Frontal ist für alle einfacher… aber ist es auch besser?

Der erste Themenblock des SOOC13 ist vorbei und ich bin überwältigt von der Erfahrung aus Gastgebersicht – positiv wie kritisch. Der Trick, damit ich nachher mit dem Positiven schließen kann: ich fange mit den kritischen Aspekten an. Diese sind nicht immer “negativ” im Sinne von schlecht, aber sie sind kritisch und daher beschäftigen sie mich vermutlich sogar länger, als die begeisterten Beiträge, von denen auch ich begeistert bin und zehren kann.

tl;dr

Es folgen oft unbeantwortete Gedanken zu: Soll ich auf Beiträge immer reagieren (müssen)? Wann kann und muss ich mich heraushalten um andere Teilnehmer nicht zu hemmen? Warum mache ich das hier? Wie kann der SOOC13 besser werden?

MOOCs in der Hochschullehre

Etwa zu dem Zeitpunkt als wir wussten, dass der SOOC13 im Rahmen eines LiT-Projekts vom HDS gefördert werden wird, startete der MMC13, der MOOC Maker Course, also ein MOOC darüber, wie man einen MOOC gastgibt. Es hätte keinen idealeren Zeitpunkt geben können (danke noch einmal an Monika König, Dörte Giebel und Heinz Wittenbrink). Wie in einem MOOC üblich habe ich mal mehr, mal weniger teilgenommen, aber stets versucht, die aktuellen Diskussionen zu verfolgen. Die “Überforderung” kannte ich schon aus dem OPCO11, damit wusste ich, wie man ohne schlechtes Gewissen die Twitter-Timeline schnell nach oben scrollt. Nun aber bin ich selbst “MOOC Maker”…

[tweet https://twitter.com/anjalorenz/status/337786324130074624]

Ich werde die Veröffentlichung dieses Posts irgendwann auf den Sonntag legen, damit ich das letzte Wort habe 😉 Dennoch möchte ich nicht verheimlichen: Es ist jetzt kurz nach 1 Uhr nachts an einem Freitag Abend, ich habe am Sonntag eine Deadline für ein Poster, ich habe ein (sehr intensives und zufriedenstellendes) Privatleben und mich lässt der SOOC13 jetzt trotzdem nicht los. Insbesondere, weil die Teilnehmer nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der Meta-Ebene über MOOCs schreiben. Hier ein paar Beispiele herausgegriffen:

  1. Über MOOCs und Motivation von secalcesal
  2. Die letzten Beiträge der SOOC13 Labrats (1,2,3) (toller Name für einen Blog und sehr cool, dass sich hier gleich zwei Teilnehmer im Blog zusammengeschlossen haben)

Studenten als spezielle Zielgruppe

Seit dem ich diese Posts gelesen habe, überlege ich, ob ich darauf antworten soll und vielleicht sogar müsste. Oder aber: ist es etwa kontraproduktiv, denn ich könnte wertvolle Kommentare anderer Teilnehmer hemmen, wenn ich hier antworte, immerhin gelte ich als Gastgeber. Auch die MMC13-Crew hatte dieses Phänomen erlebt. Aber wir haben im SOOC13 noch eine zusätzliche Komponente: Wir haben Studierende, die ggf. CPs erhalten wollen. Wenn ich als 0815-Teilnehmer in einem MOOC keine Zeit habe (wie aktuell leider beim COER13), dann lasse ich es einfach wieder. Keine Konsequenzen. Aber für Studierende gibt es da noch ein paar andere Motivatoren: Wenn sie abbrechen, bekommen sie die CPs nicht und dann war das Semester in diesem Modul vielleicht “verschenkt”. Daher ist es durchaus möglich, dass Studenten sich pragmatisch für den SOOC13 entschieden haben – für den Schein eben (kritisiert und diskutiert hier).

Ganz ehrlich, ich selbst war doch teilweise auch so. Ich habe damals folgendermaßen mein Hauptseminar ausgewählt: in meiner Stundenplanung war der Mittwoch noch frei. Und es gibt ja wohl kaum etwas blöderes. Montag frei, Freitag frei, das mag alles sehr angenehm sein, aber Mittwoch? Als einzige infrage kommende Lehrveranstaltung gab es ein Hauptseminar “Aktuelle Forschungsfelder im eLearning”. Ich hatte zwar noch kein Proseminar gemacht, aber was soll’s. Ältere Studenten sagten mir, dass das kein großer Unterschied ist, die Betreuer haben mir empfohlen zu überlegen, ob ich schon so weit wäre. Und das Ergebnis? Ich fand es spannend, habe bei der gleichen Betreuerin meinen Großen Beleg und meine Diplomarbeit geschrieben und letztere später veröffentlicht (IADIS eSociety in Porto, ITSE). Ein glücklicher Zufall? Vielleicht und wahrscheinlich. Fazit: Ich kann die stundenplangetriebene Auswahl von Lehrveranstaltungen durchaus verstehen.

Ich kann auch verstehen, wenn es nicht so läuft und man das Thema auch mal “absitzt”. Wie secalcesal schreibt: Man kann kein Interesse verlangen. Man kann es versuchen zu wecken, aber es wird ggf. nicht alle mitnehmen. Und die Personen, die “nur den Schein” wollen, sollen das auch durchaus dürfen, ebenso wie in einer “normalen” Uni-Veranstaltung. Hier spare ich mir die Frage, warum der Kurs belegt wird oft: Er steht im Stundenplan, eine Anrechnung vielleicht anderer interessanterer Kurse macht Arbeit, also sind die Studenten da. Da habe ich auch die komplette Bandbreite vor mir. Und das merke ich auch.

Hochschullehrende als spezielle Gastgeber

Ich habe einige Weiterbildungen im hochschuldidaktischen Bereich besucht und auch der SOOC13 ist für mich eine selbstorganisierte Weiterbildung (die ich mir übrigens im Modul 3 des HDS-Zertifikatprogramms anrechnen lassen will). Warum mache ich das? Wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich vor Studenten zu stellen, dann kann ich das auch so machen, dass es wenigsten mir ein wenig Spaß macht, im Idealfall sogar den Studenten. Im Modul 1 des HDS-Zertifikatsprogramms sagte eine Teilnehmerin:

“Frontalunterricht ist für alle leichter.”

Und recht hat sie: Ich kann meinen Monolog halten, alle schreiben die wichtigsten Sachen mit. Wenn ich nett bin, sage ich auch, was in der Prüfung wahrscheinlich drankommen könnte. Die Studenten haben dann einen sehr detaillierten Katalog möglicher Prüfungsfragen. Wenn ich auch nur diese nehme dann werden vermutlich alle Studenten gut abschneiden.

Classroom, ca. 1901 von City of Boston Archives (CC-BY)

Das “Problem” ist: Um Monologe zu halten, brauche ich keine Studenten vor mir. Die kann ich hier im Blog festhalten. Oder als Video aufnehmen. Oder Audioboo. Ich kenne diese Medien doch. Ich will aber: Interaktion, Feedback, neue Ideen, Meinungen, Diskussionen motivieren. Hoschulabsolventen sollen sich doch auch Meinungen selbst bilden und diese artikulieren und diskutieren können. Vielleicht will jemand selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter werden und muss dann Lehre übernehmen. Dann sollte er vielleicht auch andere Methoden kennen als Frontalunterricht, oder?

Daher ist der MOOC für mich auch so ein einnehmendes Erlebnis, hier habe ich das alles in ausgiebiger Form. Aber wie auch in anderen Lehrveranstaltungen gilt: Ich mache mir keine Illusion, dass alle mitmachen. Es werden auch einige aussteigen oder vielleicht schon ausgestiegen sein. Ich will gern denjenigen helfen, die es schwer haben, aber wenn jemand feststellt, dass der SOOC13 nicht zu ihm passt, dann finde ich es auch ok, wenn er aussteigt oder nur das Nötigste zum “Bestehen” macht.

Und nur zur Transparenzschaffung: Die Förderung des HDS bezahlt “lediglich” unsere WHKs. Darüber freuen wir uns sehr. Aber das heißt auch, dass der SOOC13 eher ein “Freizeitprojekt” von uns ist, denn wir sind auch in anderen Projekten und Stellen eingebunden. Also warum tun wir das? Weil MOOCs schlichtweg gerade DAS Thema sind und auch wir es nur erleben können, wenn wir es selbst ausprobieren. Alle reden über die Einbindung in die Hochschulen: wir tun es.

Interaktivität als Problem?

Und nun lese ich diese ersten Auseinandersetzungen mit dem Format. Zunächst einmal: Ich finde das gut. Diese Kritiken zeigen die aktive Auseinandersetzung. Die Autoren sind keineswegs “faule Nörgler”, sondern kritische Teilnehmer, die nicht einfach nur machen wollen, was die CP-Anforderungen verlangen, sondern das Format beschäftigt sie. Und das tw. mehr, als sie das erwartet haben und selbst wollen.

“Aus besagtem Le[hrer]professionalitätskurs gehe ich raus, schließe die Kurstür hinter mir und habe dann die Möglichkeit, die Gedanken daran zu beenden. […] Die Leistung, auf die es nun mal ankommt (vgl. sooclis Beitrag oder die Diskussion hier), wird hauptsächlich in dem Seminar selbst abgeleistet oder in einer Klausur zu einem festgelegten Zeitpunkt oder in einer Ausarbeitung (die auch wiederum in sich selbst begrenzt ist). Die Kurse sind begrenzt und die Möglichkeit der Auseinandersetzung ist es auch.

Sooc: Der Sooc hat keine Grenzen und auch die für den Schein benötigte Leistungsanforderung ist nicht wirklich klar (mir zumindest). Durch Twitter und den eigenen Blog ist man ständig in irgendeiner Art und Weise verbunden. […] Es stellt sich eine schwache Art der mentalen Abhängigkeit ein, die mir absolut nicht gefällt. ” (Quelle)

Ein wenig freut es mich ja, dass wir die Teilnehmer mental bei der Stange halten können, ich befürchte aber, dass das polemisch klingt und das soll es nicht. Wir haben es als Lehrende geschafft, dass Ihr über die Kursinhalte nachdenkt und das auch außerhalb des Kurses? Yeah!

Aber ich kann verstehen, was das Problem ist: Es dringt in Bereich, die bisher vom Hochschulalltag ausgeschlossen waren. Aber was war noch einmal Ziel des Kurses?

“Soziale Medien, wie Facebook, Twitter, Skype oder Google+, gehören heute zum Alltag vieler Studierender. Dabei ist nur den Wenigsten wirklich bewusst, dass diese nicht nur unterhaltenden Charakter haben, sondern ein ganz neues Potenzial entfalten, wenn Sie gezielt zur Unterstützung von Lernprozessen genutzt werden.” (Quelle)

Dieser Text war einer der ersten, der auf den Kursseiten veröffentlich wurde. Wir wollten genau das im SOOC13 diskutieren. Auch deshalb haben wir für den dritten Themenblock die Konsequenzen des Lernens im Netz aufgenommen: Das alles ist nicht einfach. Es ist nicht so leicht wie Frontalunterricht. Und NIEMAND hat bisher dafür eine Lösung gefunden, die dennoch allen Ansprüchen genügt. Wir bieten die Chance, sich mit unserer Unterstützung im Social Web auszuprobieren und die Möglichkeiten aber auch Gefahren für sich zu entdecken. Ob man diese Möglichkeiten dann weiterhin nutzt, das liegt bei jedem selbst. Aber auch wenn sich die Teilnehmer gegen die ein oder andere Komponente entscheiden, dann können sie diese Entscheidung (hoffentlich) durchaus begründen. Es ist eine Entscheidung, die nach einer aktiven Auseinandersetzung getroffen wurde und nicht aus Angst oder Desinteresse.

Nur lesen, nicht kommentieren?

Aber soll ich nun etwas in den Kommentaren hinterlassen? Als Teilnehmer hätte ich es bestimmt. Aber ich bin auch Gastgeber. Sobald von mir dort irgendetwas steht, werden andere vielleicht gehemmt, hier auch Kommentare zu verfassen. Aber wenn ich keinen Kommentar hinterlasse, denken die Teilnehmer vielleicht, es wäre mir egal oder ich hätte den Kommentar nicht gesehen. Wie die Labrats richtig erkannt haben:

Anja Lorenz und Co. nehmen diese Distanzlosigkeit ja  bewusst in Kauf bzw. haben sich von vornherein (so scheint es) darauf eingestellt. Das ist ok und hier auch ganz praktisch (auch wenn ich immer noch unsicher bin ob ich duzen oder Siezen oder was auch immer soll… scheint auch irgendwie egal zu sein).

Erst einmal: Das Du oder Sie ist mir persönlich egal. Und ja: wir haben uns im Vorfeld darüber unterhalten und gerade weil Nina Kahnwald doch gerade Jun.-Prof. geworden ist, lag das “Sie” nahe. Aber ich halte es oft nicht durch. Auch, weil ich einige SOOC13-TN  schon kenne. Asche auf mein Haupt.

Aber genau diese “Distanzlosigkeit” macht es auch, dass ich hier nachts noch drüber nachdenke, ob und was wir tun können, um die Erfahrungen der Teilnehmer zu verbessern, ohne auf das offene Konzept zu verzichten. Daher: Helft uns! Was macht den SOOC13 besser?

Was der erste Themenblock gebracht hat

Natürlich werkeln wir an den Baustellen herum. Aber es ist so viel toller Input zum SOOC13 gekommen: Die PLEs. Das conexperiment und dessen Reflexion – vor allem, warum es oft nicht geklappt hat. Außerdem gab es in Vorbereitung auf den zweiten Themenblock eine Blogparade, deren Rückmeldungen ich schlichtweg überwältigend fand.

“[…] Nur bemerke ich gerade, dass die Beschäftigung trotz des Zeitaufwandes eine große Bereicherung für mich ist. […] ich kann nur sagen, dass ich in vielen Kursen in denen ich länger sitze, als ich mich mit meinem Blog beschäftige, weniger Wissens- und Erfahrungszuwachs mitnehme als hier. Ich versuche durch meine strengen Zeitvorgaben meine eigenen Leerzeiten einzubauen und mit dem Druck, den ich übrigens auch in mir spüre umzugehen. Ich finde genau dieses Gefühl gerade als sehr spannend und beobachte meine eigenen Entwicklungen.” (Quelle)

Warum ich blogge

Ich habe überlegt, ob ich auch selbst an der Blogparade teilnehmen soll. Aber schickt sich das als Gastgeber (mal abgesehen, dass ich keine Zeit habe… nein, falsch,ich setze derzeit andere Prioritäten, vor allem für den SOOC13)? Letztendlich blogge ich genau aus diesen Gründen hier (ist quasi ein Action-SelfResearch-Beitrag): Ich will mir etwas von der Seele schreiben und ev. sogar Feedback bekommen. Dafür nehme ich mir (im Gegensatz zu Twitter u.ä.) etwas länger Zeit. Ich halte hier einen Monolog “damit die Welt es weiß”. Und damit ich es wiederfinden kann (wie bspw. den Beitrag zu OER in Sachsen). Ab und zu kündige ich in Blogposts auch etwas an und nutze das rein als Push-Medium.

Mein Problem ist eher: Was blogge ich wo? Bin ich gerade SOOC13-Gastgeberin oder kritische Social Media Nutzerin, geht es um Lehrexperimente, meinen Verein oder ist das nur eine subjektive Aussage von mir selbst?

Vermutlich liest diesen Beitrag keiner komplett (er ist ja auch sehr lang geworden). Aber mir geht es jetzt besser 🙂

Leseempfehlung

Durch die Blogparade bin ich verstärkt auf den Seiten von Jean-Pol Marting unterwegs. Er formuliert die Informationsverarbeitung nicht etwa als etwas Schlechtes (Stichwort “Information Overload”), sondern als ein Grundbedürfnis: http://jeanpol.wordpress.com/2009/12/31/informationsverarbeitung-als-grundbedurfnis/ Ich bin beruhigt.

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#opco11 Microlearning

Tiny books von Kelly Taylor (CC-BY-SA)

Diese Woche bin ich ein wenig im #opco11-Thema “Kurz, kürzer, micro: Was macht eigentlich noch satt? Microblogging & Microlearning” zu Hause und beobachte, dass einige Teilnehmer über die gleichen Probleme stolpern, wie ich, als ich für den Workshop on e-Learning 2010 in Zittau das Thema Verteilungsstrategien für Mircolearning im LCMS (Lorenz 2010) vorbereitet hatte: Durch Gabi Reinmann griff ich den Kritikpunkt auf, dass es einen Rahmen für diese Aktivitäten geben muss, um die Einheiten sinnvoll in formellen Lernkontexten zu integrieren.

Für mich war es dann eigentlich auch schon mit diesem Thema, denn aus meiner Sicht führt die kurze Beschreibung zu Microlearning als “‘kurze Online-Aktivitäten’, durch die Lernende zusammen mit einem Bildungsexperten ein klar abgegrenztes Thema bearbeiten oder aktuelle Fragen selbstorganisiert beantworten.” (nach Robes 2009) zu der Lernobjektidee zurück. Zusammen mit dem Team von mobileTUD haben wir Microlearning zudem als sehr gut geeignete Lösung für das Lernen mit mobilen Endgeräten identifiziert (Neumann et al. 2011), aber auch hier denke ich, führt die Diskussion nicht bei Microlearning als supertolles neues Irgendwas, sondern bei der Granularität von Lernobjekten weiter.

Ich bin gespannt, ob mein Interesse dafür wieder mit neuen Ideen geweckt werden kann. Derzeit fühle ich mich disbezüglich ein wenig wie beim Fahrradfahren: Einmal verstanden interessiert man sich kaum noch für das Fahren selbst, sondern für die Umgebung und den Radweg.

Literatur

Lorenz, A. (2010). Über kurz oder lang. Ein Schlichtungsversuch zur Debatte über Micro- und Macrolearning. In F. Albrecht (Hrsg.). 8. Workshop on e-Learning 2010 am 15. September 2010 an der Hochschule Zittau/Görlitz, S.: 79–88, Zittau, Zentrum für eLearning [Zfe], 2010, ISBN: 978-3-9812655-5-2. Online: Slideshare, Scribd

Neumann, J.; Schulz, J.; Lorenz, A.; Hallbauer, M.; Meier, C. (2011). mobileTUD – der lange Weg zum “mobilen Ruhm”. In K. Rummler, J. Seipold, E. Lübcke, N. Pachler, G. Attwell (Hrsg.), Mobile learning: Crossing boundaries in convergent environments, S. 97–101, Bremen, 2011, ISSN: 1753-3385. Online: Slideshare, Konferenzband (PDF)

Robes, J. (2009). Microlearning und Microtraining: Flexible Kurzformate in der Weiterbildung. In A. Hohenstein, & K. Wilbers (Hrsg.), Handbuch E-Learning: Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis – Strategien, Instrumente, Fallstudien (30. Erg.-Lfg. Ausg.). Köln: Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland).

Das Festival ist tot – es lebe das Festival(?)

Ich habe ja fast schon bedauert, übers verlängerte Wochenende in den Kurzurlaub fahren zu “müssen”, denn die letzte #opco11-Woche  zum Thema “Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung” war sehr sehr spannend. Nicht nur, weil Christian Spannagel das Thema Medienkompetenz auch gelebt hatte, in dem er zum ITG-Festival aufgerufen hatte, sondern auch die Diskussionen darum, ob die gewählte Form nun super oder furchtbar waren, schienen nicht abzureißen (weitere Reflexionen hier). Als “Bandleaderin” der “Jazz Session” möchte ich daher auch kurz meine Eindrücke zusammenfassen, ehe sie zu sehr in Vergessenheit geraten.

  • Die Vorarbeiten im Etherpad waren schon weit vorangeschritten und so konnten wir schnell über die von uns erwarteten Wünsche diskutieren. Hierfür war der Chat in durchaus geeignetes Mittel. Ich denke, dass beispielsweise eine Diskussion in Adobe Connect sehr viel schwieriger geworden wäre (dass hier nicht immer alles klappt hat man an der Zusammenfassung gesehen, später hier mehr). Nach der oft auftretenden Regel “immer der, der fragt”, war ich schnell zum Bandleader gewählt und die Diskussion konnte inhaltlich weitergehen.
  • Ich hatte mächtig doll viel damit zu tun, die Diskussion zu verfolgen, tw. zu koordinieren und dabei auch noch die Zeit im Auge zu behalten (mal abgesehen von dem Anruf von Mutti, dass es regnet und ich bitte beim Heimweg nicht die Bahnhofsunterführung wählen sollte). Hier mussten wir leider einige gute Diskussionen abbrechen um zum nächsten Punkt zu kommen. Ich weiß aber nicht, ob es hierzu eine gute Alternative gegeben hätte, da ich, wie sicher viele von uns, die Zeit für die Online-Session von anderen Aufgaben abknapsen muss. Eine Verlängerung der Session wäre daher eher schwer gewesen.
  • Inhaltlich fand ich mich in der Diskussion gut wieder, hätte tw. auch gern ein paar Widersprüche mehr gehabt. So konnte ich zusammenfassen, dass Fakten-/Grundlagenwissen keinesfalls überflüssig sind, Kompetenzen aber dazu führen (können), dass diese leichter oder auf alternativen Wegen errungen werden können. Sie können sie aber nicht ersetzen – aus der (Alb-)Traum vom Google-Anschluss im Gehirn, der uns jegliches Auswendiglernen erspart. Dafür wird es aber immer wichtiger, den Sinn der Informationen zu erläutern, genauer gesagt: Lernende sollen verstehen, warum sie jetzt genau das wissen sollen, obwohl es im Internet verfügbar ist.
  • Das Zusammentragen der einzelnen Konzertergebnisse war der technisch irgendwie vermurkste Teil. Einerseits reden wir von den “Technologieverweigerern und -behinderten” immer wie von “den Anderen”, aber dann scheitern wir bei Adobe Connect. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich 3min vorher erst das Mikro eingestöpselt hatte und nicht wusste, ob alles gut geht.

Im Resümee möchte ich als erstes Christian Spannagel für den Mut danken, sowas durchzuführen. Nicht nur die Arbeit, die für das Im-Auge-Behalten der Konzerte nötig war, sondern auch den Entschluss selbst, die #opco11-Community zu dieser Arbeitsform zu bewegen. Wenn die Etherpads bis Mittwoch leer geblieben wären, dann wäre es schlichtweg schief gelaufen (ich weiß nicht, ob Christian einen Plan B gehabt hätte) – die Konzerte hätten “schief geklungen”. Ich wünsche mir definitiv mehr von diesem Austausch!

Nun war ich am Wochenende zwar nicht auf einem Festival, aber auf einem Spektakel mit parallelen Vorträgen, Workshops etc. und konnte das ganze quasi nachleben. Hieraus und aus den Erfahrungen des ITG-Festivals, hier ein paar mögliche Ansatzpunkte zur Optimierung eines solchen Formats:

  • Bei der Teambildung dem Forming mehr Raum geben: Das Springen zwischen den Konzerten war zwar in der Probe und nach der Diskussion gut möglich, während der Live-Session hat sich das aber kaum bewährt (mal abgesehen vom Zwangshüpfen durch zu volle Etherpads). Hier könnte man vorher eine Art Einschreibeliste auf den Etherpads für die Konzerte integrieren, sodass man sich einerseits mit dem Thema und seinen Bandmitgliedern identifizieren, andererseits die Gruppenbegrenzung durchsetzen kann.
  • Toleranz: Diese ist zwar eher von den Teilnehmern gefordert, sollte aber vielleicht nochmal betont werden. Wenn die aktive Diskussionszeit zum Bemeckern technischer Probleme verspielt wird, kann die inhaltliche Diskussion nicht vorangetrieben werden.

Eine Frage habe ich noch, die sich eigentlich gut an andere Beiträge (z.B. hier und hier) und Tweets der #opco11-Teilnehmer angliedert: Was jetzt? Was passiert mit den zusammengetragenen Wünschen, Thesen, Forderungen u.s.w.? Ist der #opco11 nur eine nette Zwischenveranstaltung oder verschwindet der User Generated Content in der digitalen Schublade?

Weißt Du noch oder kannst Du nur?

“Es war ein langer Fußweg zurück nach Bad Lamonisch an der Bibber, aber es war ein fröhlicher Fußweg. Freitag holte seine Lieblingsflöte heraus und spielte einen Marsch namens ‘Der Ameisenhäuptling’, während Björn Schneyder alle damit überraschte, dass er sie auf interessante Einzelheiten der Landschaft hinwies und sie im Fürbassschreiten in naturkundlichen Dingen unterrichtete. ‘Seht ihr das?’, sagte er und zeigte auf einen Felsen. ‘Das ist ein Felsen. Und diese farbenfrohen Dinger dort drüben? Man nennt sie Blumen.'”

Andy Stanton & David Tazzyman (2010): Mr Gum und der Mürbekeksmilliardär, Seite 163f. Wunderbar übersetzt von Harry Rowohlt.

Bei diesen Sätzen musste ich an die Tweets mit Christian Spannagel und meinen Gedanken zum anstehenden #opco11-Thema “Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung” denken: Immer wieder hört man von der Wichtigkeit von Soft Skills, und dass mehr Wert auf die Vermittlung von Kompetenzen statt Faktenwissen gelegt werden sollte. In einer Gesellschaft, in der man den Eindruck hat, es hätten mehr Menschen einen Google-Account als einen Bibliotheksausweis, ist der Zugang zu Fakten scheinbar nur eine Frage des richtigen Suchbegriffs. Die wahre Herausforderung liegt heute in allem, was Technologien (noch) nicht können: Fakten zu neuen Erkenntnissen zusammenführen, bewerten und für Andere verständlich aufbereiteten.

Bei der Learntec2010 habe ich einen sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Präsentationsform sehr guten Vortrag von Conrad Wolfram dazu gehört, Kinder sollten Mathematik lernen und nicht Rechnen (Online auf TED). Damals stimmte ich ihm voll und ganz zu und daran hat sich im Prinzip auch nicht viel geändert, bis auf…

In letzter Zeit (auch durch die Beschäftigung mit den Problemen, die durch das Social Web erst entstehen) frage ich mich aber zunehmend, ob uns das Zurückstellen dieser Kenntnisse nicht letztlich doch auf die Füße fällt und die Probleme genau darauf zurückzuführen sind, dass nötige Grundlagen vernachlässigt werden. “Die Jugend von heute kann ja überhaupt nicht mehr richtig Kopfrechnen.” – schon mal gehört oder selbst gedacht? Und wenn ja: Wie befriedigend ist das Argument, dass sie das nicht mehr bräuchten, sie hätten schließlich Computer und Taschenrechner?

Das schwierige daran scheint mir, dass diejenigen, die die Vermittlung von Kompetenzen vor Fakten betonen, diese selbst aber noch gelernt haben. Ich überlege, ob man die Hauptklassen kognitiver Lernziele nach Bloom, also Wissen, Bewertung, Verstehen, Anwendung, Analyse und Synthese (siehe auch hier), ähnlich der Bedurfnispyramide von Maslow sehen MUSS.

Dann nämlich wären die obere Stufen, wie Anwendung und Synthese, erst erreichbar, wenn die unteren Stufen, wie die Wissen und dessen Bewertung, bereits genommen wurden. Praktisch formuliert, kann man in einer Sprache diskutieren, wenn man keine Vokabeln kennt, aber die Grammatik?

Ich danke Christian dafür, dass er genau das zu einem der vielen Teilthemen seines #opco11-Festivals gemacht hat und werde von meiner kurzen Einlage als “Straßenmusikant” nun wieder an “die Bühnen” wechseln.

Wofür bezahlt man im (E-)Learning?

Dörte Giebel hat in ihrem Blogbeitrag zum opco11 Online-Event einige der dort gestellten Fragen aufgegriffen und die Diskussion dazu konkretisiert. Eine davon finde ich besonders wichtig und möchte versuchen, darauf zu antworten:

4. Wofür zahlen Teilnehmer/innen heutzutage: für Content oder Connectivity?

Time is money by Nina Matthews

Time is money by Nina Matthews (CC-BY)

Wenn man es auf das wesentliche beschränkt: Gezahlt wird das, was einem anderen Arbeit bereitet hat. Hat jemand Content erstellt und dafür Zeit und Geld investiert (Tools, Strom, Lizenzen…) oder ein LMS programmiert / angepasst / aufgesetzt um eine Infrastruktur zu bieten: das alles sind Leistungen. Nehme ich das ein oder andere in Anspruch ist es konsequent, dafür auch zu bezahlen. Das ist auch gar nicht negativ gemeint, sondern legitim, schließlich muss der “Lieferant” auch seine Miete, Essen etc. bezahlen.

Fast schon ausschließen möchte ich die Überlegung, ob man für das Netzwerken bezahlt: Wenn das so wäre, könnte ich darauf einen Anspruch erheben. Und was passiert dann, wenn die anderen Teilnehmer nicht sehr kommunikativ sind? Bezahlt man dann mehr, je mehr Teilnehmer mitmachen? Wohl kaum. Communities formieren sich an sehr unterschiedlichen Orten. Wohl aber kann man diesen Ort, also die Infrastruktur bezahlen.

Interessant wird es aber, wenn einer nicht mitspielt. Der Lerner ist da erst einmal weniger gemeint, wir reden mal nicht von “Zechprellern”. Es geht eher um kostenfreie Dienstleistungen, die es vor allem im Content-Bereich unzählige im Internet gibt. Dann nehmen Lerner die Dienste in Anspruch, bezahlen aber nichts. Wie beim Open Course: Hier investiert das Team Zeit und Ressourcen ohne etwas Konkretes (Monetäres) zurückzubekommen (auch, wenn ich sicher bin, dass die Orga immateriell schon etwas davon hat). Die Teilnehmer scheinen dafür eher bereit, selbst ihren Beitrag zu leisten (wie die Dörte Giebel und ich und ganz viele anderen). Hätte man dafür von vorn herein bezahlt, würde man eher zu der Einstellung kommen “dann will ich aber auch was davon haben” und die Konsequenz wäre nicht unbedingt, selbst aktiv zu werden, sondern man würde Erwartungen aufbauen und “vorher den Beipackzettel lesen und wissen, was ich einfordern kann”, wie Dörte Giebel es formuliert.

Es gibt ja Finanzierungsmodelle, die versuchen, freiwillige Arbeit zu entlohnen. Über Micropayments, bspw. organisiert über Flattr, oder Crowdfunding, wie es das L3T-Projekt beispielsweise über Startnext versucht, können freiwillige Beiträge eingesammelt, die kostenlosen Dienste unterstützt und somit gewürdigt werden. Aber auch das scheint nicht ganz einfach, vgl. heise.de.

Brauchen wir also ein neues Geschäftsmodell? Ich meine, für viele unternehmensinterne Contents stellt sich diese Frage nicht: Produktschulungen, Verkaufstrainings etc. sind oft so stark auf das Unternehmen zugeschnitten, sodass sie in einer eigenen, abgeschlossenen Lernumgebung bereitgestellt werden müssen. Hier greifen traditionelle Vertriebswege. Und beim Rest? Gerade für die Softskill-Themen findet man allein bei Slideshare eine ganze Reihe von Präsentationen. Warten wir ab und machen erst einmal so weiter, bis jeder das Internet entdeckt hat? Oder ist es doch die Anleitung und Führung zum Erreichen von Lernzielen, die wir eigentlich bezahlen…?

Ein eigenes Wiki als Schaltzentrale

Beschreiben Sie Ihre persönliche Lernumgebung im Netz: Welche Tools und Links gehören dazu? Wie verbinden Sie diese Tools und Links zu Ihrer “persönlichen Lernumgebung”? (opco11, Woche 4)

Zunächst erst einmal: Ich hatte mich eine ganze Weile mit der Idee der persönlichen Lernumgebung beschäftigt und hatte dabei immer den Eindruck, dass PLEs als DAS Konzept zum Lernen überhaupt propagiert würden (vgl. Attwell 2007; Pontefract 2009; Wilkins 2009, Willis 2011). Egal ob man PLEs als abstaktes Konzept auffasst und von Internetquellen über Desktoptools bis hin zu den unbedingt benötigten Süßigkeiten zum Lernen alles dazuzählt (vgl. Attwell 2007, Schaffert & Kalz 2009), oder ob die persönliche Schaltzentrale in einem Dashboard o.ä., also als konkretes Tool realisiert wird (vgl. Ebner & Taraghi 2010, Ivanova 2008): ich denke, mit LMS und PLE werden letztendlich unterschiedliche Lernprozesse unterstützt, die beide ihre Daseinsberechtigung haben: Einmal in LMS zur Organisation formeller Lernprozesse zur Zertifizierung der Ergebnisse und bestimmt durch ein oder mehrere Institutionen, auf der anderen Seite sind die persönlichen Bereiche für alles da, was über diese Wege hinausgeht: weitere Links, eigene Organisation der Inhalte, Diskussionen oder ganz andere Themen, in denen man sich persönlich weiterbilden möchte.

Mein Wiki als PLE (?)

Nun zu meiner PLE: Meine Schalt- und Waltzentrale ist mein eigenes, persönliches Wiki. Bisher ist das für mich der flexibelste Weg, Informationen, Quellen etc. zu sammeln, wesentliche Punkte zu strukturieren und gegenüberzustellen. Auch wenn Wikis ja gut zur gemeinsamen Arbeit Dokumenten sind, habe ich mich bewusst dafür entschieden, hier meine eigene Suppe zu kochen, eben weil es um meine persönlichen Lern- und Arbeitsprozesse geht. Dabei habe ich mich für ein DokuWiki mit Arctic-Theme entschieden. Interessanter ist (vielleicht) wie ich es nutze:

  • Strukturierung von Wissen. Manche Doktoranden lesen ja tatsächlich Journal-Artikel, Konferenzartikel, Bücher (naja, die werden eher überflogen) und vieles mehr. Die hier gefundenen Informationen kann ich nach Themen sortiert auf den Wiki-Seiten speichern, Strukturieren und miteinander verbinden. Die Namespaces in Dokwiki lassen sich hier gut einsetzen, aber auch Tags (per Plugin)
  • Quellen als solche behandeln. Auch, wenn es jüngste Plagiatsmeldungen vermuten lassen: nicht alle Dissertationen sind abgeschrieben. Und damit mir das nicht passiert (ich denke, beim schlampigen Umgang mit Zitaten kann das “mal” vorkommen, sollte es aber nicht und der prozentuale Anteil liegt dann weit unter den “populären” Copy&Paste-Dissertationen) habe ich jede Information mit Quellenangaben hinterlegt. Durch Fußnotensyntax stören die beim Lesen auch nicht so, Vollzitate treten dank Blockquote-Plugin hervor und teilweise habe ich auch mit Hilfe des BibTeX-Plugins die kompletten Quellenangaben hinterlegt, was Publikationen sehr erleichtert.
  • Einreichungen im Blick behalten. Auf einer Seite notiere ich Paperideen, auf weiteren geplante, eingereichte, angenommene und abgelehnte/zurückgezogene Paper.
  • Schnelle Notizen zu Blogeinträgen, Webseiten, Gedanken etc.
  • Links zum Schnellzugriff. Auch wenn ich über Social Bookmarks alles vertagged habe, was man nochmal gebrauchen könnte, gibt es doch ein paar wenig Links, die ich schneller finde, wenn ich über das Wiki gehe (z.B. den Server für Normen unserer Unibibliothek, der sehr gut versteckt ist). Außerdem habe ich in einer Seitenleiste Links zu weiteren Tools gespeichert.
  • Persönliche Daten. Ja, das ist einer der besonderen Vorteile eines privaten Wikis: Ich kann hier auch Projektnummern, Telefonnummern, Gesprächsnotizen etc. ablegen, meine Arbeitsstunden für den Verein notieren.

Erweiterungen nach außen

Natürlich reicht das Wiki nicht, um alle Aufgaben abzudecken. Definitiv gehören auch noch die folgenden Tools zu meiner PLE (inkl. Verknüpfung zum Lern- und Arbeitsprozess):

  • BibSonomy zur Verwaltung von Quellenangaben, Mendeley zur Verwaltung der Dokumente, manchmal auch zum Lesen (wenn die Artikel kürzer sind, ich nur was suchen oder Notizen mit Kollegen gemeinsam dran verfassen will. Beide habe ich meine Lesezeichen-Symbolleiste integriert, wobei ich mit Mendeley fast nur über die Desktop-Anwendung arbeite. Ich habe auch Citavi für ein paar Projekte ausprobiert, bin aber nicht soo überzeugt, weil der Aufwand zum Speichern von Zitaten doch sehr hoch ist.
  • delicious für Social Bookmarks, die ich per Firefox-Plugin anlege.
  • Twitter habe ich per Ecofon in Firefox integriert, weil mich das am wenigsten ablenkt und trotzdem schnell zur Verfügung steht.

Im März wurde meine PLE außerdem um ein Android-Smartphone und damit auch meine Bedürfnisse erweitert: Mittlerweile scheinen nur noch Anwendungen zu gelten, die auch gut mit dem Phone zusammenpassen. Daher habe ich jetzt auch Springpad ausprobiert und finde es für Notizen unterwegs ganz gut, an vielen anderen Stellen vielleicht zu überdimensioniert und so schnell unübersichtlich.

Was noch fehlt

Die Tools selbst und auch deren Zusammenspiel sind nicht perfekt. Manchmal ist alles etwas umständlich, oft dauert es auch seine Zeit, ehe man so die richtigen Tools gefunden hat. Besonders beim Task-Management habe ich noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden: Remember the Milk hat keine kostenlose Android-App, das Task-Plugin fürs DokuWiki benachrichtigt nicht per Mail, etc. Derzeit nutze ich Wunderlist, bin mit der App superzufrieden, aber die WebApp hinkt im Funktionsumfang leider hinterher.

Damit verbunden habe ich auch ein sehr zerstreutes Konzept für ToDo-Listen: Ich nutze in vielen Tools ein ToDo-Tag, habe eine Reihe von Listen, die ich zwar noch ganz gut im Blick habe, aber latent in Gefahr bin, diesen zu verlieren. Ich habe es auch schon mit Zettel und Stift versucht, aber den habe ich noch unzuverlässiger dabei als mein Handy o.ä..

Hierzu meine Frage an die #opco-Community (und natürlich auch alle anderen): Habt Ihr Best Practices hierfür?

Ich weiß, der Blopost ist nun doch eher eine Mischung von PLEs und dem Thema der letzten Woche (Lerntechnologien) geworden. Aber ich denke, hier bedingt das eine das andere: Die PLE ist kein festes Konstrukt aus Tools. Auch, wenn es wünschenswert wäre, dass es lebenslang zur Verfügung stünde (vgl. Seufert 2007), so ändern sich doch die einzelnen Bestandteile: neue Tools kommen hinzu, weil sie besser sind oder neuen Bedürfnissen entsprechen, andere fallen weg, oder werden auf eine andere Art und Weise verwendet. Genau deshalb steigt auch die Bedeutung von Austauschformaten und offene APIs erlauben das importieren der bisherigen Datensätze in neue Tools. Die zur Verfügung stehenden Funktionen verändern unsere PLEs immer wieder. Und das ist gut so!(?)

Zum Nachlesen

Was ist denn nun eigentlich “social”?

Nach einer Diskussion mit Kollegen und jetzt auch durch das Thema Social Learning beim #opco11 stellt sich für mich immer wieder die Frage: Ab wann ist denn etwas “social”?

Bestandsaufnahme

Ich habe mal in meinen Delicious- und BibSonomy Tags geschaut, was ich eigentlich so für “social” halte. Ich unterscheide bei meinen Tags dabei folgende Untergruppen:

Social Capital, Social Bookmarking, Social Learning, Social Media, Social Network, Social Software, Social Tagging

Dabei ist die Frage aber eigentlich falsch gestellt, denn schon die Entscheidung für diese Tags habe ich (vor allem bei Delicious) nicht allein getroffen. Die Nutzer, die vor mir einen Bookmark gespeichert haben, die haben mich dabei schon ein ganzes Stück beeinflusst, indem mir die von ihnen häufig verwendeten Tags vorgeschlagen wurden.

Bleibt alles anders? Social Software vs. Groupware, Social Tagging vs. Folksonomy

Nun ist es aber so, dass die Wortverbindungen mit “Social” ohnehin erst in den letzten Jahren in meinen Sprachgebrauch übergegangen sind. Vorher war immer alles “kollaborativ” und statt Social Software gab es Groupware. Aber was ist heute anders?

Dazu meinen KOCH & RICHTER (2008, S. 20), dass das Neue an Social Software vor allem der Bottom-Up-Ansatz und die damit größere Anzahl der Nutzer ist. Dabei stehen die Unterstützung von Communities und sozialen Netzwerken im Vordergrund: Die Systeme stellen zwar nette Funktionen bereit, geben aber nicht vor, wie diese eingesetzt werden sollen. Klassische Groupware (Ihr wisst schon: BSCW, MS Exchange, Sharepoint usw.) ist dagegen schon auf die konkrete Unterstützung von Teams ausgerichtet, die Top down organisierten werden (= es gibt Rollen / Funktionen zur Administration und hierarchischen Aufgabenverteilung).

Eben dieser Richtungswechsel ist auch bei den Systemen zu erkennen, die Social Tagging zur Verschlagwortung verschiedener Ressourcen einsetzen, also Social-Bookmarking-Systeme, wie delicious oder diigo, oder Media-Sharing-Dienste, wie flickr oder youtube: Im Gegensatz zu früheren Taxonomien, also vordefinierten Ordnungskatalogen, in die Ressourcen eingepflegt werden mussten, legen die Nutzer die Begriffe fest (vgl. GOLDER & HUBERMANN 2005, S. 1; SCHMIDT 2006, S.43; Vander Wal 2007, Folie 18).

Ich will das jetzt hier nicht weiterführen, sondern nur noch mit einem Verweis auf den Beitrag von Stephen DOWNES (2005) bestätigen, dass das Social Learning oder e-Learning 2.0 ebenfalls auf den Bottom-Up-Ansatz baut.

Social heißt demnach…

Man könnte jetzt kurz abhandeln: Social ist die Übersetzung von kollaborativ für Anarchisten oder Edupunks. Das mag für die Anfangsphase stimmen, in der Facebook noch ein digitales Poesiealbum für Studenten war, aber mittlerweile lässt sich diese Aussage nicht mehr so einfach treffen. Social [Software; Media; Networks;…] werden zunehmend auch in Organisationen eingesetzt und sind somit der Grundstein für das Enterprise-2.0-Leitbild. Ich will mich also vorsichtig herantasten:

These 1:  Social heißt, den Nutzer entscheiden zu lassen, wie er teilnehmen möchte

Die Grundlage von Social Software ist die Offenheit für verschiedene Nutzungsarten, oft auch gleichzeitig. Dabei ist man aber auch ein ganzes Stück für das Ergebnis verantwortlich: Die typischen Argumente von Kritikern, die hinter Twitter ein Werkzeug zur statistischen Auswertung vom Kaffeekonsum vermuten, bestätigen sich natürlich dadurch, wenn man “den falschen Leuten” folgt. Ebenso habe ich bisher noch keinen Mehrwert von Diigo gegenüber delicious erkannt, weil ich (bisher) noch keine sinnvollen Einsatzszenarien für Listen und Gruppen etc. dort erschlossen habe und dann doch die Geschwindigkeit und Einfachheit von delicious vorziehe.

Um das Ganze auf das Social Learning zurückzuführen: Alle Teilnehmer müssen in einem gewissen Maße Einfluss auf die Gestaltung des Lernprozesses haben. Damit würden Vorträge, bei denen man nur die Möglichkeit zum Zuhören hat, nicht als Social Learning eingeordnet werden (ich würde zu- oder weghören nicht als eigene Gestaltung bezeichnen). Wenn ich aber mit anderen darüber diskutieren kann, z.B. per Twitter, Etherpad, Chat oder kleinen gekritzelten Zetteln, die hin- und hergehen wie in der Schule, dann schon. Die Teilnehmer können Fragen stellen, Meinungen, weiteres Wissen und Interpretationen teilen und diskutieren und haben die Chance auf ein besser reflektiertes Ergebnis – tragen aber auch das Risiko, sich festzuquatschen, nicht voranzukommen oder Aspekte unbeleuchtet zu lassen.

These 2: Kommunikation, die transparent ist und sich einfach initiieren lässt, ist Social

Zurück zur Groupware: auch hier gibt es Werkzeuge zur Kommunikationsunterstützung: Chats, Foren, Nachrichtensysteme, Gruppenkalender etc. Diese bestehen aber nebeneinander und müssen zur Initiierung der Kommunikation explizit geöffnet werden. In Social Software werden dagegen Aktivitäten und Kommunikation weitestgehend zusammengeführt: Nutzer können direkt, z.B. per Kommentar oder @-Reply angesprochen werden, Nachrichten können selbstverständlich eingebettete Links, Grafiken oder Videos enthalten, Diskussionen lassen sich nachverfolgen und Themen werden per Hashtag gruppiert – und das ohne, dass ich irgendwelche speziellen Adressdaten der anderen Nutzer brauche, es reicht der Login-Name, ein Hastag oder das weiterleiten per Retweet.

These 3: Social = Die Teilnehmer werden als Individuum wahrgenommen (?)

Ein Kollege meinte mal (überspitzt): Sobald ein Avatarbild dabei ist, wäre es “social”. Ich glaube, so ganz falsch liegt er damit nicht, denn das Identitätsmanagement ist ein wesentlicher Bestandteil von Social Software (vgl. RICHTER & KOCH 2009, S.3). Während in Groupware so etwas wie “Awareness” noch eines der besonderen (wenn überhaupt verfügbaren) Features waren und sich oft auf Informationen wie “wer ist online” oder “2 neue Dokumente” beschränkte, ist die Wahrnehmung anderer Nutzer DAS zentrale Prinzip von Social Software überhaupt. Hier kommt zuerst “Oh, Anja hat einen neuen Blogeintrag” und dann “Was schreibt sie denn?”. Die Frage ist nicht mehr “Worüber will man informiert werden?”, sondern “Über wen?”. Und das Ganze funktioniert auch über Plattformen hinweg: Man folgt Personen auf Twitter, deren Blog man liest oder mit denen man (real und/oder über Social Networks) befreundet ist.

“Oh dear! Oh dear! I shall be late!” (CARROLL 1865)

Die #opco11-Themenwoche zum Social Learning ist ja eigentlich vorbei, aber vielleicht findet sich ja doch der ein oder andere, den das Thema noch nicht ganz loslassen will. Immerhin geht es ja genau darum: Wir gestalten die Lernprozesse selbst, somit auch Geschwindigkeit, Dauer und Intensität. Das einzige, was uns noch zu begrenzen scheint, ist die Zeit, die wir haben, nicht haben, die uns (nicht) gegeben wird oder die wir uns (nicht) nehmen.

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