veröffentlich wurde. Wir wollten genau das im SOOC13 diskutieren. Auch deshalb haben wir für den dritten Themenblock die Konsequenzen des Lernens im Netz aufgenommen: Das alles ist nicht einfach. Es ist nicht so leicht wie Frontalunterricht. Und NIEMAND hat bisher dafür eine Lösung gefunden, die dennoch allen Ansprüchen genügt. Wir bieten die Chance, sich mit unserer Unterstützung im Social Web auszuprobieren und die Möglichkeiten aber auch Gefahren für sich zu entdecken. Ob man diese Möglichkeiten dann weiterhin nutzt, das liegt bei jedem selbst. Aber auch wenn sich die Teilnehmer gegen die ein oder andere Komponente entscheiden, dann können sie diese Entscheidung (hoffentlich) durchaus begründen. Es ist eine Entscheidung, die nach einer aktiven Auseinandersetzung getroffen wurde und nicht aus Angst oder Desinteresse.

Nur lesen, nicht kommentieren?

Aber soll ich nun etwas in den Kommentaren hinterlassen? Als Teilnehmer hätte ich es bestimmt. Aber ich bin auch Gastgeber. Sobald von mir dort irgendetwas steht, werden andere vielleicht gehemmt, hier auch Kommentare zu verfassen. Aber wenn ich keinen Kommentar hinterlasse, denken die Teilnehmer vielleicht, es wäre mir egal oder ich hätte den Kommentar nicht gesehen. Wie die Labrats richtig erkannt haben:

Anja Lorenz und Co. nehmen diese Distanzlosigkeit ja  bewusst in Kauf bzw. haben sich von vornherein (so scheint es) darauf eingestellt. Das ist ok und hier auch ganz praktisch (auch wenn ich immer noch unsicher bin ob ich duzen oder Siezen oder was auch immer soll… scheint auch irgendwie egal zu sein).

Erst einmal: Das Du oder Sie ist mir persönlich egal. Und ja: wir haben uns im Vorfeld darüber unterhalten und gerade weil Nina Kahnwald doch gerade Jun.-Prof. geworden ist, lag das “Sie” nahe. Aber ich halte es oft nicht durch. Auch, weil ich einige SOOC13-TN  schon kenne. Asche auf mein Haupt.

Aber genau diese “Distanzlosigkeit” macht es auch, dass ich hier nachts noch drüber nachdenke, ob und was wir tun können, um die Erfahrungen der Teilnehmer zu verbessern, ohne auf das offene Konzept zu verzichten. Daher: Helft uns! Was macht den SOOC13 besser?

Was der erste Themenblock gebracht hat

Natürlich werkeln wir an den Baustellen herum. Aber es ist so viel toller Input zum SOOC13 gekommen: Die PLEs. Das conexperiment und dessen Reflexion – vor allem, warum es oft nicht geklappt hat. Außerdem gab es in Vorbereitung auf den zweiten Themenblock eine Blogparade, deren Rückmeldungen ich schlichtweg überwältigend fand.

“[…] Nur bemerke ich gerade, dass die Beschäftigung trotz des Zeitaufwandes eine große Bereicherung für mich ist. […] ich kann nur sagen, dass ich in vielen Kursen in denen ich länger sitze, als ich mich mit meinem Blog beschäftige, weniger Wissens- und Erfahrungszuwachs mitnehme als hier. Ich versuche durch meine strengen Zeitvorgaben meine eigenen Leerzeiten einzubauen und mit dem Druck, den ich übrigens auch in mir spüre umzugehen. Ich finde genau dieses Gefühl gerade als sehr spannend und beobachte meine eigenen Entwicklungen.” (Quelle)

Warum ich blogge

Ich habe überlegt, ob ich auch selbst an der Blogparade teilnehmen soll. Aber schickt sich das als Gastgeber (mal abgesehen, dass ich keine Zeit habe… nein, falsch,ich setze derzeit andere Prioritäten, vor allem für den SOOC13)? Letztendlich blogge ich genau aus diesen Gründen hier (ist quasi ein Action-SelfResearch-Beitrag): Ich will mir etwas von der Seele schreiben und ev. sogar Feedback bekommen. Dafür nehme ich mir (im Gegensatz zu Twitter u.ä.) etwas länger Zeit. Ich halte hier einen Monolog “damit die Welt es weiß”. Und damit ich es wiederfinden kann (wie bspw. den Beitrag zu OER in Sachsen). Ab und zu kündige ich in Blogposts auch etwas an und nutze das rein als Push-Medium.

Mein Problem ist eher: Was blogge ich wo? Bin ich gerade SOOC13-Gastgeberin oder kritische Social Media Nutzerin, geht es um Lehrexperimente, meinen Verein oder ist das nur eine subjektive Aussage von mir selbst?

Vermutlich liest diesen Beitrag keiner komplett (er ist ja auch sehr lang geworden). Aber mir geht es jetzt besser 🙂

Leseempfehlung

Durch die Blogparade bin ich verstärkt auf den Seiten von Jean-Pol Marting unterwegs. Er formuliert die Informationsverarbeitung nicht etwa als etwas Schlechtes (Stichwort “Information Overload”), sondern als ein Grundbedürfnis: http://jeanpol.wordpress.com/2009/12/31/informationsverarbeitung-als-grundbedurfnis/ Ich bin beruhigt.

SOOC13 Themenblock 1: Meine PLE – ein Schnappschuss

Als Gastgeber des SOOC13 habe ich eine sehr seltsame Doppelrolle: zwar moderieren wir eigentlich “nur”, um eine Auseinandersetzung mit dem aktuellem Wochenthema komme ich aber auch nicht herum. Immer wenn ich ein Bild einer persönlichen PLE sehe denke ich so: Wie würde das bei mir eigentlich aussehen?

Bei einem bin ich mir sicher: meine PLE lässt sich nicht auf ein Bild packen. Ich arbeite in verschiedenen Kontexten mit verschiedenen Werkzeugen und Endgeräten. Neben dem, was am besten für das aktuelle Lern-Setting wäre spielen ganz andere Fragestellungen noch eine Rolle: Muss das vielleicht mal noch jemand lesen? Brauche ich das auch auf anderen Geräten? Wo bin ich gerade? Wie lange dauert es, bis ich die eben in die Maschine geworfene Wäsche aufhängen muss (also wie lange habe ich jetzt noch Zeit)..?

Ich kann also so oder so nur einen Ausschnitt betrachten. Und was läge da näher, das für mich auf den SOOC13 einzuschränken. Nun mag man sich streiten, ob das eine Lern- oder Arbeitsumgebung ist. Da es mein erster MOOC ist, den ich mit veranstalte ist es aber sicher eine Mischung aus beidem. In einem zweiten Schritt schränke ich das mal noch auf ein Werkzeug ein: meinen Browser. Ich arbeite insbesondere durch die verschiedenen Endgeräte, die ich nutze, sehr viel mit webbasierten Anwendungen, daher ist für mich der Browser eines der wichtigsten Werkzeuge überhaupt.

Mein Browser als Ausschnitt meiner SOOC13-PLE

Ich habe mal versucht, alle relevanten Webtools zu öffnen, die ich im Browser aufrufe und so sieht das dann in meiner Task-Leiste aus:

Und außerhalb des Browsers?

Sehr viele dieser Anwendungen, nämlich Astrid, Google Kalender, WordPress, Fleedly, Pocket, Hootsuite/Tweakdeck, Google+, Google Drive, Evernote) habe ich als App. Dass es eine solche App gibt (in meinem Fall für Android) gibt, ist für mich häufig ein Kriterium, wenn ich mir ein Tool aussuche. Außerdem gibt es ja noch ein paar Desktop- und RL-Anwendungen, die ich im Rahmen des SOOC13 einsetze:

Weitere Termine und Aufgaben verwalten, Notizen machen

PostIts und Notizbücher nutze ich tatsächlich noch, vor allem wenn das Mitschreiben per Hand einfacher und schneller geht als mit dem Rechnerm, weil man flexibler sein kann. Ich verwende sie daher beispielsweise zum Mitschreiben bei Telefonaten und Meetings. Wichtige Aufgaben klebe ich mir an die Tastatur, damit sie mich bald stören.

Weitere Reflexionsmöglichkeiten für mich

Wie oben beschrieben, verwende ich den SOOC13 auch, um das Modul 3 im Zertifikatsprogramm abzuschließen. Daher muss ich (notgedrungen) auf eine Word-Datei zurückgreifen – eine Abgabe des Blogs als ePortfolio war bereits im ersten Modul nicht möglich 😦 Haben es die SOOC-Teilnehmer da gut.

Weitere Austauschmöglichkeiten

Und dennoch brauchen wir im SOOC13 noch E-Mails (hier nutze ich Thunderbird), Skype, GoogleTalk (jetzt heißt der ja Hangout) und wenn Fragen schnell geklärt werden können: das Telefon.

Weitere Möglichkeiten, Notizen zu machen

Erste Ideen, bspw. zu Flipcharts oder Visualisierungen, landen bei mir oft auf Notizbüchern und -blöcken, die bei mir auf dem Schreibtisch verteilt liegen.

Weitere Beschaffungsquellen für Bilder

Mit dem Smartphone habe ich auch immer einen Fotoapparat dabei. So können Sachen schnell aufgenommen werden, seien es Situationen, Flipcharts, handgeschrieben Notizen (die hänge ich dann an eine Evernote-Notiz, damit ich sie besser wiederfinden kann)…

Und wo ist meine PLE zu finden?

Neben meinen beiden Schreibtischen (im Büro und zu Hause) bin ich eigentlich immer wenigstens mit dem Smartphone unterwegs. Durch viele automatisch synchronisierenden Anwendungen unterscheidet sich der Zugriff auf die Daten und Dienste kaum, nur die Eingabe ist oft nicht ganz so komfortabel wie an einer “richtigen” Tastatur.

Eine meiner liebsten physischen PLEs ist aber mein Bett und wie man sieht habe ich auch dieses mit Erweiterungen ausgestattet, um auch hier möglichst problemlos an alle Informationen zu gelangen 🙂

Mein Bett-Buttler

Mein Bett-Buttler (Foto privat)