Muss man für erfolgreiche Lehre “der/die Auserwählte” sein?

Was man halt Samstag nachts so macht: ich bin auf ein Video gestoßen, in dem die Weihnachtsvorlesung meines ehemaligen Matheprofs Bernhard Ganter von einem (ehemaligen/immernoch?) Studenten vertont wurde. Die Folien stehen im Netz, ich frage lieber nicht, ob der Nutzer die Genehmigung dazu hatte.

tl;dr

Die Hattie-Studie bestätigt: es kommt auf den Lehrer an. Aber was ist, wenn das stimmt?

Zuerst möchte ich betonen: Ich fand diese Vorlesung sehr gut, sie ist mir noch sehr gut im Gedächtnis und ich werde mein Leben lang wissen, was invertierbare Matrizen sind, denn die Mischmaschmatrix ist nicht invertierbar, und deshalb kann man aus Teig keine Zutaten mehr machen. Ich habe mir die Definition von Plätzchen selbst für meine weihnachtlichen Übungen zur Prozessmodellierung vom Plätzchenbacken geliehen. Und ehe Prof. Ganter Panik bekommt: Ich habe in den Vorlesungen auch noch mehr gelernt. Zum Beispiel, was Schwellendidaktik ist, (weil der neue Harry-Potter-Band nachts verkauft wurde) 😛

Aber das Video ist ein schönes Beispiel dafür: es kommt sehr auf die Lehrperson und deren didaktische Fähigkeiten an. Die Bemühungen des YouTubers in allen Ehren: keine Zusammenhänge, einfaches Ablesen der Folien etc. Das fetzt so nicht. Sorry. Inhalte UND Präsentation (nenn’ es  Didaktik) müssen stimmen. Bei Andreas Wittke lese ich das gerade immer wieder bestätigt, bspw. hier oder hier.

Aber was fangen wir mit diesen Erkenntnissen an? Die Pädagogen/Erziehungswissenschaftler sagen dann sicher so etwas wie “wir sagen seit Jahrenzehnten/-hunderten, dass es auf die Vermittlungsform ankommt.” Aber liefern sie hierfür Antworten? Warum habe ich meinem Matheprof damals so gebannt zugehört und finde das Video nicht gut? Gleichzeitig bin ich sicher, dass das Video aufgenommen vom Matheprof ein Hit wäre. Warum bekommt das Video vom Spritzgießen so viele Klicks, liebe Pädagogen? Warum basiert das Erfolgskonzept der Sendung mit der Maus so stark auf Armin, Christoph, Ralf und Malin?

Ich bin ja gerade etwas rumgekommen (#oerde14, #delfi2014 a & b, #q2p) und habe mit verschiedenen Rahmenbedingungen gearbeitet: In Präsenz akzeptiert man schlecht lesbare Folien aufgrund von Lichtverhältnissen oder miesen Ton aufgrund fehlender Mikrophone, wenn der Redner gut ist. Der kann ja nix dafür. Bei Videos im Web ist das oft anders: hier hat man es quasi selbst in der Hand – obwohl hier weitere Kompetenzen benötigt werden, die es in Präsenz oft nicht braucht oder die man dort outsourcen kann: Tonqualität, Lesbarkeit der visuellen Unterstützung etc.

Die Frage bleibt aber (vor allem an die Pädagogen/Erziehungswissenschaftler): Wie viel Instruktionsdesign ist möglich, was muss die Lehrperson mitbringen? Wie viel ist vom Rahmen abhängig? Und damit meinerseits vor allem: was kann der Rahmen leisten?

Seien wir ehrlich: wir erinnern uns an die coolen Profs vor allem daher, weil es genügend Profs gab, die weniger interessante Vorlesungen gehalten haben. Wo Licht ist, ist auch Schatten (5€ ins Phrasenschwein). Eine wissenschaftliche (nicht ganz unumstrittene) Fundierung geht seit etwa einem Jahr um: die Hattie-Studie bestätigt, dass es auf den Lehrer ankommt.

Dreimal die späten Gedanken gedreht: was ist eigentlich, wenn das stimmt? Kann man sich bei der Lehrmittelgestaltung, bei der Lehrmethodik, bei didaktischen Konzepten, bei Gamification und bei gestaltungsorientierter Didaktikforschung drehen wie man will, da ganze könnte ohnehin vor allem vom Lehrenden abhängen? Maskieren Lehrmethoden bestenfalls schlechte Lehrpersonen? Müsste man vor der Aufnahme eines Lehramtsstudiums oder vor der Einladung zum Berufungsverfahren auf die generelle Eignung als Lehrperson “testen” lassen?

Wollen wir an dieser Stelle weiterdenken? Und müssen wir das, wenn wir uns um den (online-/medialen) Rahmen von Lernangeboten geht?

[Panel] Open Educational Ressources und ihre Rolle an Hochschulen – Unter welchen Bedingungen Hochschulen OER nutzen, erzeugen und bereitstellen #OERde14

Logo OERde14Mein erstes Panel! Und dann noch zu diesem tollen und wichtigen Thema mit so tollen Gesprächspartnern! Bestimmt 100mal besser als AnneWill & Co.!

Hochschulen haben ein schwieriges Verhältnis zu Open Educational Ressources. Während sie einer der wichtigsten Akteure der Nutzung und Produktion sein könnten, so führen Unsicherheiten bei rechtlichen Fragestellungen sowie fehlende Anreize, Inhalte öffentlich bereit zu stellen, oftmals zu keiner aktiven Beteiligung auf diesem Feld. Der Beitrag möchte Unterschiede in der Beteiligung, Hindernisse aber auch Anreize und Beispiele entsprechender Aktivitäten an Hochschulen vorstellen und diskutieren und dabei auch einen Blick auf den europäischen Kontext werfen. Auch wird die Frage nach einer OpenContent-Strategie für Hochschulen gestellt und dabei die Rolle von Akteuren wie z.B. Zentren betrachtet.

Wann und wo?: Samstag, 13.09.2014, 13:00–13:45 Uhr im Raum Shakespeare (2. OG), Urania Berlin

Referenz: Bremer, Claudia; Deimann, Markus; Ehlers, Ulf-Daniel; Schmidt, Markus; Lorenz, Anja (2014): Open Educational Ressources und ihre Rolle an Hochschulen – Unter welchen Bedingungen Hochschulen OER nutzen, erzeugen und bereitstellen. Podiumsdiskussion auf der OER-Konferenz 2014, Berlin. (Slides von Anja)

“Roast”-Methode

Ich habe eine Idee für eine Kreativitätsmethode. Die Idee basiert weder auf Referenzen noch auf sonstigen wissenschaftlichen Vorgehensmodellen oder -vorgehensweisen, sie ist schlichtweg nicht wissenschaftlich entstanden. Dennoch gefällt sie mir gut. Daher will ich sie hier (und ggf. auch noch zu weiteren Gelegenheiten) zur Diskussion stellen. (Das geht schneller, als sie zu publizieren und akzeptiert durchaus Entwurfstadien, ganz nach dem Open-Science-Gedanken).

tl;dr

Statt die Vorteile und Potentiale eines Diskussionsgegenstands zu lobpreisen, soll die Roast-Methode Argumente der pessimistischen Perspektive hervorbringen: Warum kann diese Idee gar nicht klappen, warum ist das totaler Quatsch, warum ist es nichts Neues etc. Damit verschärft sie die Kopfstandmethode hin zu einem Format, das gerade in der Aufdeckung von Lücken auch zu neuen Anforderungen führen kann.

Ansatz: Kopfstandtechnik, Alles Nichts Oder & Roast Comedy

Ich mag kontroverse Formate. Ebenso habe ich in der Lehre erfahren, dass Lernende diese auch gern annehmen: eben weil sie scheinbar so selten zur Kritik aufgefordert werden, haben sie Schwierigkeiten, diese zu äußern. In hochschuldidaktischen Weiterbildungen habe ich die Kopfstandtechnik kennnengelernt und finde sie gut (und das war bei weitem nicht mit allen Formaten so). Im Rahmen des SOOC habe ich sie bspw. auch produktiv einsetzen können, um die Erwartungshaltung der Teilnehmenden abzufragen. Aber das Ganze könnte auch aggressiver sein…

Anfang der 90er gab es auf RTL die Spielshow “Alles Nichts Oder?!” mit Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder. Das ist so lange her, dass auch ich die Sendung nur aus ihren Wiederholungen kenne. Dabei wurde darauf hingearbeitet, dass am Ende die Gastgeber möglichst viele Torten ins Gesicht geworfen bekommen. In Spielen wurde die Anzahl der Torten, die am Ende geworfen werden durften, erkämpft.

Etwas weiter geht derzeit das Roast-Comedy-Format, bei dem irgendjemand oder irgendetwas gezielt dem Spott ausgesetzt wird. Der TV-Sender Comedy Central widmet sich hierfür bspw. der Verunglimpfung von konkreten bekannten Persönlichkeiten, die hierzu auch selbst eingeladen werden.

Ziel der Methode

Ein Betrachtungsgegenstand (eine Lösungsidee, ein Produkt…) soll insbesondere der negativen Kritik ausgesetzt werden. Damit kann man entweder

  1. dieser Kritik durch passende (und bisher offenbar fehlenden) Argumentationen begegnen, die in nachfolgenden Präsentationen dann nicht vergessen werden sollten ODER
  2. echte Schwachstellen des Betrachtungsgegenstandes identifizieren. Die nicht widerlegbaren Aspekte können dann leicht als Anforderungen identifiziert werden, die in die Weiterentwicklung des Betrachtungsgegenstands einfließen müssen.

Ablauf

Es erscheint als logisch (d. h. ich kann Aufbau und Vorgehen gerade nicht wissentschaftltlich belegen), dass folgende Punkte mindestens für den Ablauf berücksichtigt werden müssen:

  1. Präsentation/Darstellung des Betrachtungsgegenstands
  2. Klärung eventuell auftretender Verständnisfragen
  3. Sammeln von Gegenargumenten
  4. Reaktion auf Gegenargumente, d. h. entweder
    • inhaltlich widerlegen,
    • Relevanz widerlegen oder
    • als Anforderung aufnehmen.
  5. Dokumentation von
    • (Gegen-)Argumenten, die in zukünftige Präsentationen mit aufgenommen werden müssen und
    • Anforderungen, die durch die Diskussion entstanden sind.

Grundsätze und Unterstützungsmöglichkeiten

Grundsätzlich dürfen dem Roast keine Hierarchien im Weg stehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man es auch in der regulären Lehre anwendet, aber dann muss von vorn herein klar sein: Das Finden von Gegenargumenten ist Sinn und Zweck. Es ist keine Kritik an demjenigen, der den Betrachtungsgegenstand vorstellt. Der “Verteidiger” des Betrachtungsgegenstands sollte glaube ich auch nicht bewertet werden, denn sonst traut sich das Plenum nicht, hier ernsthaft Kritik zu üben. Wenn überhaupt liegt die Leistung in dem Finden und Formulieren der Gegenargumente.

Zum Aufbau eines Roasts scheinen folgende Elemente für die Unterstützung sinnvoll:

  • Dokumentationswerkzeuge
    • um Gegenargumente (Schritt 3) können zu sammeln (Moderationskarten, Etherpad,…)
    • um neue Anforderungen aufzunehmen
  • Dokumentationsrolle: Um auch wirklich alle Argumente zu erfassen könnte es sinnvoll sein, einen Teilnehmenden zum “Schriftführer” der Argumente zu benennen.
  • Weitere Ideen:
    • Sollte es dazu kommen, dass Gegenargumente/Anfragen etc. weiterhin von externen Stellen gesucht werden, dann könnte eine Art Galgenraten die Teilgebenden motivieren, weitere Schwachstellen zu finden.
    • Wenn man die Methode in der regulären Lehre einsetzt, dann könnte es schwierig sein, jemanden als “Verteidiger” einer Idee auszuwählen. Hier braucht es inhaltliche und argumentative Sicherheiten, die sich vielleicht nur schwer finden lassen. In diesem Fall könnte man auch mehrere Teilnehmenden oder eine Gruppe zur Verteidigung des Betrachtungsgegenstandes benennen.

Wer hat weitere Ideen?

Als erste Ideensammlung soll das genügen. Ich überlege auch, das ganze beim #ecfra14 als Session anzubieten und dort weiterzuentwickeln. Man könnte das in diesem Rahmen auch gleich ausprobieren, sozusagen als Self-Roast :D. In jedem Fall bin ich (über welchen Kanal auch immer, gern auch hier in den Kommentaren) dankbar über weitere Ideen und Hinweise: Gibt es so etwas in der Art vielleicht schon? Welche weiteren Strukturierungshinweise braucht es? Welche weiteren Unterstützungsmaßnahmen sind nötig? Wie könnte man das ganze optimal dokumentieren? War sind große Fallen dabei? Worauf müsste man sonst noch achten?…

Learning Analytics und was ich mir davon verspreche

Bei den ersten Beiträgen zum Teilthema Learning Analytics des aktuellen (und letzten :'() Themenblock im SOOC1314 lese ich öfter heraus: Das scheint eine gute Idee zu sein, da auch der Lernprozess in Benotungen mit eingehen kann und nicht nur das Ergebnis der Abschlussprüfung. Dazu habe ich in den Kommentaren bereits mehrmals “ja aber” gesagt, sodass ich mich irgendwie zu einer zentralen Stellungnahme genötigt fühle. Da meine Meinung vielleicht nicht sehr kuschelpädagogisch ausgerichtet ist, tue ich das hier und nicht auf dem offiziellen SOOC1314-Blog.

Nein, ich will keine persönlichen Lernfortschritte benoten!

Den Lernprozess in die Benotung mit einbeziehen. Den persönlichen Fortschritt in den Vordergrund rücken. Das alles klingt aus Potentialbetrachtungen für Learning Analytics oft hervor. Auch einige SOOC-Teilnehmende haben darüber geschrieben. Aus Sicht der Hochschullehre muss ich (außerhalb der Softskill-Vermittlung) aber sagen: Welche persönliche Entwicklung ein Studierender genommen hat kann mir eigentlich Schnuppe sein. Ja, natürlich freue ich mich, wenn gerade anfangs schwache Studierende Fortschritte machen, aber es kommt darauf an, dass die Studierenden am Ende die Kompetenzen vorweisen können – egal wie schlecht sie vorher waren.

Ganz salopp gesagt: Nur, weil jemand vorher kein Blut sehen konnte und bei jedem Pflaster wechseln umfiel, kann ich ihm kein Arzt-Studienabschluss geben, wenn er dann wenigstens ein Zäpfchen setzen kann. Die Studienabschlüsse rufen bestimmte Vorstellungen hervor, was jemand damit können sollte. Ein Arzt sollte Krankheiten behandeln, ein Anwalt Gesetzte interpretieren und ein Lehramtler für Mathe auch Integralrechnung beherrschen. Was nützt es da, wenn ich anhand diverser Learning-Analytics-Tools sagen kann: “hey, vorher war der/die noch viel unfähiger”? Nein: Noten anhand von Learning-Analytics-Ergebnissen will ich nicht vergeben.

Aber wofür ist es dann sinnvoll?

Nicht den Lernprozess benoten: einschätzen würde ich ihn gern können. Was haben die Studierenden verstanden? Was nicht? Wo sollte ich noch einmal nachhaken? Schon in Präsenzveranstaltungen bekommt man ja wenig Feedback der Studierenden. Zeit für begleitende Evaluationen ist nicht vorhanden. Woher soll ich das also wissen? Noch schwerer ist es bei Online-Kursen, an denen die Teilnehmenden zeitunabhängig teilnehmen. Kommen sie gut voran? Haben sie Probleme mit den Inhalten? Wenn ja, mit welchen? Welche Inhalte sind gut?

modern times illustration by hikingartist (CC-BY-NC-ND)

Aber natürlich gibt es noch mehr Potentiale, gerade wenn man die Netzwerkanalyse anschaut: Wer arbeitet mit wem zusammen? Wer hilft den anderen im Forum bei Fragen? U.v.m. Lerarning Analytics ist aktuell heiß im Horizon Report 2014 platziert worden. Wir dürfen also noch einiges erwarten.

[SOOC1314] Post-Halbzeit

OMG! by Tama Leaver (CC-BY)

Tja, so kurz nach dem “Bergfest” des SOOC1314 und so kurz vor dem MOOCCamp13 prokrastiniere ich gerade durch das Lesen von SOOC-Beiträgen der Teilnehmer, “erwische” mich in Begeisterung und fühle mich zum Zwischenfazit genötigt. Ich hatte hier meine Erwartungen an den neuen Durchlauf formuliert (wagemutig, wie ich bin) und was steht da?

Wir haben mit diesem zweiten Durchlauf die Möglichkeit, die Erfahrungen aus dem SOOC13 anzuwenden und zu professionalisieren. Wir wissen, wann welcher Beitrag erscheinen muss, wir haben die Experten diesmal schon vor dem Kurs angefragt (das war tw. eine sehr kurzfristige Angelegenheit im letzten Semester), wir haben wieder kompetente HiWis…

Zwischenfazit: Check. Wir haben wöchentliche Skype-Meetings, in denen wir die Aktivitäten für die nächste Woche durchgehen. Darin sind standardmäßig Aspekte, wie “Fazit schreiben” oder “Experten briefen” enthalten. Die HiWis sind weiterhin kompetent und fit, wir haken nur ab 🙂

Auch unser StreifSOOC zeigt das deutlich: wir sind parallel zum SOOC auf einigen Konferenzen unterwegs. Das war im letzten Durchlauf undenkbar und ich hatte ein irre schlechtes Gewissen, als ich im Juli das Team für die EduLearn “allein gelassen” hatte. Heute schmeißen die HiWis währenddesssen den Laden. Toll!

Eigentlich würde ich gern das erreichen, was man bei “regulären” Präsenzkursen auch bei der Wiederholung schafft: Die nervigen formale und trockenen Aufgaben effizienter bewältigen und dafür Zeit haben, kreativ die Inhalte zu aktualisieren. Ich denke aber, dass wir im SOOC stärker noch als in der Präsenzlehre von der Zusammensetzung der Teilnehmer abhängig sind – und genau das macht es auch so spannend.

Joah, da geht glaube ich auch ganz gut. Die Badges erleichtern den Dresdner Mädels die Bewertung, die ersten Feedbacks sehen das auch positiv. Leider springen uns die Inputgeber/Zusammenfasser seitens der Teilnehmer etwas ab, aber ab und an kommen auch hier die Beiträge und wenn sie kommen, sind sie wirklich gut… wenn jetzt noch die Uni-Bürokratie naja man kann auch nicht alles schaffen…

Als der letzte SOOC13 geendet hatte, wünschte ich mir für den zweiten Durchlauf, dass ich nicht mehr versuche, alle Beiträge zu lesen. Das habe ich immer noch im Hinterkopf, denke aber fast, dass es mir nicht leicht fallen wird. Mal schauen, was über den Kursverlauf damit wird…

Nicht alle Beiträge lesen… ich habe seit vor der Online Educa in Berlin, d.h. seit einer Woche kaum Blogposts gelesen. Das krasse:

Screenshot von Feedly nach einer Woche Nichtlesen

Screenshot von Feedly nach einer Woche Nichtlesen

(und dabei habe ich schon eine Hand voll Artikel wieder gelesen, ehe ich auf die Idee gekommen war, den Screenshot zu machen.) Und ich WILL die eigentlich auch lesen. Und ich schaue jetzt nachts die Aufzeichnung des ExpertenTalks mit @gibro, bei dem ich leider nicht online sein konnte. Ist es jetzt mein Problem, oder das der anderen Lehrveranstaltungen, die mich nicht so einnehmen? Dazu muss ich sagen: 40+ Beiträge schrecken mich nicht ab ^^.

Na gut, dann pack ich mal meine Sachen für die nächste Station des StreifSOOC: Wir fahren zum MOOCCamp nach Frankfurt!

Logo MOOCCamp13

Die 2. eScience Netzwerkkonferenz

Mein Teilprojekt CELePro im eScience-Netzwerk Sachsen ist ja seit Ende Mai eigentlich beendet (die Dokumentation ist noch in Arbeit). Vom 11.–13.06. fand die Netzwerkkonferenz in Dresden statt, in der ich einige Ergebnisse vorstellen konnte. Da die Veranstaltung mit der Summer School verknüpft war, waren alle Poster und Präsentationen auf Englisch – Challenge Excepted!

Das Rahmenprogramm war super: u.a. haben wir das Digitalisierungszentrum der SLUB gesehen – mein absolutes Highlight!

Das Poster

… steht im A0 download-Format bereit.

Die Präsentation

Habe ich dank Mr Ed auch gut hinbekommen. Muss langsamer reden. Wie immer.

Der Datenreport folgt.

Frontal ist für alle einfacher… aber ist es auch besser?

Der erste Themenblock des SOOC13 ist vorbei und ich bin überwältigt von der Erfahrung aus Gastgebersicht – positiv wie kritisch. Der Trick, damit ich nachher mit dem Positiven schließen kann: ich fange mit den kritischen Aspekten an. Diese sind nicht immer “negativ” im Sinne von schlecht, aber sie sind kritisch und daher beschäftigen sie mich vermutlich sogar länger, als die begeisterten Beiträge, von denen auch ich begeistert bin und zehren kann.

tl;dr

Es folgen oft unbeantwortete Gedanken zu: Soll ich auf Beiträge immer reagieren (müssen)? Wann kann und muss ich mich heraushalten um andere Teilnehmer nicht zu hemmen? Warum mache ich das hier? Wie kann der SOOC13 besser werden?

MOOCs in der Hochschullehre

Etwa zu dem Zeitpunkt als wir wussten, dass der SOOC13 im Rahmen eines LiT-Projekts vom HDS gefördert werden wird, startete der MMC13, der MOOC Maker Course, also ein MOOC darüber, wie man einen MOOC gastgibt. Es hätte keinen idealeren Zeitpunkt geben können (danke noch einmal an Monika König, Dörte Giebel und Heinz Wittenbrink). Wie in einem MOOC üblich habe ich mal mehr, mal weniger teilgenommen, aber stets versucht, die aktuellen Diskussionen zu verfolgen. Die “Überforderung” kannte ich schon aus dem OPCO11, damit wusste ich, wie man ohne schlechtes Gewissen die Twitter-Timeline schnell nach oben scrollt. Nun aber bin ich selbst “MOOC Maker”…

[tweet https://twitter.com/anjalorenz/status/337786324130074624]

Ich werde die Veröffentlichung dieses Posts irgendwann auf den Sonntag legen, damit ich das letzte Wort habe 😉 Dennoch möchte ich nicht verheimlichen: Es ist jetzt kurz nach 1 Uhr nachts an einem Freitag Abend, ich habe am Sonntag eine Deadline für ein Poster, ich habe ein (sehr intensives und zufriedenstellendes) Privatleben und mich lässt der SOOC13 jetzt trotzdem nicht los. Insbesondere, weil die Teilnehmer nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der Meta-Ebene über MOOCs schreiben. Hier ein paar Beispiele herausgegriffen:

  1. Über MOOCs und Motivation von secalcesal
  2. Die letzten Beiträge der SOOC13 Labrats (1,2,3) (toller Name für einen Blog und sehr cool, dass sich hier gleich zwei Teilnehmer im Blog zusammengeschlossen haben)

Studenten als spezielle Zielgruppe

Seit dem ich diese Posts gelesen habe, überlege ich, ob ich darauf antworten soll und vielleicht sogar müsste. Oder aber: ist es etwa kontraproduktiv, denn ich könnte wertvolle Kommentare anderer Teilnehmer hemmen, wenn ich hier antworte, immerhin gelte ich als Gastgeber. Auch die MMC13-Crew hatte dieses Phänomen erlebt. Aber wir haben im SOOC13 noch eine zusätzliche Komponente: Wir haben Studierende, die ggf. CPs erhalten wollen. Wenn ich als 0815-Teilnehmer in einem MOOC keine Zeit habe (wie aktuell leider beim COER13), dann lasse ich es einfach wieder. Keine Konsequenzen. Aber für Studierende gibt es da noch ein paar andere Motivatoren: Wenn sie abbrechen, bekommen sie die CPs nicht und dann war das Semester in diesem Modul vielleicht “verschenkt”. Daher ist es durchaus möglich, dass Studenten sich pragmatisch für den SOOC13 entschieden haben – für den Schein eben (kritisiert und diskutiert hier).

Ganz ehrlich, ich selbst war doch teilweise auch so. Ich habe damals folgendermaßen mein Hauptseminar ausgewählt: in meiner Stundenplanung war der Mittwoch noch frei. Und es gibt ja wohl kaum etwas blöderes. Montag frei, Freitag frei, das mag alles sehr angenehm sein, aber Mittwoch? Als einzige infrage kommende Lehrveranstaltung gab es ein Hauptseminar “Aktuelle Forschungsfelder im eLearning”. Ich hatte zwar noch kein Proseminar gemacht, aber was soll’s. Ältere Studenten sagten mir, dass das kein großer Unterschied ist, die Betreuer haben mir empfohlen zu überlegen, ob ich schon so weit wäre. Und das Ergebnis? Ich fand es spannend, habe bei der gleichen Betreuerin meinen Großen Beleg und meine Diplomarbeit geschrieben und letztere später veröffentlicht (IADIS eSociety in Porto, ITSE). Ein glücklicher Zufall? Vielleicht und wahrscheinlich. Fazit: Ich kann die stundenplangetriebene Auswahl von Lehrveranstaltungen durchaus verstehen.

Ich kann auch verstehen, wenn es nicht so läuft und man das Thema auch mal “absitzt”. Wie secalcesal schreibt: Man kann kein Interesse verlangen. Man kann es versuchen zu wecken, aber es wird ggf. nicht alle mitnehmen. Und die Personen, die “nur den Schein” wollen, sollen das auch durchaus dürfen, ebenso wie in einer “normalen” Uni-Veranstaltung. Hier spare ich mir die Frage, warum der Kurs belegt wird oft: Er steht im Stundenplan, eine Anrechnung vielleicht anderer interessanterer Kurse macht Arbeit, also sind die Studenten da. Da habe ich auch die komplette Bandbreite vor mir. Und das merke ich auch.

Hochschullehrende als spezielle Gastgeber

Ich habe einige Weiterbildungen im hochschuldidaktischen Bereich besucht und auch der SOOC13 ist für mich eine selbstorganisierte Weiterbildung (die ich mir übrigens im Modul 3 des HDS-Zertifikatprogramms anrechnen lassen will). Warum mache ich das? Wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich vor Studenten zu stellen, dann kann ich das auch so machen, dass es wenigsten mir ein wenig Spaß macht, im Idealfall sogar den Studenten. Im Modul 1 des HDS-Zertifikatsprogramms sagte eine Teilnehmerin:

“Frontalunterricht ist für alle leichter.”

Und recht hat sie: Ich kann meinen Monolog halten, alle schreiben die wichtigsten Sachen mit. Wenn ich nett bin, sage ich auch, was in der Prüfung wahrscheinlich drankommen könnte. Die Studenten haben dann einen sehr detaillierten Katalog möglicher Prüfungsfragen. Wenn ich auch nur diese nehme dann werden vermutlich alle Studenten gut abschneiden.

Classroom, ca. 1901 von City of Boston Archives (CC-BY)

Das “Problem” ist: Um Monologe zu halten, brauche ich keine Studenten vor mir. Die kann ich hier im Blog festhalten. Oder als Video aufnehmen. Oder Audioboo. Ich kenne diese Medien doch. Ich will aber: Interaktion, Feedback, neue Ideen, Meinungen, Diskussionen motivieren. Hoschulabsolventen sollen sich doch auch Meinungen selbst bilden und diese artikulieren und diskutieren können. Vielleicht will jemand selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter werden und muss dann Lehre übernehmen. Dann sollte er vielleicht auch andere Methoden kennen als Frontalunterricht, oder?

Daher ist der MOOC für mich auch so ein einnehmendes Erlebnis, hier habe ich das alles in ausgiebiger Form. Aber wie auch in anderen Lehrveranstaltungen gilt: Ich mache mir keine Illusion, dass alle mitmachen. Es werden auch einige aussteigen oder vielleicht schon ausgestiegen sein. Ich will gern denjenigen helfen, die es schwer haben, aber wenn jemand feststellt, dass der SOOC13 nicht zu ihm passt, dann finde ich es auch ok, wenn er aussteigt oder nur das Nötigste zum “Bestehen” macht.

Und nur zur Transparenzschaffung: Die Förderung des HDS bezahlt “lediglich” unsere WHKs. Darüber freuen wir uns sehr. Aber das heißt auch, dass der SOOC13 eher ein “Freizeitprojekt” von uns ist, denn wir sind auch in anderen Projekten und Stellen eingebunden. Also warum tun wir das? Weil MOOCs schlichtweg gerade DAS Thema sind und auch wir es nur erleben können, wenn wir es selbst ausprobieren. Alle reden über die Einbindung in die Hochschulen: wir tun es.

Interaktivität als Problem?

Und nun lese ich diese ersten Auseinandersetzungen mit dem Format. Zunächst einmal: Ich finde das gut. Diese Kritiken zeigen die aktive Auseinandersetzung. Die Autoren sind keineswegs “faule Nörgler”, sondern kritische Teilnehmer, die nicht einfach nur machen wollen, was die CP-Anforderungen verlangen, sondern das Format beschäftigt sie. Und das tw. mehr, als sie das erwartet haben und selbst wollen.

“Aus besagtem Le[hrer]professionalitätskurs gehe ich raus, schließe die Kurstür hinter mir und habe dann die Möglichkeit, die Gedanken daran zu beenden. […] Die Leistung, auf die es nun mal ankommt (vgl. sooclis Beitrag oder die Diskussion hier), wird hauptsächlich in dem Seminar selbst abgeleistet oder in einer Klausur zu einem festgelegten Zeitpunkt oder in einer Ausarbeitung (die auch wiederum in sich selbst begrenzt ist). Die Kurse sind begrenzt und die Möglichkeit der Auseinandersetzung ist es auch.

Sooc: Der Sooc hat keine Grenzen und auch die für den Schein benötigte Leistungsanforderung ist nicht wirklich klar (mir zumindest). Durch Twitter und den eigenen Blog ist man ständig in irgendeiner Art und Weise verbunden. […] Es stellt sich eine schwache Art der mentalen Abhängigkeit ein, die mir absolut nicht gefällt. ” (Quelle)

Ein wenig freut es mich ja, dass wir die Teilnehmer mental bei der Stange halten können, ich befürchte aber, dass das polemisch klingt und das soll es nicht. Wir haben es als Lehrende geschafft, dass Ihr über die Kursinhalte nachdenkt und das auch außerhalb des Kurses? Yeah!

Aber ich kann verstehen, was das Problem ist: Es dringt in Bereich, die bisher vom Hochschulalltag ausgeschlossen waren. Aber was war noch einmal Ziel des Kurses?

“Soziale Medien, wie Facebook, Twitter, Skype oder Google+, gehören heute zum Alltag vieler Studierender. Dabei ist nur den Wenigsten wirklich bewusst, dass diese nicht nur unterhaltenden Charakter haben, sondern ein ganz neues Potenzial entfalten, wenn Sie gezielt zur Unterstützung von Lernprozessen genutzt werden.” (Quelle)

Dieser Text war einer der ersten, der auf den Kursseiten veröffentlich wurde. Wir wollten genau das im SOOC13 diskutieren. Auch deshalb haben wir für den dritten Themenblock die Konsequenzen des Lernens im Netz aufgenommen: Das alles ist nicht einfach. Es ist nicht so leicht wie Frontalunterricht. Und NIEMAND hat bisher dafür eine Lösung gefunden, die dennoch allen Ansprüchen genügt. Wir bieten die Chance, sich mit unserer Unterstützung im Social Web auszuprobieren und die Möglichkeiten aber auch Gefahren für sich zu entdecken. Ob man diese Möglichkeiten dann weiterhin nutzt, das liegt bei jedem selbst. Aber auch wenn sich die Teilnehmer gegen die ein oder andere Komponente entscheiden, dann können sie diese Entscheidung (hoffentlich) durchaus begründen. Es ist eine Entscheidung, die nach einer aktiven Auseinandersetzung getroffen wurde und nicht aus Angst oder Desinteresse.

Nur lesen, nicht kommentieren?

Aber soll ich nun etwas in den Kommentaren hinterlassen? Als Teilnehmer hätte ich es bestimmt. Aber ich bin auch Gastgeber. Sobald von mir dort irgendetwas steht, werden andere vielleicht gehemmt, hier auch Kommentare zu verfassen. Aber wenn ich keinen Kommentar hinterlasse, denken die Teilnehmer vielleicht, es wäre mir egal oder ich hätte den Kommentar nicht gesehen. Wie die Labrats richtig erkannt haben:

Anja Lorenz und Co. nehmen diese Distanzlosigkeit ja  bewusst in Kauf bzw. haben sich von vornherein (so scheint es) darauf eingestellt. Das ist ok und hier auch ganz praktisch (auch wenn ich immer noch unsicher bin ob ich duzen oder Siezen oder was auch immer soll… scheint auch irgendwie egal zu sein).

Erst einmal: Das Du oder Sie ist mir persönlich egal. Und ja: wir haben uns im Vorfeld darüber unterhalten und gerade weil Nina Kahnwald doch gerade Jun.-Prof. geworden ist, lag das “Sie” nahe. Aber ich halte es oft nicht durch. Auch, weil ich einige SOOC13-TN  schon kenne. Asche auf mein Haupt.

Aber genau diese “Distanzlosigkeit” macht es auch, dass ich hier nachts noch drüber nachdenke, ob und was wir tun können, um die Erfahrungen der Teilnehmer zu verbessern, ohne auf das offene Konzept zu verzichten. Daher: Helft uns! Was macht den SOOC13 besser?

Was der erste Themenblock gebracht hat

Natürlich werkeln wir an den Baustellen herum. Aber es ist so viel toller Input zum SOOC13 gekommen: Die PLEs. Das conexperiment und dessen Reflexion – vor allem, warum es oft nicht geklappt hat. Außerdem gab es in Vorbereitung auf den zweiten Themenblock eine Blogparade, deren Rückmeldungen ich schlichtweg überwältigend fand.

“[…] Nur bemerke ich gerade, dass die Beschäftigung trotz des Zeitaufwandes eine große Bereicherung für mich ist. […] ich kann nur sagen, dass ich in vielen Kursen in denen ich länger sitze, als ich mich mit meinem Blog beschäftige, weniger Wissens- und Erfahrungszuwachs mitnehme als hier. Ich versuche durch meine strengen Zeitvorgaben meine eigenen Leerzeiten einzubauen und mit dem Druck, den ich übrigens auch in mir spüre umzugehen. Ich finde genau dieses Gefühl gerade als sehr spannend und beobachte meine eigenen Entwicklungen.” (Quelle)

Warum ich blogge

Ich habe überlegt, ob ich auch selbst an der Blogparade teilnehmen soll. Aber schickt sich das als Gastgeber (mal abgesehen, dass ich keine Zeit habe… nein, falsch,ich setze derzeit andere Prioritäten, vor allem für den SOOC13)? Letztendlich blogge ich genau aus diesen Gründen hier (ist quasi ein Action-SelfResearch-Beitrag): Ich will mir etwas von der Seele schreiben und ev. sogar Feedback bekommen. Dafür nehme ich mir (im Gegensatz zu Twitter u.ä.) etwas länger Zeit. Ich halte hier einen Monolog “damit die Welt es weiß”. Und damit ich es wiederfinden kann (wie bspw. den Beitrag zu OER in Sachsen). Ab und zu kündige ich in Blogposts auch etwas an und nutze das rein als Push-Medium.

Mein Problem ist eher: Was blogge ich wo? Bin ich gerade SOOC13-Gastgeberin oder kritische Social Media Nutzerin, geht es um Lehrexperimente, meinen Verein oder ist das nur eine subjektive Aussage von mir selbst?

Vermutlich liest diesen Beitrag keiner komplett (er ist ja auch sehr lang geworden). Aber mir geht es jetzt besser 🙂

Leseempfehlung

Durch die Blogparade bin ich verstärkt auf den Seiten von Jean-Pol Marting unterwegs. Er formuliert die Informationsverarbeitung nicht etwa als etwas Schlechtes (Stichwort “Information Overload”), sondern als ein Grundbedürfnis: http://jeanpol.wordpress.com/2009/12/31/informationsverarbeitung-als-grundbedurfnis/ Ich bin beruhigt.