Learning Analytics und was ich mir davon verspreche

Bei den ersten Beiträgen zum Teilthema Learning Analytics des aktuellen (und letzten :'() Themenblock im SOOC1314 lese ich öfter heraus: Das scheint eine gute Idee zu sein, da auch der Lernprozess in Benotungen mit eingehen kann und nicht nur das Ergebnis der Abschlussprüfung. Dazu habe ich in den Kommentaren bereits mehrmals “ja aber” gesagt, sodass ich mich irgendwie zu einer zentralen Stellungnahme genötigt fühle. Da meine Meinung vielleicht nicht sehr kuschelpädagogisch ausgerichtet ist, tue ich das hier und nicht auf dem offiziellen SOOC1314-Blog.

Nein, ich will keine persönlichen Lernfortschritte benoten!

Den Lernprozess in die Benotung mit einbeziehen. Den persönlichen Fortschritt in den Vordergrund rücken. Das alles klingt aus Potentialbetrachtungen für Learning Analytics oft hervor. Auch einige SOOC-Teilnehmende haben darüber geschrieben. Aus Sicht der Hochschullehre muss ich (außerhalb der Softskill-Vermittlung) aber sagen: Welche persönliche Entwicklung ein Studierender genommen hat kann mir eigentlich Schnuppe sein. Ja, natürlich freue ich mich, wenn gerade anfangs schwache Studierende Fortschritte machen, aber es kommt darauf an, dass die Studierenden am Ende die Kompetenzen vorweisen können – egal wie schlecht sie vorher waren.

Ganz salopp gesagt: Nur, weil jemand vorher kein Blut sehen konnte und bei jedem Pflaster wechseln umfiel, kann ich ihm kein Arzt-Studienabschluss geben, wenn er dann wenigstens ein Zäpfchen setzen kann. Die Studienabschlüsse rufen bestimmte Vorstellungen hervor, was jemand damit können sollte. Ein Arzt sollte Krankheiten behandeln, ein Anwalt Gesetzte interpretieren und ein Lehramtler für Mathe auch Integralrechnung beherrschen. Was nützt es da, wenn ich anhand diverser Learning-Analytics-Tools sagen kann: “hey, vorher war der/die noch viel unfähiger”? Nein: Noten anhand von Learning-Analytics-Ergebnissen will ich nicht vergeben.

Aber wofür ist es dann sinnvoll?

Nicht den Lernprozess benoten: einschätzen würde ich ihn gern können. Was haben die Studierenden verstanden? Was nicht? Wo sollte ich noch einmal nachhaken? Schon in Präsenzveranstaltungen bekommt man ja wenig Feedback der Studierenden. Zeit für begleitende Evaluationen ist nicht vorhanden. Woher soll ich das also wissen? Noch schwerer ist es bei Online-Kursen, an denen die Teilnehmenden zeitunabhängig teilnehmen. Kommen sie gut voran? Haben sie Probleme mit den Inhalten? Wenn ja, mit welchen? Welche Inhalte sind gut?

modern times illustration by hikingartist (CC-BY-NC-ND)

Aber natürlich gibt es noch mehr Potentiale, gerade wenn man die Netzwerkanalyse anschaut: Wer arbeitet mit wem zusammen? Wer hilft den anderen im Forum bei Fragen? U.v.m. Lerarning Analytics ist aktuell heiß im Horizon Report 2014 platziert worden. Wir dürfen also noch einiges erwarten.

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Frontal ist für alle einfacher… aber ist es auch besser?

Der erste Themenblock des SOOC13 ist vorbei und ich bin überwältigt von der Erfahrung aus Gastgebersicht – positiv wie kritisch. Der Trick, damit ich nachher mit dem Positiven schließen kann: ich fange mit den kritischen Aspekten an. Diese sind nicht immer “negativ” im Sinne von schlecht, aber sie sind kritisch und daher beschäftigen sie mich vermutlich sogar länger, als die begeisterten Beiträge, von denen auch ich begeistert bin und zehren kann.

tl;dr

Es folgen oft unbeantwortete Gedanken zu: Soll ich auf Beiträge immer reagieren (müssen)? Wann kann und muss ich mich heraushalten um andere Teilnehmer nicht zu hemmen? Warum mache ich das hier? Wie kann der SOOC13 besser werden?

MOOCs in der Hochschullehre

Etwa zu dem Zeitpunkt als wir wussten, dass der SOOC13 im Rahmen eines LiT-Projekts vom HDS gefördert werden wird, startete der MMC13, der MOOC Maker Course, also ein MOOC darüber, wie man einen MOOC gastgibt. Es hätte keinen idealeren Zeitpunkt geben können (danke noch einmal an Monika König, Dörte Giebel und Heinz Wittenbrink). Wie in einem MOOC üblich habe ich mal mehr, mal weniger teilgenommen, aber stets versucht, die aktuellen Diskussionen zu verfolgen. Die “Überforderung” kannte ich schon aus dem OPCO11, damit wusste ich, wie man ohne schlechtes Gewissen die Twitter-Timeline schnell nach oben scrollt. Nun aber bin ich selbst “MOOC Maker”…

[tweet https://twitter.com/anjalorenz/status/337786324130074624]

Ich werde die Veröffentlichung dieses Posts irgendwann auf den Sonntag legen, damit ich das letzte Wort habe 😉 Dennoch möchte ich nicht verheimlichen: Es ist jetzt kurz nach 1 Uhr nachts an einem Freitag Abend, ich habe am Sonntag eine Deadline für ein Poster, ich habe ein (sehr intensives und zufriedenstellendes) Privatleben und mich lässt der SOOC13 jetzt trotzdem nicht los. Insbesondere, weil die Teilnehmer nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der Meta-Ebene über MOOCs schreiben. Hier ein paar Beispiele herausgegriffen:

  1. Über MOOCs und Motivation von secalcesal
  2. Die letzten Beiträge der SOOC13 Labrats (1,2,3) (toller Name für einen Blog und sehr cool, dass sich hier gleich zwei Teilnehmer im Blog zusammengeschlossen haben)

Studenten als spezielle Zielgruppe

Seit dem ich diese Posts gelesen habe, überlege ich, ob ich darauf antworten soll und vielleicht sogar müsste. Oder aber: ist es etwa kontraproduktiv, denn ich könnte wertvolle Kommentare anderer Teilnehmer hemmen, wenn ich hier antworte, immerhin gelte ich als Gastgeber. Auch die MMC13-Crew hatte dieses Phänomen erlebt. Aber wir haben im SOOC13 noch eine zusätzliche Komponente: Wir haben Studierende, die ggf. CPs erhalten wollen. Wenn ich als 0815-Teilnehmer in einem MOOC keine Zeit habe (wie aktuell leider beim COER13), dann lasse ich es einfach wieder. Keine Konsequenzen. Aber für Studierende gibt es da noch ein paar andere Motivatoren: Wenn sie abbrechen, bekommen sie die CPs nicht und dann war das Semester in diesem Modul vielleicht “verschenkt”. Daher ist es durchaus möglich, dass Studenten sich pragmatisch für den SOOC13 entschieden haben – für den Schein eben (kritisiert und diskutiert hier).

Ganz ehrlich, ich selbst war doch teilweise auch so. Ich habe damals folgendermaßen mein Hauptseminar ausgewählt: in meiner Stundenplanung war der Mittwoch noch frei. Und es gibt ja wohl kaum etwas blöderes. Montag frei, Freitag frei, das mag alles sehr angenehm sein, aber Mittwoch? Als einzige infrage kommende Lehrveranstaltung gab es ein Hauptseminar “Aktuelle Forschungsfelder im eLearning”. Ich hatte zwar noch kein Proseminar gemacht, aber was soll’s. Ältere Studenten sagten mir, dass das kein großer Unterschied ist, die Betreuer haben mir empfohlen zu überlegen, ob ich schon so weit wäre. Und das Ergebnis? Ich fand es spannend, habe bei der gleichen Betreuerin meinen Großen Beleg und meine Diplomarbeit geschrieben und letztere später veröffentlicht (IADIS eSociety in Porto, ITSE). Ein glücklicher Zufall? Vielleicht und wahrscheinlich. Fazit: Ich kann die stundenplangetriebene Auswahl von Lehrveranstaltungen durchaus verstehen.

Ich kann auch verstehen, wenn es nicht so läuft und man das Thema auch mal “absitzt”. Wie secalcesal schreibt: Man kann kein Interesse verlangen. Man kann es versuchen zu wecken, aber es wird ggf. nicht alle mitnehmen. Und die Personen, die “nur den Schein” wollen, sollen das auch durchaus dürfen, ebenso wie in einer “normalen” Uni-Veranstaltung. Hier spare ich mir die Frage, warum der Kurs belegt wird oft: Er steht im Stundenplan, eine Anrechnung vielleicht anderer interessanterer Kurse macht Arbeit, also sind die Studenten da. Da habe ich auch die komplette Bandbreite vor mir. Und das merke ich auch.

Hochschullehrende als spezielle Gastgeber

Ich habe einige Weiterbildungen im hochschuldidaktischen Bereich besucht und auch der SOOC13 ist für mich eine selbstorganisierte Weiterbildung (die ich mir übrigens im Modul 3 des HDS-Zertifikatprogramms anrechnen lassen will). Warum mache ich das? Wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich vor Studenten zu stellen, dann kann ich das auch so machen, dass es wenigsten mir ein wenig Spaß macht, im Idealfall sogar den Studenten. Im Modul 1 des HDS-Zertifikatsprogramms sagte eine Teilnehmerin:

“Frontalunterricht ist für alle leichter.”

Und recht hat sie: Ich kann meinen Monolog halten, alle schreiben die wichtigsten Sachen mit. Wenn ich nett bin, sage ich auch, was in der Prüfung wahrscheinlich drankommen könnte. Die Studenten haben dann einen sehr detaillierten Katalog möglicher Prüfungsfragen. Wenn ich auch nur diese nehme dann werden vermutlich alle Studenten gut abschneiden.

Classroom, ca. 1901 von City of Boston Archives (CC-BY)

Das “Problem” ist: Um Monologe zu halten, brauche ich keine Studenten vor mir. Die kann ich hier im Blog festhalten. Oder als Video aufnehmen. Oder Audioboo. Ich kenne diese Medien doch. Ich will aber: Interaktion, Feedback, neue Ideen, Meinungen, Diskussionen motivieren. Hoschulabsolventen sollen sich doch auch Meinungen selbst bilden und diese artikulieren und diskutieren können. Vielleicht will jemand selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter werden und muss dann Lehre übernehmen. Dann sollte er vielleicht auch andere Methoden kennen als Frontalunterricht, oder?

Daher ist der MOOC für mich auch so ein einnehmendes Erlebnis, hier habe ich das alles in ausgiebiger Form. Aber wie auch in anderen Lehrveranstaltungen gilt: Ich mache mir keine Illusion, dass alle mitmachen. Es werden auch einige aussteigen oder vielleicht schon ausgestiegen sein. Ich will gern denjenigen helfen, die es schwer haben, aber wenn jemand feststellt, dass der SOOC13 nicht zu ihm passt, dann finde ich es auch ok, wenn er aussteigt oder nur das Nötigste zum “Bestehen” macht.

Und nur zur Transparenzschaffung: Die Förderung des HDS bezahlt “lediglich” unsere WHKs. Darüber freuen wir uns sehr. Aber das heißt auch, dass der SOOC13 eher ein “Freizeitprojekt” von uns ist, denn wir sind auch in anderen Projekten und Stellen eingebunden. Also warum tun wir das? Weil MOOCs schlichtweg gerade DAS Thema sind und auch wir es nur erleben können, wenn wir es selbst ausprobieren. Alle reden über die Einbindung in die Hochschulen: wir tun es.

Interaktivität als Problem?

Und nun lese ich diese ersten Auseinandersetzungen mit dem Format. Zunächst einmal: Ich finde das gut. Diese Kritiken zeigen die aktive Auseinandersetzung. Die Autoren sind keineswegs “faule Nörgler”, sondern kritische Teilnehmer, die nicht einfach nur machen wollen, was die CP-Anforderungen verlangen, sondern das Format beschäftigt sie. Und das tw. mehr, als sie das erwartet haben und selbst wollen.

“Aus besagtem Le[hrer]professionalitätskurs gehe ich raus, schließe die Kurstür hinter mir und habe dann die Möglichkeit, die Gedanken daran zu beenden. […] Die Leistung, auf die es nun mal ankommt (vgl. sooclis Beitrag oder die Diskussion hier), wird hauptsächlich in dem Seminar selbst abgeleistet oder in einer Klausur zu einem festgelegten Zeitpunkt oder in einer Ausarbeitung (die auch wiederum in sich selbst begrenzt ist). Die Kurse sind begrenzt und die Möglichkeit der Auseinandersetzung ist es auch.

Sooc: Der Sooc hat keine Grenzen und auch die für den Schein benötigte Leistungsanforderung ist nicht wirklich klar (mir zumindest). Durch Twitter und den eigenen Blog ist man ständig in irgendeiner Art und Weise verbunden. […] Es stellt sich eine schwache Art der mentalen Abhängigkeit ein, die mir absolut nicht gefällt. ” (Quelle)

Ein wenig freut es mich ja, dass wir die Teilnehmer mental bei der Stange halten können, ich befürchte aber, dass das polemisch klingt und das soll es nicht. Wir haben es als Lehrende geschafft, dass Ihr über die Kursinhalte nachdenkt und das auch außerhalb des Kurses? Yeah!

Aber ich kann verstehen, was das Problem ist: Es dringt in Bereich, die bisher vom Hochschulalltag ausgeschlossen waren. Aber was war noch einmal Ziel des Kurses?

“Soziale Medien, wie Facebook, Twitter, Skype oder Google+, gehören heute zum Alltag vieler Studierender. Dabei ist nur den Wenigsten wirklich bewusst, dass diese nicht nur unterhaltenden Charakter haben, sondern ein ganz neues Potenzial entfalten, wenn Sie gezielt zur Unterstützung von Lernprozessen genutzt werden.” (Quelle)

Dieser Text war einer der ersten, der auf den Kursseiten veröffentlich wurde. Wir wollten genau das im SOOC13 diskutieren. Auch deshalb haben wir für den dritten Themenblock die Konsequenzen des Lernens im Netz aufgenommen: Das alles ist nicht einfach. Es ist nicht so leicht wie Frontalunterricht. Und NIEMAND hat bisher dafür eine Lösung gefunden, die dennoch allen Ansprüchen genügt. Wir bieten die Chance, sich mit unserer Unterstützung im Social Web auszuprobieren und die Möglichkeiten aber auch Gefahren für sich zu entdecken. Ob man diese Möglichkeiten dann weiterhin nutzt, das liegt bei jedem selbst. Aber auch wenn sich die Teilnehmer gegen die ein oder andere Komponente entscheiden, dann können sie diese Entscheidung (hoffentlich) durchaus begründen. Es ist eine Entscheidung, die nach einer aktiven Auseinandersetzung getroffen wurde und nicht aus Angst oder Desinteresse.

Nur lesen, nicht kommentieren?

Aber soll ich nun etwas in den Kommentaren hinterlassen? Als Teilnehmer hätte ich es bestimmt. Aber ich bin auch Gastgeber. Sobald von mir dort irgendetwas steht, werden andere vielleicht gehemmt, hier auch Kommentare zu verfassen. Aber wenn ich keinen Kommentar hinterlasse, denken die Teilnehmer vielleicht, es wäre mir egal oder ich hätte den Kommentar nicht gesehen. Wie die Labrats richtig erkannt haben:

Anja Lorenz und Co. nehmen diese Distanzlosigkeit ja  bewusst in Kauf bzw. haben sich von vornherein (so scheint es) darauf eingestellt. Das ist ok und hier auch ganz praktisch (auch wenn ich immer noch unsicher bin ob ich duzen oder Siezen oder was auch immer soll… scheint auch irgendwie egal zu sein).

Erst einmal: Das Du oder Sie ist mir persönlich egal. Und ja: wir haben uns im Vorfeld darüber unterhalten und gerade weil Nina Kahnwald doch gerade Jun.-Prof. geworden ist, lag das “Sie” nahe. Aber ich halte es oft nicht durch. Auch, weil ich einige SOOC13-TN  schon kenne. Asche auf mein Haupt.

Aber genau diese “Distanzlosigkeit” macht es auch, dass ich hier nachts noch drüber nachdenke, ob und was wir tun können, um die Erfahrungen der Teilnehmer zu verbessern, ohne auf das offene Konzept zu verzichten. Daher: Helft uns! Was macht den SOOC13 besser?

Was der erste Themenblock gebracht hat

Natürlich werkeln wir an den Baustellen herum. Aber es ist so viel toller Input zum SOOC13 gekommen: Die PLEs. Das conexperiment und dessen Reflexion – vor allem, warum es oft nicht geklappt hat. Außerdem gab es in Vorbereitung auf den zweiten Themenblock eine Blogparade, deren Rückmeldungen ich schlichtweg überwältigend fand.

“[…] Nur bemerke ich gerade, dass die Beschäftigung trotz des Zeitaufwandes eine große Bereicherung für mich ist. […] ich kann nur sagen, dass ich in vielen Kursen in denen ich länger sitze, als ich mich mit meinem Blog beschäftige, weniger Wissens- und Erfahrungszuwachs mitnehme als hier. Ich versuche durch meine strengen Zeitvorgaben meine eigenen Leerzeiten einzubauen und mit dem Druck, den ich übrigens auch in mir spüre umzugehen. Ich finde genau dieses Gefühl gerade als sehr spannend und beobachte meine eigenen Entwicklungen.” (Quelle)

Warum ich blogge

Ich habe überlegt, ob ich auch selbst an der Blogparade teilnehmen soll. Aber schickt sich das als Gastgeber (mal abgesehen, dass ich keine Zeit habe… nein, falsch,ich setze derzeit andere Prioritäten, vor allem für den SOOC13)? Letztendlich blogge ich genau aus diesen Gründen hier (ist quasi ein Action-SelfResearch-Beitrag): Ich will mir etwas von der Seele schreiben und ev. sogar Feedback bekommen. Dafür nehme ich mir (im Gegensatz zu Twitter u.ä.) etwas länger Zeit. Ich halte hier einen Monolog “damit die Welt es weiß”. Und damit ich es wiederfinden kann (wie bspw. den Beitrag zu OER in Sachsen). Ab und zu kündige ich in Blogposts auch etwas an und nutze das rein als Push-Medium.

Mein Problem ist eher: Was blogge ich wo? Bin ich gerade SOOC13-Gastgeberin oder kritische Social Media Nutzerin, geht es um Lehrexperimente, meinen Verein oder ist das nur eine subjektive Aussage von mir selbst?

Vermutlich liest diesen Beitrag keiner komplett (er ist ja auch sehr lang geworden). Aber mir geht es jetzt besser 🙂

Leseempfehlung

Durch die Blogparade bin ich verstärkt auf den Seiten von Jean-Pol Marting unterwegs. Er formuliert die Informationsverarbeitung nicht etwa als etwas Schlechtes (Stichwort “Information Overload”), sondern als ein Grundbedürfnis: http://jeanpol.wordpress.com/2009/12/31/informationsverarbeitung-als-grundbedurfnis/ Ich bin beruhigt.

Educamp Ilmenau #ecil12 – Meine Session zum Tracking von L3T/OER

Ich kam mir ja schon fast wie auf Werbetour vor (das war auch ein wenig beabsichtigt, den ich halte es nach wie vor für ein tolles Projekt): Ich hatte das L3T-Konferenzbuch und auch ein paar Flyer dabei, um das Buch im Vorfelde der Session bekannt zu machen. Denn obwohl recht viel dazu gelaufen ist, ist es an vielen bislang noch vorbei gegangen. Und was bei den Herausgebern vor allem vorbeigeht ist der Einsatz des Buches, der Kapitel, der Aufgaben.

Die Session wurde angekündigt und am Samstag eingetaktet. Wie beim OERCamp sollte Martin (@mebner) per Google+Hangout hinzukommen, ich habe dieses mal vor Ort moderiert. Die Session habe ich anschließend in einem Kurzvideo so zusammengefasst:

Noch einmal zu den beiden Hauptpunkten:

  • Feedback wird nicht gegeben, weil zunächst die offenkundige Aufforderung fehlt (selbst ich hatte Schwierigkeiten in der Session, die genutzten Social-Media-Verlinkungen zu finde). Aber vor allem ist es auch nicht üblich, einem Herausgeber oder Autoren Feedback zu geben. Wir schimpfen zwar über schlechte Lehrbücher, aber wer hat sich denn schon einmal an die Herausgeber oder die Urheber direkt gewandt? Ist das eine Mentalitätsfrage oder muss/kann es noch irgendwie unterstützt werden?
  • Obwohl OER unter CC-Lizenz stehen ist “remix & share” trotzdem befremdlich, d.h. als Buch angelegtes OER zu “zerschneiden”, indem man einzelne Teile herauslöst, ggf. anpasst oder neu zusammensetzt. Martin meint schon seit einer ganzen Weile, dass das PDF nicht alles sein kann und das hat sich hier bestätigt. Warum sollte man auf einmal anfangen, mit einem digitalen Lehrtext anders umzugehen, als mit einem Buch? Die Antwort muss sein: weil es geht. Und dafür muss es aber auch gehen. Aber nicht nur die technische Frage nach dem richtigen Format stellt sich hier, sondern auch eine ideelle. Ich habe sogar das Gefühl, dass gerade dadurch, dass L3T durch einige Stufen zur Qualitätssicherung gegangen ist, ist einde höhere Hürde dabei, es zu verändern.

Die Session selbst empfand ich als sehr produktiv, es wurden wesentliche Schwachpunkte identifiziert und die Reaktionen zeigten, dass wir manchmal wohl doch in solchen Projekten drinstecken. Ich war hinterher ganz schön platt: Gleichzeitig moderieren und inhaltlich mitziehen (noch dazu bin war ich ja auch ein wenig aufgeregt) zusammen mit den anderen Sessions war nicht ohne. Aber ich war doch überrascht, wie gut der/die/das Hangout funktioniert hatte.

Für die angesprochene Neuauflage gibt es auch schon einen Aufruf, wie verwöhnt als Video:

Mission L3T 2.0 von Martin Ebner (CC-BY)

Educamp Ilmenau #ecil12 – Die Sessions

Ich hatte versucht, diese Beschreibung in dem “allgemeinen” Post unterzubringen, aber der wäre ja selbst mir so zu lang. Daher lagere ich das aus und jeder mag bitte nur die Sessions lesen, die für ihn interessant sind. Die Session-Matrix mit Pads und Videos ist hier zu finden.

Wir waren zwar schon Freitag da, haben das aber eher zum WarmUp genutzt. Für die EduHacks waren wir ein wenig spät, daher hatten wir uns erst zu einer YERC-Session gesellt, anschließend bei einem Projekt Mäuschen gespielt. Richtig reinkommen konnten wir nicht mehr, aber mit einigen Leuten sprechen und auch bekannte Gesichter von verschiedenen Veranstaltungen wiedersehen. Das abendliche Quiz nach Kneipenquiz-Charakter war ein netter Einstieg und auch ein Ausstieg aus dem doch recht langen Tag.

Samstag

Sketchnotes (by @ralfa): Trotz der parallel stattfindenden Session zur “Digitalen Demenz” war diese Session quasi ein Muss. Ich hatte hier im Blog ja bereits meine ersten Erfahrungen damit gepostet, da musste ich an der Session des “Meisters” teilnehmen. Die Faszination für das Thema hat bei mir noch nicht abgenommen, vor allem seit dem ich weiß, dass es hier überhaupt nicht darauf ankommt, ob man malen kann. In den darauf folgenden Sessions habe ich dann auch versucht, mich zum Sketchnoting “zu zwingen” (wobei der Zwang überhaupt kein Opfer war).

Akademie 2.0 (by @RonaldHindmarsh): Hier wurde eine Idee vorgestellt, wie die Erwachsenenbildung (?) besser gestaltet werden kann. Unter Einbindung aller “Ideale”, darunter Kompetenzprofile statt Zertifizierung oder Lerncoaches statt Lehrende, wurde überlegt, wie diese Akademie aussehen soll. Ich mag die Vorstellung sehr, kam mir in der Session dann aber doch wie ein “Spielverderber” vor. Aus dem im Vorfeld dazu stattfindenden EduHack-Projekt wusste ich, dass hier durchaus über ein konkretes Vorhaben gesprochen werden sollte. Aber wie sollen die Kompetenzprofile von Personalmanagern ausgewertet werden, wenn diese hunderte auf dem Tisch haben? Wie sollen Lehrende die individuelle Bewertung ermöglichen, wenn es sehr viele Lernende werden? Warum überhaupt einen Rahmen, wenn die Projektgruppen fast ohne institutionale Vorgaben laufen sollen? Ich denke, es ist wirklich eine gute Idee und habe es ein wenig mit den Open Courses oder UnUni.tv verglichen. Aber die “Keule der Realität” (siehe Sketchnote) muss hier einfach noch überwunden werden. Ich bin gespannt, wie das gelingt (das “ob” stelle ich bei den Session-Leitern mal nicht infrage).

L3T/OER-Tracking (by ME): …war meine Session, dazu muss ich mal separat was bloggen…

Etherpads @ Hochschule (by @GregoryGrund): Ich hatte in einer Vorlesungseinheit ja auch mal versucht, Etherpads zum gemeinsamen Notizenmachen einzusetzen, was vor allem deshalb gescheitert war, weil nur drei Studierende einen Laptop dabei hatten. Daher hatte mich interessiert, wie andere Lehrende das einsetzen. In Gregorys Setting waren bereits Rechner im Raum – so simpel, so einleuchtend. Allerdings haben auch ihm Studierende erzählt, sie würden durch die Multitasking-Anforderungen zu sehr abgelenkt und somit gestört werden. Und so wurde die Session zu einem Erfahrungsaustausch mit vielen Beispielen der Teilgeber und vielleicht sollte es doch noch einmal versuchen. Allerdings haben Etherpads derzeit ein Problem, dass sich auch auf die Dokumentation des EduCamps auswirkte: Mit Smartphones und Tablets ist das Schreiben darin der absolute Rotz (daher hier auch der Versuch einer etwas umfangreicheren Sessionbeschreibung).

Vision eines Ingenieurstudiums (by @alextee): Alex versucht als Pädagoge gerade in seinem neuen Job das Ingenieurstudium zu verbessern. Damit erlebt steht er verglichen mit mir fast auf der anderen Seite: Während ich versuche, “informatikfernen” Studenten eben dieses Verständnis wenigstens im wesentlichen zu vermitteln und dafür pädagogische Konzepte in mich aufsauge kennt Alex diese schon, muss nun aber verstehen, wie die Ingenieure so ticken. Er sieht sich mit den “ist schon immer so gewesen”-Argumenten konfrontiert und muss sicher an den ein oder anderen angestaubten Lehrkonzepten vorbei. Interessanter neuer Job und ich wünsche Ihm, dass ihm die Session dabei hilft.

Mister X  mobile (by @herrwarteberg): Nach den vier austauschreichen Sessions war ich nicht nur kopfmatsche, sondern konnte kaum noch sitzen. Da war diese “Session” ganz recht. Kurz: wir hatten die App getestet und viel Spaß dabei. Außerdem waren wir draußen und konnten den schönen Sonnenuntergang sehen.

Am Abend wurden die EduHack-Projekte vorgestellt und ein “Gewinner” gekührt. In der Zeit bis zur Party im BD-Club waren wir zufällig noch zur Diskussion um die “Bildungs-Wikis” WikiVersity und ZUM-Wiki gestoßen, nachdem wir den Tweet gelesen hatten.

Dabei war mir bisher überhaupt nicht bewusst, dass das ZUM-Wiki garnicht zur Wikimedia-Familie gehört und nur von einer Hand voll Leuten getragen wird. So ein tolles Projekt, as braucht dringend unterstützer (vorrangig auf Lehrerseite, *zwinker zwinker* @Kai_Obi).

Party war gut 🙂

Sonntag

Bildungsutopia (by @FrauFridur): Die Session fiel mir im Vorfeld schon auf, weil sie so “rumspinnerisch” daherkam – und da bin ich ja schnell dabei. Unter der theatererfahrenen @lammatini (die später noch eine supertolle Session gehalten haben muss, zu der ich leider nicht war) haben wir versucht, dem Lerner von heute und morgen ein Denkmal zu setzen.

Die anderen haben in einem beeindruckenden Tafelbild Ihre Vision zusammengesponnen und sehr viele wichtige Punkte erfasst. Ich hätte gern die Diskussion und den Entstehungsprozess darum mitbekommen, ebenso wie ich unsere Vorstellungen gern noch mit weiteren Teilnehmern diskutiert hätte. Eine Zusammenfassung von @FrauFridur gibt es hier. Aber so sind wirklich tolle Visionen herausgekommen, ganz ohne die realen Schranken und Keulen, denen sich so reale Vorhaben wie die Akademie 2.0 stellen muss.

Du darfst – Urheberrecht (by @ralfh): Der §52a UrhG wird uns noch Ärger machen, genauer gsagt desse Befristung. Wenn nicht jetzt, dann später. Aber so hatte Ralf den Vorschlag, statt dauernd auf Verbote und Ängste einzugehen einfach mal zusammenzutragen, was denn erlaubt ist. Natürlich haben sich die Diskussionen dann doch schnell um Detailfragen gedreht, der Anfang und vielleicht schon ein zweiter Schritt sind aber gemacht und ich hoffe, hier noch davon hören zu können, vielleicht sogar mitzuwirken.

Format BarCamp (by @lina21): Als Abschlussession nur folgerichtig ist die Frage, in welchen Settings man das BarCamp-Format noch einsetzen kann. Frauke hat dazu aus Ihren Erfahrungen im Job und in der Vereinsarbeit berichtet. Vielleicht ist es ja doch etwas auch für die @chembows

Educamp Ilmenau #ecil12

Ich mag dieses Bild. Es ist bei der Session von @FrauFridur zur Bildungsutopie entstanden und zeigt dabei so viele Aspekte des EduCamps.

Nach den EduCamps in Bremen und Köln war das 10. EduCamp in Ilmenau also mein drittes EduCamp – und dabei das erste, das ich nur zum “Selbstzweck” besucht habe (die anderen beiden konnte ich mit der MLCB11 bzw. der DGI12 verbinden). Ich gehöre also nicht zu den “alten Hasen”, bin aber auch kein Newbie mehr und durchaus mit den Regeln des EduCamp-Prinzips vertraut (@gibro und @empeiria haben in ihren Blogs noch einmal daran erinnert). Ich hatte im Vorfeld ein paar Sessions im Forum vorgeschlagen, mit- und andiskutiert, wollte mir aber bewusst sehr kurzfristig überlegen, ob und was ich dann tatsächlich anbieten soll. Denn das ist einer der Punkte an einem EduCamp, den ich besonders schätze: die Möglichkeit, (subjektiv) aktuelle Themen vorzuschlagen und in einer stark interdisziplinären Community diskutieren zu können.

Mir ist der Thüringer Wald eigentlich sehr gut bekannt (jahrelang haben wir Silvester in Suhl verbracht und kennen auch Oberhof, Sonneberg, Meiningen, Ohrdruff, Lauscha, Gotha u.v.m.), nach Ilmenau hatte es uns aber noch nicht verschlagen. Aber es ist sehr schön hier und das bei diesem Wetter: 25°C im Oktober! Ilmenau war Ausrichter des ersten und dritten EduCamps, die ich aber zum Vergleich nicht heranziehen kann (ist also nur für die Statistik). Die Ausrichtung in einer Uni hat schonmal einen Vorteil: Es gibt Eduroam, für die quasi überlebenswichtige WLAN-Verbindung ist also gesorgt. Ebenso waren alle Räume mit Beamer und Tafel ausgestattet. Die Infrastruktur zusammen mit der tollen Orga und den Helfern bot ein ideales Umfeld für das EduCamp.

Die Beschreibung der Sessions ist mir jetzt irgendwie ausgeartet, die kommt noch einmal hier.

Na dann geht es los: 5-Finger-Feedback!

Daumen: Das wa super! Das Organisationsteam und vor allem die vielen Helfer waren unschlagbar: Egal wie oft man doch noch mal an seine Tasche musste oder ob man Hilfe bei der Raumtechnik brauchte: die vermutlich überwiegend Studenten waren immer freundlich, locker und hilfsbereit und es war auch immer etwas Zeit, sich persönlich noch einmal auszutauschen. Die Themen waren aus meiner Perspektive abwechslungsreich und ich hatte oft auch Probleme, mich für eine Session zu entscheiden.

Zeigefinger: Das könnte man besser machen! Nun folgt “Meckern auf hohem Niveau”. Das Quiz am Freitag war gut und für Nicht-Kneipenquiz’ler war es sicher auch schwer genug. Sollte man sowas wiederholen wollen (und für eine spielerische Quizzerei wäre ich auf alle Fälle) kann man sich bspw. mal an Bildungsthemen oder stärker noch örtliche Gegebenheiten herantrauen. Am Sonntag fehlte die Vorstellungsrunde und auch die Newbie-Begleitung schien nicht vorhanden bzw. nur individuell organisiert gewesen zu sein. Ja klar, ich habe es damals auch ohne geschafft, aber ich fand das Angebot in Köln (?) sehr gut und würde mich gern da auch selbst einbringen (ich brauche aber vermutlich vor dem #echh13 eine Erinnerung).

Mittelfinger: Das hat mir gar nicht gefallen! Eigentlich möchte ich gar nicht mehr so viel dazu sagen, hier wird an anderer Stelle genug diskutiert. Vielleicht allgemein: Diskussionen sollten zu jedem Zeitpunkt konstruktiv geführt werden. So wie das bei @jmm_hamburg gelaufen ist: es hat ihn etwas gestört und das ganze war dann Anlass zu einer Session. Ohne böses Blut, aber um dennoch darauf hinzuweisen. Und ich kann nur noch einmal betonen: Ich fände einen Crowdfunding-Versuch gut und interessant, sehe aber auch Gefahren, dass es nicht klappen könnte. Einfach hinschmeißen erspart diese Herausforderung.

Ringfinger: Das nehme ich mit! Ich werde Sketchnotes weiter verfolgen und wo es geht ausprobieren. Ich werde die Akademie 2.0 soweit es geht verfolgen, ich bin gespannt, wie sich dieses Projekt weiterentwickelt. Ich werden versuchen, am L3T 2.0 mitzuwirken. Ich werde das ZUM-Wiki und die WikiVersity erwähnen, wo ich kann. Ich werde die Bildungsutopie nicht aus den Augen verlieren. Ich werde weiterhin schauen, dass ich andere beim UrhG-konformen Einsatz von Medien helfen kann. Ich werde es hoffentlich schaffen, das BarCamp-Format mal im Verein zu testen. Ich werde die Kontakte aus dem EduCamp halten. Ich werde (hoffentlich) zum @echh13 kommen.

Kleiner Finger: Das ist mir zu kurzgekommen! Bei 30 Sessions hätte ich einige Sessions gern auch noch besucht. Und natürlich hätte ich auch von Ilmenau gern mehr gesehen. Aber ich kann mich nunmal nicht verteilen. Sicher konnte ich auch nicht mit jedem in dem Umfang sprechen, wie ich es mir gewünscht hätte. In anderen Blogs wird der politische Impact des EduCamps thematisiert, aber da sehe ich das anders: Das EduCamp ist keine politische Veranstaltung und soll keine werden. Es geht nicht darum, Meinungen und Haltungen zu diskutieren, es geht auch nicht um richtig und falsch. Es geht um einen Rahmen, in dem  ungezwungen von disziplinären Schranken und konkreten Zielen ein Austausch stattfinden kann. Ohne Vorgaben, ohne nötige Themen, ohne Gewinner und Verlierer, ohne Regierung und Opposition.

Weißt Du noch oder kannst Du nur?

“Es war ein langer Fußweg zurück nach Bad Lamonisch an der Bibber, aber es war ein fröhlicher Fußweg. Freitag holte seine Lieblingsflöte heraus und spielte einen Marsch namens ‘Der Ameisenhäuptling’, während Björn Schneyder alle damit überraschte, dass er sie auf interessante Einzelheiten der Landschaft hinwies und sie im Fürbassschreiten in naturkundlichen Dingen unterrichtete. ‘Seht ihr das?’, sagte er und zeigte auf einen Felsen. ‘Das ist ein Felsen. Und diese farbenfrohen Dinger dort drüben? Man nennt sie Blumen.'”

Andy Stanton & David Tazzyman (2010): Mr Gum und der Mürbekeksmilliardär, Seite 163f. Wunderbar übersetzt von Harry Rowohlt.

Bei diesen Sätzen musste ich an die Tweets mit Christian Spannagel und meinen Gedanken zum anstehenden #opco11-Thema “Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung” denken: Immer wieder hört man von der Wichtigkeit von Soft Skills, und dass mehr Wert auf die Vermittlung von Kompetenzen statt Faktenwissen gelegt werden sollte. In einer Gesellschaft, in der man den Eindruck hat, es hätten mehr Menschen einen Google-Account als einen Bibliotheksausweis, ist der Zugang zu Fakten scheinbar nur eine Frage des richtigen Suchbegriffs. Die wahre Herausforderung liegt heute in allem, was Technologien (noch) nicht können: Fakten zu neuen Erkenntnissen zusammenführen, bewerten und für Andere verständlich aufbereiteten.

Bei der Learntec2010 habe ich einen sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Präsentationsform sehr guten Vortrag von Conrad Wolfram dazu gehört, Kinder sollten Mathematik lernen und nicht Rechnen (Online auf TED). Damals stimmte ich ihm voll und ganz zu und daran hat sich im Prinzip auch nicht viel geändert, bis auf…

In letzter Zeit (auch durch die Beschäftigung mit den Problemen, die durch das Social Web erst entstehen) frage ich mich aber zunehmend, ob uns das Zurückstellen dieser Kenntnisse nicht letztlich doch auf die Füße fällt und die Probleme genau darauf zurückzuführen sind, dass nötige Grundlagen vernachlässigt werden. “Die Jugend von heute kann ja überhaupt nicht mehr richtig Kopfrechnen.” – schon mal gehört oder selbst gedacht? Und wenn ja: Wie befriedigend ist das Argument, dass sie das nicht mehr bräuchten, sie hätten schließlich Computer und Taschenrechner?

Das schwierige daran scheint mir, dass diejenigen, die die Vermittlung von Kompetenzen vor Fakten betonen, diese selbst aber noch gelernt haben. Ich überlege, ob man die Hauptklassen kognitiver Lernziele nach Bloom, also Wissen, Bewertung, Verstehen, Anwendung, Analyse und Synthese (siehe auch hier), ähnlich der Bedurfnispyramide von Maslow sehen MUSS.

Dann nämlich wären die obere Stufen, wie Anwendung und Synthese, erst erreichbar, wenn die unteren Stufen, wie die Wissen und dessen Bewertung, bereits genommen wurden. Praktisch formuliert, kann man in einer Sprache diskutieren, wenn man keine Vokabeln kennt, aber die Grammatik?

Ich danke Christian dafür, dass er genau das zu einem der vielen Teilthemen seines #opco11-Festivals gemacht hat und werde von meiner kurzen Einlage als “Straßenmusikant” nun wieder an “die Bühnen” wechseln.

Wofür bezahlt man im (E-)Learning?

Dörte Giebel hat in ihrem Blogbeitrag zum opco11 Online-Event einige der dort gestellten Fragen aufgegriffen und die Diskussion dazu konkretisiert. Eine davon finde ich besonders wichtig und möchte versuchen, darauf zu antworten:

4. Wofür zahlen Teilnehmer/innen heutzutage: für Content oder Connectivity?

Time is money by Nina Matthews

Time is money by Nina Matthews (CC-BY)

Wenn man es auf das wesentliche beschränkt: Gezahlt wird das, was einem anderen Arbeit bereitet hat. Hat jemand Content erstellt und dafür Zeit und Geld investiert (Tools, Strom, Lizenzen…) oder ein LMS programmiert / angepasst / aufgesetzt um eine Infrastruktur zu bieten: das alles sind Leistungen. Nehme ich das ein oder andere in Anspruch ist es konsequent, dafür auch zu bezahlen. Das ist auch gar nicht negativ gemeint, sondern legitim, schließlich muss der “Lieferant” auch seine Miete, Essen etc. bezahlen.

Fast schon ausschließen möchte ich die Überlegung, ob man für das Netzwerken bezahlt: Wenn das so wäre, könnte ich darauf einen Anspruch erheben. Und was passiert dann, wenn die anderen Teilnehmer nicht sehr kommunikativ sind? Bezahlt man dann mehr, je mehr Teilnehmer mitmachen? Wohl kaum. Communities formieren sich an sehr unterschiedlichen Orten. Wohl aber kann man diesen Ort, also die Infrastruktur bezahlen.

Interessant wird es aber, wenn einer nicht mitspielt. Der Lerner ist da erst einmal weniger gemeint, wir reden mal nicht von “Zechprellern”. Es geht eher um kostenfreie Dienstleistungen, die es vor allem im Content-Bereich unzählige im Internet gibt. Dann nehmen Lerner die Dienste in Anspruch, bezahlen aber nichts. Wie beim Open Course: Hier investiert das Team Zeit und Ressourcen ohne etwas Konkretes (Monetäres) zurückzubekommen (auch, wenn ich sicher bin, dass die Orga immateriell schon etwas davon hat). Die Teilnehmer scheinen dafür eher bereit, selbst ihren Beitrag zu leisten (wie die Dörte Giebel und ich und ganz viele anderen). Hätte man dafür von vorn herein bezahlt, würde man eher zu der Einstellung kommen “dann will ich aber auch was davon haben” und die Konsequenz wäre nicht unbedingt, selbst aktiv zu werden, sondern man würde Erwartungen aufbauen und “vorher den Beipackzettel lesen und wissen, was ich einfordern kann”, wie Dörte Giebel es formuliert.

Es gibt ja Finanzierungsmodelle, die versuchen, freiwillige Arbeit zu entlohnen. Über Micropayments, bspw. organisiert über Flattr, oder Crowdfunding, wie es das L3T-Projekt beispielsweise über Startnext versucht, können freiwillige Beiträge eingesammelt, die kostenlosen Dienste unterstützt und somit gewürdigt werden. Aber auch das scheint nicht ganz einfach, vgl. heise.de.

Brauchen wir also ein neues Geschäftsmodell? Ich meine, für viele unternehmensinterne Contents stellt sich diese Frage nicht: Produktschulungen, Verkaufstrainings etc. sind oft so stark auf das Unternehmen zugeschnitten, sodass sie in einer eigenen, abgeschlossenen Lernumgebung bereitgestellt werden müssen. Hier greifen traditionelle Vertriebswege. Und beim Rest? Gerade für die Softskill-Themen findet man allein bei Slideshare eine ganze Reihe von Präsentationen. Warten wir ab und machen erst einmal so weiter, bis jeder das Internet entdeckt hat? Oder ist es doch die Anleitung und Führung zum Erreichen von Lernzielen, die wir eigentlich bezahlen…?